"Kapitalmärkte werden Ende der EZB-Anleihekäufe gut verkraften"

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) trifft sich am 14. Juni 2018 am lettischen Riga, um die künftige Strategie festzulegen. Dabei dürfte eine weitere Entscheidung auf dem Weg hin zu einer geldpolitischen Normalisierung getroffen werden, erwartet David F. Milleker, Chefvolkswirt bei Union Investment. „Wir gehen davon aus, dass die europäischen Währungshüter das Ende des Anleihe-Kaufprogramms für den Herbst ankündigen werden.“ Größere Auswirkungen auf die Kapitalmärkte seien jedoch nicht zu erwarten.

Momentan erwirbt die Notenbank noch für monatlich 30 Milliarden Euro Staats- und Unternehmensanleihen der Euroländer. Dieses Programm dürfte ab September 2018 reduziert und zum Jahresende ganz beendet werden. „Mit dem Ende der Anleihekäufe würde eine große Unterstützung für die Kapitalmärkte wegfallen“, betont Milleker. Die unmittelbaren Folgen dieser Entscheidung dürften aber gering sein.

Insgesamt befindet sich die EZB auf dem Weg von der ultraexpansiven Geldpolitik hin zu einer Normalisierung. „In diesem Umfeld gehen wir weiter von moderat steigenden Renditen aus. Ende des Jahres könnte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei 0,6 Prozent notieren. Die Kapitalmärkte sollten die Entscheidung insgesamt gut verkraften können“, erläutert Milleker.

In den vergangenen Wochen kam es im hochverschuldeten Italien im Zuge der schwierigen Regierungsbildung zu Turbulenzen am Kapitalmarkt. Gibt die EZB nun das Ende der Anleihekäufe bekannt, würden auch die stabilisierenden Käufe wegbrechen und den italienischen Markt zusätzlich unter Druck setzen. „Sicherlich werden die Notenbanker die Situation in Italien genau beobachten und diskutieren. Aber wir denken nicht, dass sich Draghi deswegen anders entscheiden wird“, so Milleker. Denn zum einen stehe Italien wirtschaftlich derzeit um einiges besser da als noch vor einiger Zeit, zum anderen werde sich die EZB nicht von der neuen populistischen Regierung vor den Karren spannen lassen. Darüber hinaus lieferten die jüngsten Inflations- und Konjunkturdaten gute Argumente, um das Ende des Kaufprogramms anzukündigen. Milleker unterstreicht: „Die Eurozone steht insgesamt robust da.“

Auch wenn das Ende der Anleihekäufe bei dem Treffen im Fokus steht, dürfte sich das Augenmerk vieler Anleger auf die Leitzinspolitik richten. Denn diese beeinflusst die für sie wichtigen Kredit- und Anlagezinsen. Vor einer traditionellen Leitzinserhöhung dürfte laut zunächst der Zinskorridor aus Einlagenzins (aktuell bei minus 0,4 Prozent), Hauptrefinanzierungs- (aktuell bei null Prozent) und Spitzenrefinanzierungssatz (aktuell bei plus 0,25 Prozent) wieder symmetrisch gestaltet werden. „Wir rechnen im Juni 2019 mit einer Anhebung des Einlagenzinses von minus 0,4 auf minus 0,25 Prozent“, so der Chefvolkswirt. Darüber hinaus erwartet er eine traditionelle Erhöhung aller drei Zinssätze, also von Einlagen-, Hauptrefinanzierungs- und Spitzenrefinanzierungszins, in der zweiten Jahreshälfte 2019.

Quelle: Pressemitteilung Union Investment

Die Union Asset Management Holding AG mit Sitz in Frankfurt am Main ist der Anbieter für die Fondsvermögensverwaltung innerhalb der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Die sechs eigenständigen Kapitalanlagegesellschaften der 1956 gegründeten Unternehmensgruppe beschäftigen rund 2.945 Mitarbeiter und verwalten ein Vermögen in Höhe von 323,9 Milliarden Euro. (Stand: 31. Dezember 2017) (JF1)

www.union-investment.de

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