Der größte US-Pensionsfonds CalPERS erwägt eine grundlegende Neuausrichtung seiner Anlagestrategie. Parallel dazu sorgt eine Milliardeninvestition in ETFs, darunter ein neu aufgelegter High-Yield-Fonds von J.P. Morgan, für Aufsehen am Markt.
Der kalifornische Pensionsfonds CalPERS (566,1 Mrd. US-Dollar) steht vor einem Strategiewechsel, der Signalwirkung für andere institutionelle Anleger haben könnte. Das Board will im November über die Einführung eines sogenannten Total-Portfolio-Ansatzes (TPA) entscheiden, wie aus Fondsunterlagen hervorgeht.
Beim TPA werden Investitionen nicht mehr nach traditionellen Assetklassen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien in separaten „Buckets“ verwaltet, sondern nach ihrem Beitrag zu Risiko, Liquidität und Gesamtrendite beurteilt. Die Methode gilt als flexibler und wird bereits von Fonds wie der kanadischen CPP Investments und Singapurs GIC genutzt.
Stephen Gilmore, seit 2024 Chief Investment Officer von CalPERS und zuvor bei Australiens Future Fund sowie dem neuseeländischen Super Fund tätig, treibt den Prozess voran. Er erwartet durch den Ansatz eine mögliche Mehrrendite von 50 bis 100 Basispunkten jährlich. Auch externe Experten sehen Potenzial. „Der größte Wandel wird die Rückkehr des aktiven Allokators sein“, sagte David Holmgren, früherer CIO von Hartford HealthCare, wo der TPA nach eigenen Angaben zu Spitzenrenditen führte.
Parallel zur strategischen Diskussion setzt CalPERS bereits starke Akzente im Portfolio. Wie aus den jüngsten 13F-Daten hervorgeht, hat der Fonds im Juni die Auflage des J.P. Morgan Active High Yield ETF (Ticker JPHY) mit einer Seed-Investition von zwei Milliarden US-Dollar unterstützt. Mit rund 39 Millionen erworbenen Anteilen hält CalPERS derzeit rund 98 Prozent der Fondsvermögen – ein außergewöhnlicher Schritt für einen Pensionsfonds dieser Größe. JPHY investiert überwiegend in Anleihen mit High-Yield-Rating und zielt auf eine hohe laufende Einkommensrendite ab.
„Es ist ein großes Signal, dass CalPERS als Erstinvestor in einen aktiven High-Yield-ETF auftritt“, kommentierte Eric Balchunas, Senior-ETF-Analyst bei Bloomberg Intelligence. Für J.P. Morgan sei es ein bedeutender Erfolg, da das Unternehmen mit 55 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen zu den größten Anbietern aktiver Fixed-Income-ETFs in den USA zählt.
Darüber hinaus hat CalPERS seine ETF-Positionen weiter ausgebaut: Mehr als 25 Millionen Anteile am Vanguard S[&]P 500 ETF (VOO) im Wert von rund 14 Milliarden US-Dollar gehören inzwischen zum Portfolio. VOO ist mit 710 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen der größte ETF weltweit.
Eine Umstellung auf den TPA würde auch technologische Neuerungen erfordern. Anbieter wie BlackRock (Aladdin) oder Clearwater Analytics bieten Plattformen, die eine einheitliche Steuerung ermöglichen. CalPERS selbst betonte jedoch, dass die laufende IT-Modernisierung nicht von der TPA-Debatte abhängt.
Sollte das Board im Herbst zustimmen, könnte die neue Strategie ab Juli 2026 umgesetzt werden. Angesichts der Größe von CalPERS rechnen Beobachter mit erheblicher Signalwirkung auf andere Asset Owner. (DFPA/abg)
CalPERS (California Public Employees’ Retirement System) ist mit rund 566 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen der größte öffentliche Pensionsfonds der USA. Er sichert die Altersversorgung von mehr als zwei Millionen Beschäftigten und Pensionären im öffentlichen Dienst des Bundesstaates Kalifornien. Aufgrund seiner Größe und seines Anlagevolumens gilt CalPERS weltweit als einflussreicher Akteur an den Finanzmärkten.