Robos auf dem Vormarsch - Übernimmt künstliche Intelligenz die Vermögensverwaltung?

Belächelt oder hochgelobt: Kaum ein anderes Finanztool hat so kontroverse Reaktionen hervorgerufen wie Geldanlageroboter. Im Jahr 2013 gestartet, sind Robo-Advisor mittlerweile ein kleiner, aber fester Bestandteil des Marktes. Die Kapitalanlagezeitung EXXECNEWS veröffentlichte am 11. März einen Beitrag, in dem der aktuelle Stand der Vermögensverwaltung mit Hilfe künstlicher Intelligenz untersucht wird. So verwalteten sie im vergangenen Jahr laut einer jüngst erschienenen Analyse der Deutschen Bank hierzulande rund 3,8 Milliarden Euro Kundengelder – dies entspricht rund 27 Prozent des gesamten europäischen Marktes. Das Volumen hat sich damit seit dem Jahr 2016 nicht nur mehr als verzehnfacht, die Prognosen vieler Marktbeobachter wurden weit übertroffen. Diese hatten die entsprechend verwalteten Kundengelder in Deutschland laut Studie auf rund zwei Milliarden Euro geschätzt.

Nach Großbritannien weist Deutschland damit den größten europäischen Markt auf. Wenig verwunderlich, dass immer neue Anbieter auf den Markt strömen. Rund 25 Roboter, die hauptsächlich in ETF investieren (Exchange Traded Funds), kämpfen mittlerweile um die Kunden. Angeboten werden sie von Unternehmen ohne Banklizenz, die mit entsprechenden Instituten kooperieren (wie etwa einer der Marktführer Scalable Capital, der rund eine Milliarde Euro verwaltet) oder etablierten Banken selbst. Beim Studieninitiator Deutsche Bank etwa ergänzt seit vergangenem Jahr „Robin“ das Angebot für Privatanleger. Die Commerzbank-Tochter Comdirect hat ihren „Cominvest“, die Dekabank den „Bevestor“. Selbst einen genossenschaftlichen Robo-Advisor (wörtlich Beratung durch Roboter) gibt es mittlerweile: „MeinInvest“ nutzen mittlerweile mehrere hundert Banken. Und die Sparkasse Bremen gründete jüngst die Tochtergesellschaft „Smavesto“, einen digitalen Vermögensmanager (DFPA berichtete). „Smavesto erreicht Kundengruppen, die die Sparkasse Bremen bisher nicht als Finanzdienstleister nutzen“, sagt Thomas Fürst, Vorstandsmitglied der Sparkasse Bremen, in einer Mitteilung zum Start des Angebotes. Und wie sehen diese Kundengruppen aus? Der typische Kunde Robo-Kunde ist laut Deutsche-Bank-Studie durchschnittlich 48 Jahre alt und damit deutlich älter als die oft als Zielgruppe ausgemachten Millenials. Neun von zehn Robo-Advisor-Nutzern sind Männer, die über ein durchschnittliches Jahreseinkommen von mehr als 50.000 Euro verfügen. Und diese investieren dann durchschnittlich 1.000 bis 1.500 Euro jährlich in ihre Robo-Depots. Luft nach oben also. Ein weiteres Problem: Aufgrund der relativ jungen Geschichte dieser Anlageform können die über die Roboter verwalteten Anlagen keinen Track Record über einen längeren Zeitraum vorweisen. Somit bleibt unklar, wie ihre Algorithmen in Zeiten der Krise performen. Dem widerspricht die European Bank for Financial Services (ebase), die seit 2014 mit dem Anlageroboter „fintego“ am Markt aktiv ist. „fintego“ ging jüngst mit der Note „sehr gut“ als Sieger aus der „Robo-Advisor-Studie“ des Analyse-und Beratungshauses Fondsconsult hervor. Durch den fünfjährigen Track Record in Verbindung mit der Auszeichnung durch Fondsconsult könne sehr wohl die Leistungsfähigkeit des fintego-Ansatzes nachhaltig belegt werden – gerade, „wenn die Vielzahl der Ereignisse bedenkt werde, die in den vergangenen Jahren Einfluss auf das Börsengeschehen hatten“, sagt Franz Linner, Leiter Finanzportfolioverwaltung von ebase. Er führt unter anderem die Ukraine-Krise an, deutliche Verluste des Euros, das Erreichen eines Rekordtiefs bei den Leitzinsen in 2014, den Brexit, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sowie die Zinsanhebung in den USA 2016.

Die Skepsis allerdings bleibt. Eine Mitte des vergangenen Jahres veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Service-Qualität (DISQ), welches im Auftrag des Nachrichtensenders n-tv 17 Robo-Advisor getestet hat, attestierte eine „Online-Anlageberatung mit Licht und Schatten“. In puncto Verständlichkeit der Produkte beispielsweise hapere es, etwa bei Sicherheitsaspekten und Kostendarstellungen. Diese werden laut Studie bei einigen Anbietern nur oberflächlich oder intransparent behandelt. Die User-Experience-Analyse decke zudem auf, dass Robo-Avisor die finanzielle Situation der Nutzer nicht immer ausreichend erfragen, was den Erfolg der Anlagestrategie mindern könne. Diese kann übrigens aktiv oder passiv sein. Beim passiven Anlagestil sorgen die Anlageroboter dafür, dass der Aktienanteil im Depot gleich bleibt, umgeschichtet wird nur selten (Buy-and-hold-Strategie). Bei einer aktiven Anlagestrategie, die von der Minderheit der Robo-Advisor genutzt, findet in bestimmten Abständen eine Umschichtung zwischen den verschiedenen Anlagekategorien statt (Value-at-Risk-Strategie).

Somit entstehen beim aktiven Stil höhere Kosten – deren Höhe neben der Intransparenz als einer der größten Kritikpunkte bei den Robos gilt. Mit einer jährlichen Gebühr von rund einem Prozent sind die deutschen Roboter deutlich teuer als deren Kollegen aus den USA beispielsweise. Dort beträgt die Gebühr durchschnittlich 0,3 Prozent. Vielleicht ist dies mit ein Grund, warum bislang nur vier Prozent der Anleger hierzulange auf die automatisierte Geldanlage setzen. Dies könnte sich allerdings bald ändern: Die Managementberatung Oliver Wyman etwa prognostiziert, dass Anleger den Robos bis zum Jahr 2021 rund 35 Milliarden Euro anvertrauen werden.

Jede Menge Potenzial also – mit Hindernissen, die es noch zu bewältigen gilt. So forderte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Mitte vergangenen Jahres in einem Positionspapier klare gesetzlichen Regelungen und eine strenge Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). „Verbraucher müssen sich auf Qualitätsstandards bei den Anlagevorschlägen verlassen können. Und sie müssen nachvollziehen können, was Algorithmen bei der Geldanlage wie entscheiden. Sonst kaufen sie die digitale Katze im Sack“, sagte Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt beim vzbv, in der Mitteilung zum Positionspapier. Aus Sicht des vzbv sollte Robo-Advice zu einer tatsächlichen Beratung weiterentwickelt werden. Langfristig könne dieser Service, entsprechende Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz vorausgesetzt, dann auch eine vollwertige Beratung bieten. Darauf wird auch die Quirin Bank setzen. Sie war es, die im Jahr 2013 den ersten deutschen Robo-Advisor auf den Markt brachte. „quirion“ konnte sich im Markt behaupten und meldete jüngst das stärkste Kundenwachstum seit Start. Mit einem verwalteten Vermögen von 160 Millionen Euro und rund 5.400 Kunden konnte der Pionier unter den deutschen Robo-Advisorn seine Kundenzahl im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln.

Kurzum: Wenn es den Anbietern gelingt, die Robo-kritischen Kunden mit mehr als nur standardisierten Anlageempfehlungen zu überzeugen, werden die Robo-Advisor wie prognostiziert immer weiter das Kommando übernehmen.

www.exxecnews.de

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