In einem Podcast der schottischen Investmentgesellschaft Baillie Gifford erläutert Impact-Direktor Ed Whitten, wie digitale Finanzdienstleister weltweit Millionen bisher unterversorgter Menschen erreichen können. So könne sowohl die weltweite finanzielle Gesundheit als auch das langfristige Wachstumspotenzial für Anleger gesteigert werden.
Whitten sagte im Gespräch mit Moderator Leo Kelion, die Branche habe „große Fortschritte bei der finanziellen Inklusion, aber nicht zwingend bei der finanziellen Gesundheit“ gemacht. Noch immer hätten 1,4 Milliarden Menschen kein Bankkonto. Digitale Banken und eingebettete Finanzdienste eröffneten hier neue Chancen.
Der Experte warnte zugleich vor den Risiken überzogener Kreditvergabe: „Es ist absolut notwendig, dass diese Unternehmen verantwortungsvoll handeln“, sagte Whitten mit Blick auf frühere Microfinance-Krisen, etwa 2010 in Indien.
Als Beispiele für positive Entwicklungen nennt Whitten die brasilianische Digitalbank Nubank, die inzwischen über 118 Millionen Kundinnen und Kunden betreut. Besonders niedrigschwellige Angebote wie digitale Sparboxen („Caixinas“) hätten vielen erstmals Zugang zum Bankwesen verschafft. „Es ist erstaunlich zu sehen, welche Motivation Menschen entwickeln, wenn sie erstmals für konkrete Ziele sparen können“, sagte er.
Zu den wachstumsstarken Inklusionsmodellen gehöre auch der südostasiatische Super-App-Anbieter Grab, der Fahrern und Händlerinnen Kleinkredite, Versicherungen oder Fahrzeugfinanzierungen ermöglicht. Die Stärke solcher Plattformen liege in deren Daten, „mit denen sich sehr gezielt maßgeschneiderte Finanzprodukte entwickeln lassen“, so Whitten.
Ein weiteres Beispiel sei der US-Anbieter Remitly, der laut Whitten Überweisungen für Migranten schneller, günstiger und sicherer mache: „Wenn man fast sein gesamtes Einkommen über Grenzen hinweg schickt, ist Geschwindigkeit enorm wichtig.“
Doch auch klassische Banken hätten weiter eine Rolle: Die indische HDFC Bank eröffne bewusst mehr Filialen in ländlichen Regionen. „Wenn es um die Ersparnisse oder Kredite finanziell vulnerabler Menschen geht, ist menschlicher Kontakt enorm wichtig“, sagte Whitten.
Mit Blick auf die Wirkung der Unternehmen betonte Whitten, finanzielle Inklusion sei weniger Armutsbekämpfung als Vermeidung weiterer Verarmung: „Es geht darum, Menschen widerstandsfähiger zu machen, damit sie Herausforderungen besser überstehen können.“
Die vollständige Podcast-Folge erschien im Rahmen der Reihe Short Briefings on Long Term Thinking von Baillie Gifford.
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Die 1908 gegründete Investmentgesellschaft Baillie Gifford hat ihren Hauptsitz in Edinburgh mit Büros in New York, Hongkong, Dublin, Polen, London und Frankfurt.