Deutschlands Banken sind heute so stabil wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Gleichzeitig entwickelt sich ausgerechnet Deutschland zu einem Unsicherheitsfaktor im europäischen Bankensektor. Während viele europäische Märkte ihre Problemkredite weiter abbauen, stieg der Bestand notleidender Kredite deutscher Banken zwischen 2019 und 2025 um 87 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Bankenstudie der Management- und Technologieberatung Bearingpoint, für die 216 europäische Banken über einen Zeitraum von 13 Jahren analysiert wurden.
Die Studie zeigt zugleich: Europas Banken haben ihre Stabilitätsagenda weitgehend abgeschlossen. Die harte Kernkapitalquote (CET1) stieg seit 2013 von 15,7 auf rund 20 Prozent, die durchschnittliche Problemkreditquote sank europaweit auf 1,9 Prozent. Doch die nächste Wettbewerbsphase wird nicht mehr durch Kapitalstärke und Liquidität entschieden, sondern durch Effizienz, Ertragskraft, Datenqualität und den erfolgreichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
„Unsere Analyse belegt, dass hohe Kapitalquoten und solide Liquidität heute Hygienefaktoren sind. Differenzieren werden sich Banken künftig über datengetriebene Steuerung, intelligente Automatisierung und die Fähigkeit, regulatorische Komplexität effizient zu beherrschen. Genau dort liegt das größte Potenzial für Finance- und Risk-Funktionen in den kommenden Jahren”, sagt Alexander Beck, Partner bei Bearingpoint.
Bemerkenswert sei die Entwicklung auf der Risikoseite. Deutschland ist der einzige große europäische Bankenmarkt, in dem Problemkredite wieder deutlich zunehmen – allerdings von einem vergleichsweise niedrigen Niveau kommend. Der Anstieg konzentriert sich dabei vor allem auf den Gewerbeimmobiliensektor. Bei spezialisierten Immobilienfinanzierern stieg die Problemkreditquote von 0,85 auf 4,09 Prozent der Bilanzsumme. Gleichzeitig bleibt die Risikolage bei den meisten anderen deutschen Instituten weitgehend stabil.
Damit stellt die Studie eine weitverbreitete Annahme der Branche infrage: Niedrige Kostenquoten allein seien kein Beleg für ein widerstandsfähiges Geschäftsmodell. Ausgerechnet die jahrelang effizientesten Institute zählten heute zu den Häusern mit den höchsten Risikokonzentrationen. (DFPA/mb)
Die Bearingpoint GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main ist eine Unternehmensberatung, die sich auf Management- und Technologieberatung spezialisiert hat.