Marktwächter zu Direktinvestments: "Haftungsrisiken oft nicht ausreichend erklärt"

Bei Direktinvestments - seien es beispielsweise Schiffscontainer, Baumplantagen oder Solaranlagen - erwerben Anleger Eigentum am jeweiligen Anlageobjekt und vermieten oder verpachten es dann an den Anbieter zurück. Den Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale Hessen zufolge, weisen einige Anbieter in ihren Informationsunterlagen nicht ausreichend auf die Risiken und Verpflichtungen hin, die Anleger durch den Eigentümer-Status eingehen.

„In den vorliegenden Fällen betonen Anbieter von Direktinvestments, wie sicher und solide solche Anlagen seien, und spielen die Risiken herunter“, sagt Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt beim Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen. „Risiken ergeben sich aber oft gerade aus dem Status des Anlegers als Eigentümer oder Miteigentümer. Diese Informationen sind für Anleger extrem wichtig.“

Als (Mit-)Eigentümer müssten Anleger möglicherweise über das investierte Kapital hinaus Zahlungen leisten. In den gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsprospekten und Vermögensanlagen-Informationsblättern stellten Anbieter diese Risiken laut Marktwächter nicht immer umfassend dar. So habe in einem Prospekt zu einem Bauminvestment in Südamerika der Hinweis gefehlt, dass Anleger nach Laufzeitende den Verkauf ihrer Grundstücke selbst organisieren und bis dahin möglicherweise für Steuern und die Grundstückspflege aufkommen müssen.

Die Marktwächter-Experten fanden auch die Formulierung „Es gibt keine weiteren Umstände, unter denen der Anleger verpflichtet ist, weitere Leistungen zu erbringen. Insbesondere gibt es keine Umstände, unter denen der Anleger haftet“. „Diese Aussage ist nicht richtig, da ein Anleger in seiner Eigenschaft als Eigentümer sehr wohl haften kann“, kritisiert Brandes. „Anbieter sind gesetzlich verpflichtet, in ihren Informationsunterlagen über mögliche weitergehende Verpflichtungen und Haftungsrisiken aufzuklären.“

Quelle: Pressemitteilung Marktwächter Finanzen

Der Marktwächter Finanzen ist ein Projekt, mit dem der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen den Finanzmarkt aus Perspektive der Verbraucher beobachten. Hierfür werden Beschwerden und Beratungen von Verbrauchern aus den16 deutschen Verbraucherzentralen über ein Frühwarnnetzwerk systematisch ausgewertet. Zudem werden empirische Untersuchungen durchgeführt. Ziel ist es Schwachstellen und Fehlentwicklungen zu erkennen, Verbraucher frühzeitig zu warnen und Aufsichts- und Regulierungsbehörden bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Der Marktwächter Finanzen wird durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gefördert. (JF1)

www.marktwaechter.de/finanzen

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