Bürgerinnen und Bürger sollen künftig deutlich stärker an der Finanzierung der Energie- und Wärmewende beteiligt werden. In einer neuen Studie schlagen die Bürgerbewegung Finanzwende und des Fair Finance Institute vor, bundesweit mindestens 25 Prozent der erforderlichen Investitionen über Bürgerkapital zu finanzieren. Dadurch könnten nicht nur zusätzliches privates Vermögen mobilisiert, sondern auch die Akzeptanz von Energieprojekten vor Ort erhöht werden.
Nach Einschätzung der Autoren stehen Kommunen, Stadtwerke und regionale Unternehmen vor erheblichen Investitionsaufgaben, während gleichzeitig vielerorts Widerstände gegen konkrete Energieprojekte bestehen. Finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger könnten beide Probleme zugleich entschärfen, indem sie zusätzliche Mittel erschließen und die regionale Wertschöpfung stärken. Der Bericht verweist darauf, dass allein Kommunen jährlich Investitionen von mehr als 20 Milliarden Euro für Fernwärme, Gebäudesanierung und Mobilität stemmen müssen.
Als zentrale Instrumente schlagen die Autoren zwei Modelle vor: Für sicherheitsorientierte Anleger empfehlen sie über Regionalbanken vermittelte Sparprodukte, deren Einlagen gezielt in klimarelevante Projekte fließen. Für rendite- und wirkungsorientierte Anleger sehen sie direkte Beteiligungen an Projektgesellschaften oder Bürgerenergiegenossenschaften vor, die mehrere regionale Vorhaben bündeln und so Risiken streuen.
Darüber hinaus fordert die Studie politische Reformen. Neben einem bundesweiten Ziel für die finanzielle Bürgerbeteiligung sprechen sich die Autoren für staatliche Risikoabsicherungen, regionale Kompetenzzentren sowie einheitliche Regelungen in den Bundesländern aus. Staatliche Garantien und Bürgschaften sollten nach ihrer Auffassung künftig nicht nur institutionellen Investoren, sondern gezielt auch Bürgerbeteiligungsmodellen zugutekommen, um private Investitionen in regionale Energie- und Wärmeprojekte attraktiver zu machen. (DFPA/abg)
Die vollständige Studie erhalten Sie hier.
Bürgerbewegung Finanzwende e. V. hat sich 2019 gegründet und hat seinen Sitz in Berlin. Der Verein engagiert sich für faire und nachhaltige Finanzmärkte, initiiert Kampagnen und ordnet aktuelle Meldungen zur Finanzwelt ein. Finanzwende hat sich 2018 anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Pleite der Lehman Brothers Bank gegründet. Gründungs- und Vorstandsmitglied ist der ehemalige Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick. Finanzwende.de
Das Heidelberger Fair Finance Institute (FaFin) ist ein gemeinnütziger Think-and-Do-Tank. Es setzt wissenschaftliche Projekte und Forschungsvorhaben für die sozial-ökologische Transformation des Geld- und Finanzsystems in möglichst trans- und interdisziplinärer Arbeitsweise um. Darüber hinaus bietet es Informationen und Weiterbildungen an, erstellt Publikationen und richtet eigene Veranstaltungen aus. Fair Finance Institute