Schifffahrtsmarktbericht Q3/2017 der Ernst Russ AG

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Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Die USA mussten kürzlich zwei verheerende Stürme überstehen, insbesondere in Texas und Florida wurden Schäden in Milliardenhöhe verursacht. In Texas wurde dadurch die Produktion und Verarbeitung von Rohöl unterbrochen, was zu lokalen Engpässen und in der Folge zu steigenden Ölpreisen führte. Aktuell liegt der Brent-Ölpreis bei 54,7 US-Dollar pro Barrel und damit um fünf Prozent über dem Wert des Vormonats. Nach Einschätzung von Marktexperten wird der Preis in den nächsten Monaten voraussichtlich auf diesem Niveau bleiben. Die Engpässe in den USA werden allerdings tendenziell nur kurzfristige Auswirkungen auf die Weltmärkte haben. Nach dem neusten Ölmarkt-Bericht der Internationalen Energie-Agentur (IEA) aus September 2017 ist die weltweite Öl-Nachfrage im zweiten Quartal 2017 um 2,3 Millionen Barrel pro Tag im Vergleich zum zweiten Quartal 2016 gestiegen. Für 2017 erwartet die IEA im Schnitt eine Nachfrage von 1,6 Millionen Barrel pro Tag, die letzte Prognose lag noch bei 1,5 Millionen Barrel pro Tag. Grund für die gestiegenen Nachfrageerwartungen sind ein stärkeres Nachfragewachstum in den OECD-Staaten, vor allem in Europa und den USA – auch wenn die Stürme Harvey und Irma das Wachstum in den USA im dritten Quartal voraussichtlich etwas abbremsen werden. Laut IEA haben die USA und vor allem die Öl-Industrie in Texas den Sturm Harvey allerdings sehr gut vorbereitet überstanden. Während die Nachfrage steigt, sinkt das Angebot. Im August ist das globale Öl-Angebot laut IEA aufgrund von unerwarteter Verknappung vor allem in Nicht-OPEC-Ländern erstmals seit vier Monaten wieder gesunken – um 720.000 Barrel pro Tag auf aktuell 97,7 Millionen Barrel pro Tag. Somit prognostiziert die IEA, dass sich das weltweite Überangebot an Öl in den nächsten Monaten verringern wird.

Das Wirtschaftswachstum bewegt sich in der Euro-Zone weiterhin auf einem stabilen Niveau. Im August erreichte der Einkaufsmanagerindex des Instituts IHS Markit (Gesamtbarometer für Industrie und Dienstleister) mit 55,7 Punkten den gleichen Wert wie im Vormonat und blieb damit deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Gestiegen ist das Wirtschaftswachstum im August nur in Deutschland (plus 1,1 Punkte auf 55,8 Punkte) und Irland. Nach Angaben von IHS könnte das Bruttoinlandsprodukt im Währungsraum 2017 insgesamt um ganze 2,1 Punkte zulegen – einen solch hohen Wert gab es das letzte Mal vor zehn Jahren. Auch die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft China entwickelt sich weiterhin positiv. Der Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex, der vor allem kleinere und mittlere Betriebe abbildet, stieg zum Beispiel zum Vormonat um 0,5 auf 51,6 Punkte. Das offizielle Bruttoinlandsprodukt in China erreichte im letzten Quartal ein Wachstum von 6,9 Prozent (Year-on-Year) und konnte die Analystenprognosen übertreffen. Wachstumstreiber sind insbesondere der Einzelhandel, die Warenausfuhren und die Industrieproduktion. Die letzten Konjunkturindikatoren für die USA vermitteln auch ein positives Bild. Der Einkaufsmanagerindex des Institute of Supply Management für das Verarbeitende Gewerbe ist im August auf 58,8 Punkte gestiegen (Juli: 56,3 Punkte), im Dienstleistungssektor wurden 55,3 Punkte erreicht (plus 1,4 Punkte im Vergleich zum Vormonat). Marktexperten erwarten, dass die lokalen Produktionsunterbrechungen durch die Stürme Harvey und Irma die Arbeitsmarktdaten in den USA schwächen werden. Der Wiederaufbau dürfte hingegen zeitnah für zusätzliche Arbeitsplätze sorgen, so dass die Gesamtprognose für die USA weiterhin positiv bleibt.

Bulkermarkt

Die Angebotsseite

Der Bulkermarkt war in den vergangenen Jahren von einem starken Angebotsüberhang geprägt. Derzeit deuten jedoch alle Entwicklungen daraufhin, dass ein Umschwung stattfindet. Insgesamt gibt es im September 2017 11.085 Massengutfrachter mit einer gesamten Frachtkapazität von 814,5 Millionen dwt. Das Auftragsbuch verkleinert sich weiterhin. Derzeit (Anfang September 2017) stehen lediglich 628 Schiffe mit insgesamt 62,1 Millionen dwt im Orderbuch. Dies entspricht nur 7,6 Prozent der Gesamtflotte (nach Kapazität). Im bisherigen Jahresverlauf wurden bis zum ersten September 382 Massengutfrachter (32,1 Millionen dwt) abgeliefert. Demgegenüber stehen 167 Schiffe (10,5 Millionen dwt), die verschrottet wurden (per 1. August 2017). In diesem Jahr wurden bereits Neubestellungen für 119 Schiffe aufgegeben, von denen alleine rund 80 Schiffe im dritten Quartal in Auftrag gegeben wurden. Diese setzen sich zusammen aus 26 Capesize-, 64 Panamax-, 16 Handymax- sowie 13 Handysize-Schiffen.

Die Nachfrageseite

Der positive Nachfragetrend auf dem Bulkermarkt setzt sich fort und beeinflusst so das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage in Richtung Gleichgewicht. Es ist weiterhin davon auszugehen, dass die Eisenimporte nach China einen Großteil des Wachstumspotenzials des Schüttgutmarktes für 2017 ausmachen. Weltweit wird von einer steigenden Eisenerznachfrage in 2017 von rund fünf Prozent auf 1,482 Milliarden Tonnen ausgegangen, wobei die Steigerung in China sieben Prozent beträgt. Der kurzfristige Rückgang des Handelsvolumens im Juli 2017 ist eher auf Versorgungsstörungen in Australien als auf eine abkühlende Nachfrage aus China zurückzuführen. Gestützt wird das Wachstum von einer steigenden Verfügbarkeit von günstigen und hochqualitativen Eisenexporten aus Australien und Brasilien, wobei der Einfluss weiterer eisenerzexportierender Länder im restlichen Jahresverlauf steigen soll. Hier wird zukünftig insbesondere Indien als Exportnation eine Rolle spielen, nachdem die zwischen 2012 und 2015 geltenden Ausfuhrbeschränkungen aufgehoben wurden. Analog zu den Erwartungen im zweiten Quartal 2017 soll der Kohlehandel in 2017 um vier Prozent ansteigen (auf rund 1.183 Millionen Tonnen) und damit auf den höchsten Wert seit 2014. Als Haupttreiber gelten hierbei die gestiegenen Importe nach Asien, insbesondere China, das 2017 voraussichtlich einen Einfuhranstieg um 16 Prozent verzeichnen wird. Im Getreidehandel wird für 2017/2018 ein Anstieg um rund sechs Prozent auf 510 Millionen Tonnen erwartet. Betrachtet man innerhalb des Getreidehandels nur den Handel mit Soja, liegen die Wachstumserwartungen sogar bei zehn Prozent. Insgesamt wird für 2017 vier Prozent Steigerung der Schüttgutnachfrage erwartet.

Zeitcharterraten

Der Baltic Dry Index steht am 19. September 2017 bei 1.415 Punkten und markiert damit nicht nur den Jahreshöchststand, sondern gleichzeitig den höchsten Wert der letzten drei Jahre. Ein ähnlich hoher Wert wurde zuletzt im Oktober 2014 erzielt. Diese Entwicklung spiegelt wider, dass sich die Charterraten nach dem Tief im Juni 2017 erholen. Im Juli verdienten Panamax-Bulker durchschnittlich rund 9.380 US-Dollar pro Tag, dies entspricht einem Anstieg um rund neun Prozent gegenüber dem Vormonatswert. Auch in den Segmenten der Supramax- und Handysize-Bulker stiegen die Raten im Juli 2017 im Vergleich zum Vormonat wieder an. Lediglich im Capesize-Segment fielen die Raten im Juli zunächst auf ein 5-Monatstief von 8.700 US-Dollar pro Tag. Seit Anfang August hingegen stiegen auch hier die Raten, so dass am Spotmarkt derzeit Charterraten von 19.000 US-Dollar pro Tag zu sehen sind.

Ausblick

Die Akteure am Bulkermarkt sehen alles für einen weiteren Aufschwung gegeben. Nach Meinung von Experten steigt die Nachfrage nach Bulkern durch den wachsenden Schüttguthandel weiter an. So nähern wir uns weiter dem Marktgleichgewicht an. Dies spiegelt sich bereits in den gestiegenen Charterraten wieder. Die positive Stimmung zeigt sich unter anderem auch in der relativ hohen Anzahl an Neubestellungen für kommende Jahre.

Der vollständige Schifffahrtsmarktbericht Q3/2017 umfasst neben dem Bulker- auch das Container- und das Tankersegment. Er ist erschienen in der aktuellen Ausgabe von Investor‘s Quarterly, dem vierteljährlichen Newsletter der Ernst Russ AG zu den Themen Schifffahrt, Wirtschaft und Finanzen. Eine Download-Möglichkeit finden Sie auf dem Internetauftritt des Unternehmens unter:

www.ernst-russ.de/de/news/investors-quarterly

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