Wie lässt sich ein angespartes Vermögen im Ruhestand möglichst zuverlässig in laufendes Einkommen umwandeln? Eine Studie der Leipziger Retire Capital Research kommt zu dem Ergebnis, dass die Wahl der Entnahmestrategie erheblichen Einfluss auf Auszahlungsniveau und Risiko hat.
Besonders dynamische Verfahren können das Risiko eines vorzeitigen Kapitalverbrauchs reduzieren, führen dafür aber zu schwankenden Auszahlungen.
Die dynamische prozentuale Entnahme reduzierte das Pleiterisiko in allen 231 untersuchten Kombinationen auf null. Dafür passt sich die Auszahlung dem Depotwert an und kann in schwachen Marktphasen deutlich sinken. Die höchste historische Untergrenze der monatlichen Auszahlung wurde bei einer Aktienquote von 30 Prozent erreicht.
Bei der statischen Entnahme wird ein fester Betrag festgelegt und jährlich an die Inflation angepasst. Bei einer anfänglichen Entnahme von vier Prozent lag die historische Pleitewahrscheinlichkeit laut Studie bei einer Aktienquote von 50 bis 60 Prozent bei rund sieben Prozent. Bei reinen Anleiheportfolios waren es 44,8 Prozent. Zugleich blieb bei 60 Prozent Aktien im Durchschnitt ein nominales Endvermögen von 1,11 Millionen Euro übrig.
Die sogenannte Vermögensrente, eine dynamische Entnahme nach einer Annuitätenformel, erzielte im Test die höchsten laufenden Auszahlungen der drei grundlegenden Strategien. Bei 60 Prozent Aktien lag die durchschnittliche Summe der Entnahmen bei 1,059 Millionen Euro gegenüber 914.000 Euro bei der dynamischen prozentualen und 609.000 Euro bei der statischen Entnahme. Dafür schwankt die Auszahlung stärker und die Methode setzt einen festen Planungshorizont voraus.
Die Studie kommt damit zu dem Schluss, dass die passende Strategie vom jeweiligen Ziel abhängt: Die Vermögensrente eignet sich demnach eher für einen hohen Lebensstandard bei geplantem Kapitalverzehr, die dynamische Entnahme für Flexibilität und Kapitalerhalt und die statische Variante insbesondere dann, wenn ein Restvermögen für Erben oder andere Zwecke gewünscht ist.
Für die Untersuchung wurden 528 Kombinationen aus Entnahmestrategie, Aktienquote und Entnahmemechanismus über einen Zeitraum von 75 Jahren analysiert. Grundlage waren historische und synthetisch verlängerte Kapitalmarktdaten für globale Aktien und deutsche Anleihen in Euro. Ausgangspunkt der Simulation waren jeweils 300.000 Euro, die über 35 Jahre entnommen werden sollten. Untersucht wurden eine statische, eine dynamisch-prozentuale sowie eine annuitätische Entnahme. (DFPA/abg)
Retire Capital ist ein Leipziger Fintech-Unternehmen, das sich auf datenbasierte Altersvorsorgeplanung und Strategien für die Entnahme von Vermögen im Ruhestand spezialisiert hat. Das Unternehmen entwickelt Software und interaktive Werkzeuge, mit denen unter anderem Entnahmeraten, Versorgungslücken und das Risiko ungünstiger Renditereihenfolgen analysiert werden können.