Umfrage: Jeder dritte europäische Fondsmanager will sich aus dem Retailgeschäft zurückziehen
Mehr als 30 Prozent der europäischen Private-Markets-Manager, die derzeit Gelder von Privatanlegern einwerben, wollen sich aus diesem Segment zurückziehen. Das geht aus einer Umfrage des Fondsadministrators Gen II Fund Services unter 135 Investmentprofis in Großbritannien und Europa hervor.
Demnach verfolgen rund 70 Prozent der Befragten aktuell sogenannte Evergreen-Strategien für individuelle Investoren. Während 40 Prozent an diesem Ansatz festhalten wollen, gaben 32 Prozent an, ihn künftig aufzugeben. Weitere 30 Prozent betreiben derzeit keine offenen Strukturen; 21 Prozent von ihnen planen jedoch den Markteintritt.
Die Ergebnisse deuten auf eine Ernüchterung in der Branche hin. Der Betrieb halbliquider oder offener Vehikel für Privatanleger gilt als operativ komplex und ressourcenintensiv. Neben zusätzlicher Regulierung seien umfangreiche Anforderungen an Reporting, Vertriebskontrolle und Anlegerkommunikation zu erfüllen. „Evergreen structures can be powerful, but only when the operational foundations are strong enough to handle the additional oversight and reporting they demand“, sagte Michael Johnson, globaler Vertriebschef von Gen II.
Jüngste Mittelabflüsse bei großen Anbietern unterstreichen die Herausforderungen. So verzeichnete der Private-Credit-Fonds BCRED des Vermögensverwalters Blackstone im ersten Quartal Nettoabflüsse von 1,7 Milliarden US-Dollar, nachdem Rücknahmeanträge die übliche Schwelle überschritten hatten. Auch Blue Owl Capital passte sein Rückgabemodell an und beschleunigte Ausschüttungen nach dem Verkauf von Kreditportfolios. Trotz der Klarstellung, dass es sich nicht um einen Stopp von Rücknahmen handele, geriet die Aktie des Unternehmens unter Druck und liegt seit Jahresbeginn deutlich im Minus.
Eine Analyse von PitchBook verweist zudem auf strukturelle Schwachstellen bei Evergreen-Fonds. Bewertungen, Gebührenstrukturen und Liquiditätsbedingungen seien zentrale Belastungspunkte. Rücknahmebeschränkungen oder Aussetzungen könnten die Liquidität stärker einschränken, als es Investoren erwarteten. (DFPA/abg)
Gen II Fund Services ist ein 2009 gegründeter, unabhängiger Administrator für Private-Equity-Fonds mit Hauptsitz in New York. Das Unternehmen beschäftigt rund 1.585 Mitarbeiter und betreut 58 Fondsgesellschaften mit insgesamt 315 Investoren. Gen II bietet Administrationsdienstleistungen für eine breite Palette alternativer Anlagestrategien an, darunter Buyouts, Infrastruktur, Energie, Kredit, Immobilien, Venture Capital, Co-Investments, Hybrid- und Dachfonds sowie Managed Accounts. Zu den betreuten Branchen zählen unter anderem Software, Fintech, Infrastruktur, Versicherungen, Energie, Insurtech und Medien.