Nicht alle Schiffsbeteiligungen sind abzuschreiben

Jörg Neidhart
Jörg Neidhart

Gastbeitrag von Jörg Neidhart, Secundus Invest

Der Welthandel zur See ist seit jeher volatil, die Schifffahrt ein Paradebeispiel des „Schweinezyklus“. Umso wichtiger zwischen guten und weniger guten Schiffsinvestments zu unterscheiden.

Umschlag und Charterraten erholen sich

Derzeit gestalten sich Wirtschaftswachstum und Welthandel stabil. In den vergangenen zwölf Monaten wuchs die Containerschiffs-Flotte effektiv nur um 1,8 Prozent. Geliefert wurden vor allem große Einheiten über 10.000 TEU, in den Größenklassen darunter sank die verfügbare Tonnage sogar. Der Containerumschlag entwickelt sich ebenfalls positiv. Die Charterraten entwickeln sich derzeit gut, wenn auch von einem sehr niedrigen Niveau kommend, und stiegen in einigen Größenklassen gegenüber dem Vorjahres-Monat um bis zu 100 Prozent. Der Containership-Timecharter-Rate-Index legte seit Jahresbeginn um rund 21 Prozent zu.

Entschuldung macht den Unterschied

Was bedeutet das nun für bestehende Schiffsbeteiligungen und wie unterscheiden sich „gute“ von „schlechten“ Schiffen? Eine generelle Aussage ist hier nicht zielführend. Eine einfache Beispielrechnung kann aber als Indikation dienen. Zwei baugleiche Schiffe kosten 70 Millionen US-Dollar im Jahr 2007. Schiff A wird mit 30 Millionen US-Dollar Eigenkapital und 40 Millionen US-Dollar Fremdkapital finanziert. Schiff B mit 50 Millionen US-Dollar Eigenkapital und 20 Millionen US-Dollar Fremdkapital. In der zehnjährigen Erstbeschäftigung tilgen beide Schiffe 20 Millionen US-Dollar. Das Ergebnis: Während Schiff A noch Schulden hat, ist Schiff B lastenfrei. Wenn es nun zu Anschlussraten knapp über den Schiffsbetriebskosten kommt, kann Schiff A den Kapitaldienst nicht mehr erbringen und droht an die Bank zu fallen. Schiff B kann jedoch auch auf diesem Niveau noch Überschüsse erzielen. Im derzeitigen Marktumfeld verdienen einige „B-Schiffe“ nach Kosten 6.000 US-Dollar und mehr pro Tag. Dies entspricht im Jahr etwa 2,1 Millionen US-Dollar oder vier Prozent des Eigenkapitals. Das ist zwar weit von den Prospekterwartungen entfernt, aber in Zeiten, in denen man von den Zinseinnahmen eines sechsstelligen Vermögens gerade mal mit der Familie ins Kino gehen kann, eine ansehnliche Auszahlung.

Schrottwert sichert Zweitmarktinvestments ab
Der Stahlpreis des Schiffes kann dabei als reale Absicherung des Vermögens angesehen werden. Oftmals liegt der Schrottpreis eines Schiffes etwa bei 30 Prozent des Eigenkapitals, während der Marktwert bei 50 Prozent des Eigenkapitals liegt. Auch der Stahlpreis schwankt, doch vollkommen wertlos dürfte das Schiff – sofern entschuldet – nie sein.

Was bedeutet das für Investoren? Es lohnt sich nicht, die oft zu positiven Markterwartungen aus 2005 oder 2006 zu beklagen. Aber am Zweitmarkt für Beteiligungen gibt es gerade jetzt spannende Opportunitäten. Viele Investoren trennen sich nach Jahren von ihren Beteiligungen, da das Kapital anderweitig benötigt wird. Der Zeitpunkt zum Kauf am Zweitmarkt könnte indes genau der richtige sein. Mit gutem Marktzugang und dem notwenigen Know-how können unternehmerisch ausgerichtete Investoren derzeit „B-Schiffe“ mit Abschlägen von bis zu 80 Prozent auf das Kommanditkapital aus 2007 kaufen. Vor dem Hintergrund der Absicherung und kompletten Entschuldung können hier erstaunliche Renditen erzielt werden.

MS „Maria Star“ als reales Beispiel

Im vergangenen Jahr konnten Anteile an dem CFB-Fonds 151 mit dem bis 2022 an Maersk verchartertem 8.400 TEU-Containerschiff Schiff „Maria Star“ auf dem Zweitmarkt zu einem Kurs von 53 Prozent auf den Nominalwert erworben werden. Seit Emission 2007 blieb der Fonds mit durchschnittlich 6,275 Prozent Auszahlung pro Jahr an die Anleger knapp unter den Prospektwerten. Der Zweitmarktinvestor erwartete daher bis 2020 vorsichtig kalkuliert weitere Auszahlungen von sechs Prozent p.a. und nach Entschuldung des Schiffes mehr als 15 Prozent p.a. auf den Nominalwert. Bezogen auf den Kaufpreis am Zweitmarkt hätte allein der laufende Betrieb der kommenden Jahre das eingesetzte Kapital zurückgeführt und verzinst. Durch den Schrottwerte des Schiffes gibt es eine zusätzliche Auszahlung aus dem Verkaufserlös, womit der Zweitmarktinvestor selbst bei einer Verschrottung eine Rendite zwischen acht und zwölf Prozent p.a. erzielt hätte. Liegt der Marktpreis über dem Schrottwert, kann es zu starken Steigerungen kommen. Tatsächlich kam es noch besser: 2017 nahmen die Gesellschafter ein Kaufangebot von Maersk an, so dass bis Ende 2017 mehr als 80 Prozent auf den Nominalwert ausgezahlt werden. Damit erzielt der Zweitmarktinvestor der MS „Maria Star“ inklusive Auszahlungen eine Rendite von etwa 60 Prozent innerhalb eines Jahres, die ursprünglichenZeichner noch 4,7 Prozent p.a. über zehn Jahre.

Dieses Beispiel ist sicher nicht die Norm, aber auch kein Einzelfall. Es zeigt vor allem, dass nicht alle Schiffsbeteiligungen abzuschreiben sind. Ein genauer (und geschulter) Blick kann sich lohnen.

EXXECNEWS-Autor Jörg Neidhart ist Geschäftsführer der Secundus Invest GmbH, Hamburg. Der Gastbeitrag ist zuerst erschienen in EXXECNEWS Ausgabe 21/2017.

www.secundus.de

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