Kapitalmarktdepesche: Die Phobien eines Präsidenten

Gerhard Rosenbauer
Gerhard Rosenbauer

Aktuelle Kapitalmarktdepesche (Juni 2017) von Gerhard Rosenbauer, AVANA Invest

Was geschieht wohl, wenn sich für die täglich abgesetzten Twitter-Nachrichten des US-Präsidenten, die ohnehin „Fake-Charakter“ haben, niemand mehr interessiert? Gefährlich kann es allemal sein!

Die Germanophobie des US-Präsidenten

Der G7-Gipfel auf Sizilien brachte es an den Tag: Der US-Präsident Donald Trump leidet an einer schrecklichen Phobie - der Germanophobie. Ich habe bei Wikipedia nachgesehen. Diese Phobie gibt es tatsächlich. Wenn eben dieser Präsident öffentlich behauptet, „the Germans are bad, very bad“, da sie mit Ihren exportierten Waren, insbesondere Autos, den US-Markt angeblich überschwemmen und dies zu einem großen Handelsbilanzdefizit in den USA führt. Vor diesem Hintergrund kann man sich die Angstzustände des angeblich mächtigsten Mannes auf der Erde durchaus vorstellen. Höllenqualen durchleidet er, wenn er daran denkt, dass es noch mehr PKW „Made in Germany“ werden könnten. Höllenqualen müsste er durchleiden, wenn er noch etwas weiterdenkt und sich die Frage stellt, warum dies so ist? Oder ist gar der mündige Verbraucher in den Vereinigten Staaten so „unmündig“, dass er nicht mehr in der Lage ist emotionslos zu entscheiden, welches Produkt er zu kaufen hat und welches nicht. Um es noch weiter zuzuspitzen, müsste eigentlich der US-Präsident eine Phobie gegen seine eigenen Landsleute entwickeln, weil diese so „bescheuert“ sind und europäische Waren und Dienstleistungen kaufen und nicht daran denken „America first!“ zu verinnerlichen.

Gerne wird dabei übersehen, dass viele Automobilhersteller (Audi, BMW, Daimler, VW) in den Vereinigten Staaten produzieren und vielen Amerikanern gut bezahlte Jobs geben. Wie aus den Statistiken des Autobranchenverbandes VDA hervorgeht, wurden im vergangenen Jahr circa 17,5 Millionen Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge verkauft. Die deutschen Marken hatten einen Absatz von circa 1,33 Millionen. Das entspricht einen Marktanteil von etwas mehr als sieben Prozent. Die US-Wettbewerber General Motors und Ford kamen in ihrem eigenen Land auf 17,3 beziehungsweise 14,8 Prozent. In den ersten vier Monaten 2017 sind die US-Autokonzerne in Deutschland auf einen Marktanteil von nahezu 19 Prozent gekommen. Damit wird nicht anhand von Fakten argumentiert, sondern in typischer Yankee-Manier erstmal verbal geballert, manchmal auch abserviert, wie dies im Falle des FBI-Chefs Comey geschehen ist, und in einer rüpelhaften Weise Handelspartner und militärisch (noch) Verbündete vor den Kopf gestoßen. Richtig geballert könnte schon bald in den geopolitischen Auseinandersetzungen mit Nordkorea und dem neuen Feindbild Iran werden.

Ein Medikament, diese Phobie zu überwinden, gibt es: Es heißt Freihandel. Doch dazu müsste man sich informieren und die Packungsbeilage lesen. Die Nebenwirkungen, wie beispielsweise Protektionismus, sind aufgeführt, die bei einer Nichtbeachtung, eintreten. Da ist eine Twitter-Nachricht, noch dazu, wenn man es mit der Wahrheit nicht so ganz genau nimmt, doch um vieles einfacher und schneller abgesetzt und hat den Vorteil, dass fundierte Kenntnisse keine Voraussetzung sind. Ob man aus einem G7-Treffen künftig ein G6-Treffen machen wird oder die Veranstaltung komplett ausfallen lässt, bleibt abzuwarten. Wenn Staaten beginnen, sich zu isolieren und damit protektionistischer werden, dann stehen nicht nur Arbeitsplätze im eigenen Land auf dem Spiel – es leidet auch die Kommunikation auf höchster politischer Ebene, mit allem damit verbundenen Gefahren. Eine Weltpolitik ohne die Vereinigten Staaten ist zwar schwer vorstellbar, aber es wird gehen müssen. Den Westen, den man als Wertegemeinschaft der freiheitlichen Demokratien verstanden hat, existiert nicht mehr.

Auch beim Klimaschutz haben die G7-Mitglieder keinen Konsens erzielt. Die Amerikaner werden den für sie „so nachteiligen Vertrag von Paris“ kündigen. Dies ist auch absolut für mich verständlich. Müssen doch die amerikanischen Fahrzeughersteller mit ihren Acht- oder Zwölfzylindermotoren und einem Verbrauch zwischen 15 und 25 Litern Treibstoff besonders geschützt werden. Ebenfalls schützenswert sind die Hersteller von Kühlschränken und Klimaanlagen, deren Energieverbrauch in einem Monat so hoch ist, wie dies einem jährlichen durchschnittlichen bundesdeutschen Haushalt entspricht. Da ist doch das Gerede von der Klimaveränderung ein Ammenmärchen, auf das nicht einmal mehr die einfach gestrickte Oma vom Lande hereinfällt - geschweige denn der US-Präsident, der wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel leugnet und noch dazu in der Lage ist, die daraus resultierende Entscheidung als Akt der Naturliebe umzudeuten.

Wenn Donald Trump nach seiner Rückkehr vom G7-Gipfel twitterte: „Just returned from Europe. Trip was a great success for America. Hard work but big results!”, so muss man sich doch fragen, auf welcher Veranstaltung war denn der Mann? Und welche Ergebnisse hat er denn für sein Land von der Reise mitgebracht? Es waren Rüstungsaufträge in dreistelliger Milliardenhöhe in einem Krisenherd, der seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht zur Ruhe kommt. Oder war es seine Absicht zu zerstören was über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde?

Für technische Innovationen haben in den Vereinigten Staaten immer wieder mal Migranten gesorgt – egal ob diese in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus Europa kamen oder in der Folgezeit aus den amerikanischen Nachbarstaaten. Wenn dies nun mittels einer restriktiven Einwanderungspolitik unterbunden wird, lässt sich leicht errechnen, wann Amerika wieder auf dem Niveau eines Entwicklungslands degeneriert ist. Die Weichen hierzu sind gestellt!

Eine weitere Phobie müsste Herr Trump bekommen, wenn er darüber nachdenkt, wie er seine Schulden gegenüber der Deutsche Bank AG in Höhe von 340 Millionen US-Dollar begleichen möchte. Diese Kredite wurden gewährt, als Teile seiner Immobiliengesellschaften bereits insolvent waren und amerikanische Banken nicht mehr bereit waren, dem Immobilienmogul unter die Arme zu greifen. Brisant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die Deutsche Bank in den USA zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde, da sie in Geldwäschetransaktionen mit Russland in zweistelliger Milliardenhöhe verwickelt war. Ob es einen Kausalzusammenhang mit den Trump-Konten und den Kontakten zu Russland gibt, wird gegenwärtig untersucht. Die Demokraten drängen den Vorstand der Bank, durch unabhängige Sachverständige für völlige Aufklärung zu sorgen.

Die vorangegangenen Ausführungen bieten weiteres Potential für Phobien beim Präsidenten - sie müssen nur genutzt werden!

Die politischen Chancen für Europa

Das Verhalten der amerikanischen Regierungsadministration hat in ersten Reaktionen dazu geführt, dass von Seiten der Bundeskanzlerin Merkel folgende Analyse kam: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt. Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen“, sagte sie am Sonntag nach dem G7-Treffen bei einer Veranstaltung in Oberbayern.

Dieser Ruck, der durch die EU gehen muss, ist auch dringend erforderlich. Die Frage ist nur, wie soll das gehen und wer soll das Zepter in die Hand nehmen? Europa ist in sich so zerstritten und wird von den Mitgliedstaaten Polen und Ungarn ernsthaft in Frage gestellt. Zwar hat sich mit der Wahl von Emmanuel Macron zum neuen französischen Staatspräsidenten die Gefahr einer eskalierenden Eurokrise deutlich reduziert, die Schwelbrände sind aber noch nicht gelöscht. Von der revitalisierten Achse Paris-Berlin könnten wieder positive Impulse für die Staatengemeinschaft ausgehen, vorausgesetzt der Wille wird hierzu aufgebracht. Und dazu müssen Merkel & Co. wesentlich konkreter werden als dies bislang geschehen ist. Nicht wahrgenommen in der deutschen Öffentlichkeit werden gegenwärtig die Störfeuer, die aus den spanischen Provinzen Katalonien und Baskenland kommen. Trotz der gesetzlichen Ve-bote werden die Autonomiebestrebungen in diesen Regionen weiter vehement vorangetrieben. Katalonien will noch in diesem Jahr seine Unabhängigkeit von Spanien erklären. Mit Referendum oder ohne Referendum. So hat es sich die separatistische Mehrheit im katalanischen Regionalparlament vorgenommen. Inzwischen wird ein entsprechendes Gesetz vorbereitet, das spätestens im Herbst dieses Jahres in Kraft treten soll. Dass es diesen Separatisten ernst ist, steht außer Zweifel. Spannend in diesem Zusammenhang ist die Frage, ob der spanische Staat die Armee einsetzen wird, um den Treiben Einhalt zu gebieten. Dass es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen wird, ist leider zu befürchten.

Die US-Wirtschaft brummt - Europa zieht nach

Es war schon sehr enttäuschend, als das Wirtschaftswachstum Amerikas für das erste Quartal 2017 mit nur einem Zuwachs von 0,7 Prozent veröffentlicht wurde. Wir hatten uns vorübergehend damit getröstet, dass in den vergangenen Jahren die US-Wirtschaft im ersten Quartal immer unter den Erwartungen gelegen hatte. Einen Jubelschrei gab es, als die jüngste Revision kam. Ein Zuwachs von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit kommt die US-Wirtschaft, auf Jahresbasis gesehen, auf einen Zuwachs im Bruttoinlandsprodukt (BIP) von über vier Prozent - auch, wenn in den ersten drei Monaten des Jahres 2017 die Dynamik nachgelassen hat. Gut in unser Gesamtszenario passt auch, dass sich die Stundenlöhne, die lange Zeit mit der guten wirtschaftlichen Entwicklung nicht Schritt hielten, im Dezember 2016 um circa 2,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum anstiegen - so stark zu wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Damit sollte der Grundstein für unser erwartetes Szenario einer beginnenden Lohn-Preis-Spirale und damit verbunden höheren Inflationserwartungen gefestigt sein.

Auch in der EU hat sich der Konjunkturfrühling manifestiert. Es war nicht nur die deutsche Wirtschaft die im ersten Quartal auf Jahresbasis um circa 1,8 Prozent wuchs, auch in Frankreich lagen die Wachstumsraten mit circa 1,6 Prozent über den Erwartungen. Ein weiterhin hohes Wirtschaftswachstum, mit einer Jahresrate von circa drei Prozent, wurde in Spanien erzielt. Nur marginal schwächer mit 2,8 Prozent wuchs die Wirtschaft in Portugal. Mit einem Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent in den ersten drei Monaten 2017 oder circa 0,8 Prozent auf Jahresbasis, hält Italien ganz fest die „rote Laterne“ in der Hand. Das Land in Europa, das sich am hartnäckigsten weigert Reformen insbesondere am Arbeitsmarkt durchzuführen, hat diese Auszeichnung sicherlich zurecht verdient.

Dass die Bankenkriese in Italien immer noch nicht abgearbeitet wurde, lässt sich daran erkennen, dass die beiden Kreditinstitute Popolare di Vicenza und Veneto Banca den staatlichen Hilfsfonds „Atlante“ um Hilfe gebeten hatten. Die notleitenden Kredite dieser Banken führen zur Zahlungsunfähigkeit. Es geht doch nur um schlappe 6,4 Milliarden Euro. Da ist doch das Mindeste, was man erwarten kann, dass Freund Mario aus Frankfurt am Main die Zinsen nicht anhebt und die öffentlichen Haushalte weiter wursteln können wie bisher auch. Nachdem es in Italien keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr gibt, hätte ich bis zu den 20-Cent-Münzen alles Kleingeld abgeschafft. Die Ausgabe von Bonbons oder Abziehbildchen ist erheblich günstiger und schon mal da gewesen.

Notenbankpolitik: Die Fed verbessert ihre Ausgangsposition

Das bisherige Wirtschaftswachstum in den USA eröffnet der Notenbank weiteren Spielraum, die Zinsen zu erhöhen. Wenn man davon ausgeht, dass in den restlichen Quartalen des Jahres die wirtschaftliche Prosperität noch zunehmen wird, dürfte die Fed keinen Grund haben, von ihrer eingeschlagenen restriktiveren Zinspolitik abzuweichen. Im Gegenteil: Zu erwarten ist in der zweiten Jahreshälfte 2017 mindestens noch ein weiterer Zinsschritt - ein Zweiter kann nicht ausgeschlossen werden. Und diese Politik der quartalsweisen Zinsschritte wird sich auch im nächsten Jahr fortsetzen. Damit gewinnt die Fed den Spielraum, den sie benötigt, um bei einer Rezession, die sicher mal kommt, mit einer Reduktion der Zinsen der wirtschaftlichen Talfahrt gegensteuern zu können.

Anders dagegen die Situation bei der EZB in Frankfurt: Zwar wurden die monatlichen Wertpapierkäufe von circa 80 Milliarden Euro auf circa 60 Milliarden Euro gesenkt - die Notenpresse läuft aber ungebremst weiter. Der Markt an verzinslichen Wertpapieren in der Eurozone ist weitestgehend leergefegt. Die EZB hält inzwischen einen Anleihebestand von 1,5 Billionen Euro. Am Jahresende 2017 werden es mehr als zwei Billionen Euro sein. Damit ist die EZB zum größten Gläubiger der Eurostaaten geworden. Wie aus einer Studie der Investmentbank Goldman Sachs hervorgeht, hält sie circa 28 Prozent aller deutschen Staatsanleihen in ihrem Bestand. Spanische Staatsanleihen machen circa 22 Prozent, französische und italienische Staatsanleihen 18 Prozent beziehungsweise 15 Prozent des ausstehenden Volumens aus. Aus einem Bericht der „Welt“ geht hervor, dass sich die Haftungssumme für Deutschland auf aktuell circa 160 Milliarden Euro beläuft. Rechnet man die Risiken aus den Anleihekäufen, die noch bis zum Jahresende 2017 erfolgen, so stellen, aufgrund des aktuellen Verteilungsschlüssels, 200 Milliarden Euro kein Haftungslimit dar. Allerdings ist zu konstatieren, dass die Wahrscheinlichkeit eines Totalausfalls bei Staatsanleihen gegenwärtig wohl eher gering ist. Die Haftung erfolgt de facto im Rahmen des Kapitalschlüssels der EZB. Fallen die Anleihen komplett aus, steht Deutschland dafür entsprechend seines Kapitalanteils bei der EZB mit 27,9 Prozent ein. Aber auch bei einem Restwert von 20 Prozent reicht letztlich der vom Steuerzahler zu stemmende Betrag. Sollten keine verzinslichen Wertpapiere mehr zur Verfügung stehen, so könnte man doch auf Seiten der EZB auf den Gedanken kommen ,es der Schweizer Nationalbank (SNB) oder der Bank of Japan (BoJ) gleichzutun und Aktien kaufen! Damit wäre die „Asset-Price-Inflation“ perfekt! Wenn man davon ausgeht, dass eine zehnjährige Bundesanleihe ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von circa 333 hat, das KGV bei deutschen Immobilien zwischen 40 und 60 (je nach Lage) liegt, dann sind Aktien spottbillig! Der DAX könnte mit Hilfe der EZB locker auf 30.000 Punkte ansteigen, um annähernd das KGV von Immobilien zu erreichen. Damit hätte man den Wahnsinn auf die Spitze getrieben und alle würden sich unheimlich reich fühlen.

In einer einstweiligen Anordnung vor dem Verfassungsgericht soll es der Deutschen Bundesbank untersagt werden, sich an dem weiteren Anleihekaufprogramm der EZB zu beteiligen. Die vorher erwähnten Finanzrisiken für die Deutschen sind inzwischen so hoch, dass die Budgethoheit des Bundestages bedroht ist. Hinzu kommen die „Target-2-Salden“ in Höhe von 800 Milliarden Euro. Dies sind, vereinfacht ausgedrückt, Überziehungskredite, die Länder im Eurosystem in Anspruch genommen haben, um dafür Güter im Ausland zu erwerben. Ein Großteil dieser Kredite ging nach Italien und Spanien. Aber auch Griechenland und Portugal sind unter den Kreditnehmern und ermöglichen ein Leben auf Pump.

Hier sei der guten Ordnung halber erwähnt, dass der Etat des Bundeshaushalts für 2017 bei circa 330 Milliarden Euro liegt. Im Notfall müsste die Deutsche Bundesbank vom Steuerzahler rekapitalisiert werden.

Aktienmärkte: Sell in May and go away?

In der letzten Ausgabe der Kapitalmarktdepesche wurde der Frage nachgegangen, ob die Börsendroge „Trump“ an Wirkung verliert. Mit den Ereignissen des vergangenen G7-Gipfeltreffens auf Sizilien dürfte allen klargeworden sein, dass der US-Präsident seine im Wahlkampf geäußerten Absichten durchzusetzen versucht. Ob das immer zum Wohle der Bevölkerung geschieht, möchte ich mit einem dicken Fragezeichen versehen. Und die großspurig angekündigte Steuerreform, die Reform der Krankenversicherung und so weiter sind bislang, auch im zweiten Anlauf, nicht konkretisiert geworden. So werden neue Baustellen aufgemacht in der Hoffnung Punktgewinne einfahren zu können. Mit anderen Worten: Wenn der Präsident bislang innenpolitisch versagt hat, muss das Augenmerk des Wählers auf die Außenpolitik gelenkt werden. Da lässt sich im Rahmen einer „kleinen oder großen Phobie“ leichter ein Streit vom Zaun brechen, wie dies im Irak-Konflikt bereits unter seinem Vor-Vorgänger erfolgreich praktiziert wurde. Gleich einer „setting sun“ wird der Trump-Effekt an den Börsen verglühen und Ernüchterung einsetzen. Hinzu kommt, dass Unternehmensberichte in den nächsten Monaten keine Saison haben.

So bleiben wir bei unserer vorsichtigen Markteinschätzung, dass wir uns entweder in einer Zwischenkorrektur befinden, die an den Aktienmärkten circa zehn Prozent Potential nach unten haben könnte, oder wir befinden uns bereits im Scheitel der Hausse. Vielleicht genügt schon ein kleiner Funke, um das explosive Gemisch aus Politik und hoch bewerteten Kapitalmärkten wieder mal in eine Schieflage zu bringen. Das wäre dann der richtige Zeitpunkt für den Mario aus Frankfurt, um massiv Aktien zu kaufen um die Märkte zu stützen.

Möglicherweise ist es doch besser, sich erst mal etwas an die Seite zu stellen und die beginnende Feriensaison zu nutzen, die Fakten, nicht die Fakes, in aller Ruhe sauber zu analysieren und den gesunden Menschenverstand in den Vordergrund von Entscheidungen stellen. Auch abwarten kann eine kluge Entscheidung sein.

Rentenmärkte: Weiter im Banne der EZB

Im Segment der verzinslichen Wertpapiere sind die Spreads von französischen Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen etwas zusammengelaufen. Es hätte deutlich mehr sein können, wenn der neue französische Präsident nicht das Thema einer Vergemeinschaftung der europäischen Schulden (Eurobonds) in den Mund genommen hätte. Das ist dann doch einigen Kabinettsmitgliedern und Kapitalmarktteilnehmern, insbesondere Deutschen, etwas sauer aufgestoßen. Um den Beginn der „neuen Liebe“ zwischen Paris und Berlin nicht zu gefährden, wurde dieses Ansinnen rasch ad acta gelegt.

Devisen- und Rohstoffmärkte: Eine kurze Zwischenerholung für den Euro?

Es waren mehrere Faktoren, die dem Euro etwas mehr Leben eingehaucht haben. Zum einen war es der Wahlausgang in Frankreich, der den Populisten um Frau Le Penn erstmal einen Dämpfer verpasst hatte. Damit konnte der Euro teilweise verlorenes Terrain wieder gutmachen. Zum anderen herrscht Enttäuschung darüber, dass von den zusätzlich versprochenen konjunkturellen Stimulierungen in den USA bislang noch keine Ansätze erkennbar wurden. Es ist aber weiterhin davon auszugehen, dass mit einer Zeitverzögerung ein abgeschwächtes Programm zum Tragen kommt, wollen doch die Republikaner im Kongress wiedergewählt werden. Damit sollte von Seiten der US-Notenbank die eingeschlagene restriktivere Geldpolitik fortgesetzt werden. Dies dürfte nach unserer Einschätzung die US-Währung per Saldo unterstützen.

Schwächer gegenüber dem Euro hat sich das britische Pfund dargestellt. Die Verhandlungen zum Austritt aus der EU sowie die bevorstehenden Neuwahlen waren für diese Entwicklung die wesentlichen Treiber.

An den ‚Rohstoffmärkten haben die OPEC sowie Nicht-OPEC-Mitglieder wie Russland beschlossen, ab Juli dieses Jahres für weitere neun Monate insgesamt 1,8 Millionen Barrel (159 Liter pro Fass) weniger Rohöl täglich zu fördern. Da von Seiten der Marktteilnehmer von einer deutlich stärkeren Drosselung ausgegangen worden war, sackte der Preis nochmals ab. Sollten auf amerikanischer Seite die vereinbarten Klimaschutzvereinbarungen von Paris aufgekündigt werden und damit die Verbrennung fossiler Brennstoffe mittels Reaktivierung von stillgelegten Kohlekraftwerken und der zunehmenden Förderung von Ölschiefer einhergehen, könnte sich dies temporär nochmals belastend auf den Ölpreis auswirken.

Der Goldpreis pendelte in einer engen Brand-breite um 1.260 US-Dollar pro Unze Feingold. Die zunehmenden geopolitischen Spannungen in Südostasien, im mittleren Osten sowie die Geldpolitik auf beiden Seiten des Atlantiks sorgen für einen weiterhin stabilen Preis des Edelmetalls.

Ich wünsche Ihnen schöne und erholsame Frühsommertage und vergessen Sie bitte nicht, dass Gewitter nicht nur in der Natur vorkommen - sie haben aber immer reinigenden Charakter!

Gerhard Rosenbauer leitet den Bereich Vermögensverwaltung des Münchener Asset Managers AVANA Invest.

www.avanainvest.com

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