IW warnt: Bankenregulierung könnte Milliardeninvestitionen für Klimawende bremsen
Strenge Eigenkapitalregeln für Banken könnten die Finanzierung des klimaneutralen Umbaus der Wirtschaft erheblich erschweren. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) müssten europäische Kreditinstitute bis 2045 zusätzlich rund 867 Milliarden Euro Eigenkapital aufbauen, um die erwartete Kreditnachfrage für die Transformation abzusichern.
Hintergrund sind laut IW enorme Investitionsbedarfe von jährlich rund 819 Milliarden Euro in Industrie, Verkehr und Energie, davon allein 435 Milliarden Euro im Gebäudesektor. Da ein Großteil dieser Summen über Kredite finanziert werde, müssten Banken ihre Risikoaktiva deutlich ausweiten, was unter den geltenden Regulierungsvorgaben hohe zusätzliche Kapitalanforderungen nach sich ziehe. Hinzu kämen durch das europäische Bankenpaket weitere Eigenkapitalbedarfe von bis zu 135 Milliarden Euro.
IW-Finanzmarktexperte Markus Demary spricht von einem „Drahtseilakt“ für die EU: Die Regulierung habe sich zwar bewährt und die Banken seien stabil, zugleich drohe aber eine Abwanderung von Finanzierungen in weniger regulierte Nichtbankensektoren. Um Klimaziele und Finanzstabilität zu vereinen, plädiert das IW unter anderem für eine Überprüfung von Kapitalpuffern, Anpassungen bei der Basel-III-Umsetzung und weniger Bürokratie in der Nachhaltigkeitsregulierung. (DFPA/abg)
Die vollständige Studie finden Sie hier.
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) mit Hauptsitz in Köln, einem Hauptstadtbüro in Berlin und einer Verbindungsstelle in Brüssel ist ein arbeitgebernahes Wirtschaftsforschungsinstitut. Es wird von Unternehmen und Verbänden der privaten Wirtschaft finanziert und setzt sich für eine freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ein.