Die Assetklasse Aviation – deutlich mehr als "nur" Flugzeuge

Markus Niedermeier
Markus Niedermeier

Gastbeitrag von Markus Niedermeier, LHI Kapitalverwaltungsgesellschaft, zu Investmentchancen in der Assetklasse Aviation – deutlich mehr als „nur“ Flugzeuge:

Gemäß vieler Prognosen wird die Nachfrage nach Passagier- und Frachtflügen im weltweiten Durchschnitt, auch über die nächsten zehn oder zwanzig Jahre betrachtet, weiter steigen. So ist der weltweite Passagierluftverkehr beispielsweise im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Prozent gewachsen.

Die Prognosen der führenden Hersteller Airbus und Boeing gehen dabei davon aus, dass dieses Wachstum in den kommenden Jahren im Durchschnitt stabil bleibt. Auch die durchschnittliche Auslastung der weltweiten Flugzeugflotte stieg im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozentpunkte auf ein Allzeit-Jahreshoch von 81,4 Prozent. Der hohe Ladefaktor wirkt sich positiv auf die Einnahmesituation der Fluggesellschaften aus.

Der steigende Bedarf an Flugzeugen führt zu einem erhöhten Finanzierungsbedarf. Der Anteil geleaster Flugzeuge an der Gesamtflotte ist dadurch in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und wird derzeit auf etwa ein Drittel der Gesamtflotte geschätzt. Insofern ergeben sich bei der derzeitigen, aber auch zu erwartenden künftigen Marktlage interessante Geschäftsansätze im Bereich der Flugzeugfinanzierung.

Weniger bekannt aber wirtschaftlich ebenso attraktiv ist die Finanzierung von Ersatztriebwerke (Spare Engines). Dies beruht darauf, dass im weltweiten Durchschnitt Fluggesellschaften zwischen zehn und zwölf Prozent zusätzliche Triebwerke vorhalten. Grund dafür ist, im Fall des sogenannten „Shop Visits“ der Original-Triebwerke, den Flugzeugrumpf („Airframe“) weiter nutzen und so die Investitionskosten optimal einsetzen zu können. Nachdem diese Ersatztriebwerke eine zusätzliche Belastung für die Bilanz darstellen, werden gerade die separat sicherungsfähigen Ersatztriebwerke vermehrt im Rahmen von Sale-and-Lease-Back-Transaktionen finanziert. Daneben stellen Search-and-Rescue-Helikopter einen interessanten Teilmarkt dar.

Passagierflugzeuge
Quelle: Airbus Global Market Forecast 2017-2036; eigene Darstellung LHI

Was muss bei einer Investition in Aviation Assets besonders beachtet werden?

Auch wenn die Technologiezyklen im Luftfahrtbereich deutlich länger dauern als beispielsweise in der Automobilbranche, so ist bei einer Investition dennoch darauf zu achten, dass der Restwert innerhalb des Investitionszeitraums möglichst stabil bleibt. Dies ist insbesondere bei Flugzeugen, Triebwerken oder Helikoptern der Fall, die technologisch aus heutiger Sicht auf dem neuesten Stand sind, und vor allem bezüglich der Triebwerke, auch perspektivisch alle gesetzlichen Anforderungen an Emissionsstandards erfüllen. In diesem Zusammenhang spielt vor dem Hintergrund wieder steigender Kerosinpreise auch ein möglichst niedriger Verbrauch eine wesentliche Rolle als Kostenfaktor. Daneben trägt eine hohe Drittverwendungsfähigkeit und eine möglichst weltweite, breite Kundenbasis zur Wertstabilität der Assets bei.

Grundsätzlich kommen die meisten Gutachter zu dem Schluss, dass Mittelstreckenflugzeuge („Narrowbodies“) wertstabiler sind als „Widebodies“. Besonders deutlich wird dies bei einzelnen Flugzeugtypen wie dem Airbus A380. Dieser ist schon dadurch eingeschränkt nutzbar, dass zum Beispiel spezielle Flugsteige und längere Start- und Landebahnen benötigt werden, die an einer Vielzahl der weltweiten Flughäfen nicht verfügbar sind.

Hinsichtlich der Vertrags- und Finanzierungsstruktur ist zusätzlich darauf zu achten, dass neben der vereinbarten Miet- beziehungsweise Leasingrate auch Versicherungskosten, vor allem aber die zu erwartenden Instandhaltungsleistungen, vollständig abgedeckt sind. Beispielsweise liegen die Kosten für eine vollständige Überholung eines GE90-115B Triebwerks von GE Aviation (für den Flugzeugtyp Boeing 777) bei etwa neun Millionen US-Dollar.

Das größte Risiko ist also oft nicht ein Mieterausfall per se, denn ein Nachmieter kann bei einem guten Asset meist schnell gefunden werden. Vielmehr ist ein Mieterausfall zu einem Zeitpunkt, an dem das Flugzeug und vor allem das Triebwerk technisch abgeflogen sind und zuvor keine oder nur unzureichende Instandhaltungsleistungen bezahlt wurden beziehungsweise garantiert wurden, das größere Risiko.

Was sind die Vorteile einer Investition in Aviation Assets?

Aviation ist im weltweiten Durchschnitt ein globaler Wachstumsmarkt mit einem langfristig guten Ausblick. Solange das Asset an sich nachgefragt wird, spielt es keine erhebliche Rolle, ob ein oder auch wenige Länder weltweit gerade wirtschaftliche Probleme haben. Flugzeuge, Triebwerke und Helikopter sind einzeln sicherungsfähig und können grundsätzlich jederzeit weltweit eingesetzt werden.

Die Investition ist also nicht örtlich gebunden. Zudem ist der Luftfahrtmarkt schon aus Sicherheitsgründen hoch reguliert und standardisiert – ein Airbus A320 ist zunächst einmal immer ein A320. Dies führt auch dazu, dass diese Assets liquider und die Kaufpreisfindung transparenter ist, als bei anderen „Alternative Assets“. Auch bei der Wartung und der Beschaffung von Ersatzteilen sind die Kosten gut kalkulierbar und die Zeiträume verhältnismäßig gut abschätzbar.

Was hat in der Vergangenheit zu Problemen geführt hat und wie ist das vermeidbar?

Infolge der letzten Finanzkrise kam es dazu, dass technologisch neue Produkte von vielen Staaten gefördert wurden (Exportförderung für Airbus und Boeing) und dadurch ältere Assets noch zusätzlich unter Nachfrageproblemen zu leiden hatten. Technologisch neue Assets waren dagegen auch in und nach der Finanzkrise weitgehend stabil oder haben sich hinsichtlich des Restwerts relativ zügig wieder erholt. Man sollte also bei älteren Assets gerade aufgrund der aktuell generell hohen Assetpreise, die Risiken richtig abschätzen.

Manche Anbieter hatten vor der letzten Finanzkrise auf kurz- bis mittelfristige Mietverträge (die oft höher rentieren) und kurz- bis mittelfristige Finanzierungen gesetzt. Dies ist aufgrund der gestiegenen Zinsen in den USA und hoher Assetpreise auch heute wieder zu beobachten. Zur Vermeidung von solchen Konjunkturrisiken empfiehlt es sich, möglichst langfristige, fixe Miet- beziehungsweise Leasingverträge abzuschließen und entsprechend fristenkongruent zu finanzieren.

Für welche Investoren kommt eine Investition in Aviation Produkte in Frage?

Inzwischen sind auch auf dem deutschen Markt - auf jeden Fall aber international – zahlreiche Arten von Aviation-Produkten verfügbar. Dies beginnt bei Darlehensportfolien mit erstrangiger Besicherung und erstreckt sich über Mezzanine-Gestaltungen bis hin zu echten Eigenkapitalinvestments in Flugzeuge, Triebwerke und Helikopter. Je nach dem gewünschten Renditeziel ist also für viele Investoren etwas Passendes dabei. Zunehmend werden auch Produkte in Euro angeboten. Dies kommt immer dann in Frage, wenn die Mieter/Fluggesellschaften entsprechende Euro-Einkünfte generieren. Das ist vor allem innerhalb der Eurozone der Fall, aber auch zu einem bestimmten Prozentsatz bei Partnerairlines, die in die Eurozone fliegen. Wirtschaftlich ist eine Euro-Finanzierung für beide Seiten interessant: Für Airlines als natürliches Hedging-Instrument und für Investoren, da im Euro die deutlich günstigeren Zinskosten im Verhältnis zum US-Dollar dazu genutzt werden können, um gegebenenfalls Restwertrisiken teilweise zu minimieren.

Was sollte man bei einem Anbieter beachten?

Nachdem Aviation-Produkte in der Regel langfristig angelegt sind, sollte ein Partner ausgewählt werden, der ein nachhaltiges Geschäftsmodell verfolgt und als stabiler Assetmanager das Produkt über die gesamte Laufzeit aktiv begleiten kann. Zudem ist es wichtig, auf einen Interessengleichlauf zu achten, das heißt klar erfolgsabhängige Honorarstrukturen und Co-Investments in bestimmter Höhe. Nicht zuletzt ist es sicher hilfreich, wenn der Anbieter erfahrene technische Dienstleister in die Produktgestaltung, vor allem aber auch in das laufende technische Assetmanagement mit einbezieht. Schließlich liegen darin oft die größte Chance und das größte Risiko.

Markus Niedermeier ist Geschäftsführer der LHI Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH und verantwortlich für das Ressort Aviation. Das Unternehmen ist als regulierte und durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überwachte Kapitalverwaltungsgesellschaft der Alternative Investment Fund Manager (AIFM) der LHI Gruppe.

www.lhi.de

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