Kaum ein Marktsegment im Banking sieht sich einem so starken Umwälzungsprozess ausgesetzt wie das Retail Banking (ohne Private Wealth Management). Technologische Veränderungen wie Künstliche Intelligenz (KI) und die zunehmende Virtualisierung der Kundenbeziehungen setzen etablierte Anbieter wie Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Geschäftsbanken unter Druck. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Center for Financial Studies (CFS) unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.
Fintechs wie Revolut, Trade Republic, N26 und andere adressieren vor allem jüngere Kunden. Gleichzeitig steigen digitale Anbieter internationaler Großbanken wie CHASE und BBVA in den deutschen Markt ein. Was bedeutet das für die Zukunft des Retail Banking in Deutschland?
Einige Ergebnisse der Umfrage: Eine überwältigende Mehrheit der Befragten (96 Prozent) ist der Meinung, dass die Wettbewerbsintensität im deutschen Privatkundengeschäft weiter zunehmen wird. Etwa 63 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte aus dem Finanzsektor erwarten vor diesem Hintergrund eine sinkende Profitabilität der hiesigen Anbieter. „Die Neo-Banken tun sich schwer, nachhaltig profitabel zu werden. Eine größere Gefahr für die traditionell marktführenden Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehe ich durch den Eintritt von ausländischen Anbietern wie Chase. Die haben einen langen Atem und können sich durchaus auch Kampfkonditionen leisten, um Kunden zum Wechsel zu bewegen“, sagt Professor Volker Brühl, Geschäftsführer des CFS.
Besonders betroffene Produktsegmente werden von den Teilnehmern der Umfrage im Brokerage und im Zahlungsverkehr gesehen. „Hier tummeln sich besonders viele Fintechs. Denn die regulatorischen Hürden sind in diesen Segmenten nicht so hoch wie im Finanzierungs- und Einlagengeschäft“, erläutert Brühl.
Interessant sei auch die Frage, bei welchen Bankengruppen die Panelisten den größten Handlungsbedarf sehen. Dort ergibt sich ein differenziertes Bild für Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Geschäftsbanken. Ein Handlungsbedarf bestehe nach Einschätzung der Befragten grundsätzlich bei allen Bankengruppen. Jedoch werde ein besonders hoher Anpassungsbedarf bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken gesehen. (DFPA/mb)
Das Center for Financial Studies (CFS) ist ein unabhängiges, nicht gewinnorientiertes Forschungsinstitut. Träger ist die gemeinnützige Gesellschaft für Kapitalmarktforschung e.V. (GfK). Das Institut wurde 1967 unter dem Namen Institut für Kapitalmarktforschung gegründet und im Jahr 1996 in Center for Financial Studies umbenannt.