Neue Unternehmensform soll Natur als Anlageklasse etablieren

Ein neues Unternehmensmodell könnte künftig Investitionen in den Schutz von Natur und Ökosystemen erleichtern. Sogenannte Natural Asset Companies (NACs) zielen darauf ab, gesunde Ökosysteme wie Wälder, Flüsse oder Feuchtgebiete direkt als wirtschaftliche Vermögenswerte zu erschließen, so das World Resources Institute (WRI).

Anders als klassische Geschäftsmodelle, die auf die Nutzung oder Ausbeutung natürlicher Ressourcen ausgerichtet sind, basiert der Wert dieser Unternehmen auf dem Erhalt und der Regeneration von Natur. Investoren beteiligen sich dabei nicht an Rohstoffförderung, sondern an der langfristigen Sicherung sogenannter Ökosystemleistungen wie sauberem Wasser, fruchtbaren Böden oder Klimaregulation.

Entwickelt wurde das Konzept von der Intrinsic Exchange Group. Erste Pilotprojekte existieren bereits, unter anderem in den USA, wo Naturflächen wirtschaftlich bewertet und in entsprechende Unternehmensstrukturen eingebracht wurden.

Hintergrund ist eine wachsende Kritik am bestehenden Finanzsystem: Laut internationalen Studien wie dem „UNEP State of Finance für Nature report“ fließt ein Vielfaches mehr Kapital in naturzerstörende Aktivitäten als in den Schutz von Umwelt und Biodiversität (DFPA berichtete). NACs sollen dieses Verhältnis umkehren, indem sie ökologische Leistungen als wirtschaftlichen Wert sichtbar und investierbar machen.

Im Unterschied zu bisherigen Ansätzen der nachhaltigen Finanzierung setzen NACs nicht auf einzelne Projekte oder freiwillige Nachhaltigkeitskriterien, sondern auf eine strukturelle Verankerung von Natur in Kapitalmärkten. Der wirtschaftliche Erfolg eines solchen Unternehmens hängt direkt vom Zustand der zugrunde liegenden Ökosysteme ab.

Experten sehen darin potenziell einen grundlegenden Wandel, warnen jedoch vor erheblichen Herausforderungen. Für eine breite Anwendung seien einheitliche Bewertungsstandards, klare regulatorische Rahmenbedingungen sowie verlässliche Kontrollmechanismen notwendig, um Missbrauch und Greenwashing zu verhindern.

Sollten sich diese Hürden überwinden lassen, könnten NACs langfristig eine neue Anlageklasse etablieren – und dazu beitragen, den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen stärker in ökonomische Entscheidungen zu integrieren. (DFPA/abg)

Das World Resources Institute (WRI) ist eine unabhängige Forschungsorganisation, die seit 1982 an Lösungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen, zum Schutz der Natur und zur Stabilisierung des Klimas arbeitet. Mit mehr als 2.000 Mitarbeitenden in über einem Dutzend Schwerpunktländern und Partnerschaften in mehr als 50 Staaten verbindet WRI wissenschaftliche Daten, Expertise und globale Reichweite, um systemische Veränderungen in Bereichen wie Ernährung, Land- und Wassernutzung, Energie und Städte anzustoßen.

https://www.wri.org/

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