Aktienmarkt: In Central Banks We Trust

David Wehner
David Wehner

Marktkommentar von David Wehner, Senior Portfoliomanager bei Do Investment. Er hält eine zweite Korrekturwelle bis zu den Niedrigständen vom März für möglich:

Machen geänderte Marktmechanismen Analysen überflüssig? Die vergangenen zehn Jahre seit der großen Finanzkrise 2008/2009 haben die Marktmechanismen grundlegend verändert. Zuvor war es wichtig, Marktumfeld, Branchen und Unternehmen zu analysieren, Chancen und Risiken abzuwägen und bedacht zu investieren. Seitdem die Zentralbanken das Ruder in die Hand genommen haben, ist dies nahezu überflüssig. Viel hilfreicher ist jetzt eine Einschätzung über die nächsten Interventionen der Zentralbanken. Diese Hypothese hat auch die Corona-Krise (Covid-19) bestätigt.

Nachdem der Aktienmarkt vom 19. Februar bis zum 23. März 2020 um teilweise mehr als 40 Prozent von seinen Höchstständen korrigierte, konnten die führenden Aktienmarktindizes seit den ausgebildeten Niedrigständen um mehr als 25 Prozent steigen. Die Aktienmarkt-Rallye der vergangenen Wochen wurde durch hoffnungsvolle Anekdoten unterfüttert. Der maßgebliche Treiber war aber die globale Zentralbankliquidität. Allein in den vergangenen sechs Wochen haben die G10-Zentralbanken 2,7 Billionen US-Dollar in den Kapitalmarkt gepumpt – zwei Drittel davon allein durch die US-Fed.

Die EZB kauft Staatsanleihen, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen. Die US-Fed setzt noch einen drauf und kauft neuerdings auch Hochzinsanleihen von Unternehmen mit einer schwachen Bonität. Die japanische Zentralbank, der Erfinder der Asset-Kaufprogramme, kauft seit Jahren Aktien über Exchange-Traded-Fonds auf. Wir könnten technische Indikatoren und diverse Bewertungskennzahlen bemühen, die jede für sich auf den Niedrigständen für eine Gegenbewegung gesprochen hat. Maßgeblich waren jedoch die Zentralbankmaßnahmen.

Wir halten an Fundamentalanalyse fest

Die Do Investment AG hat die extremen Verwerfungen an den Aktienmärkten aktiv genutzt, indem wir Absicherungsmaßnahmen geschlossen und unsere Aktiengewichtung erhöht haben. Zudem haben wir in Unternehmen aus dem Technologie-, Konsum- und Pharmasektor investiert. Auch wenn es in den vergangenen zehn Jahren nicht immer notwendig war und es für den ein oder anderen nicht mehr zeitgemäß ist, investieren wir ausschließlich in kapitalstarke Großunternehmen, die wir zuvor fundamental analysieren. Von der Dynamik der Erholung wurden aber auch wir überrascht. Mittlerweile sind wir in den USA wieder bei Aktienmarkt-Indexständen angelangt, die wir im Herbst vergangenen Jahres gesehen hatten. Die Bewertungskennzahlen haben wieder Höchststände erreicht und einzelne Aktien neue Allzeit-Höchststände ausgebildet. Die Dynamik dieser Aktienmarkt-Rallye hat dazu geführt, dass die großen Investmentbanken ihre negativen Prognosen revidiert haben und nun prozyklisch von höheren Aktienmarktständen in den nächsten Wochen ausgehen.

Zunächst düstere Aussichten trotz expansiver Geldpolitik

Trotz des gottähnlichen Vertrauens des Marktes in die Zentralbankpolitik, wird es den global relevanten Zentralbanken nicht gelingen jeden zu retten – auch wenn sie es weiterhin mit immer größeren Asset-Kaufprogrammen versuchen werden. Man kann das mit einem Schiffsunglück vergleichen. Beim Versuch, jeden einzelnen gleichzeitig vor dem Ertrinken zu retten, wird man am Ende leider niemanden retten können. Wir gehen davon aus, dass die wirtschaftlichen Belastungen der Corona-Krise die Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft in den nächsten Monaten lähmen werden und rechnen erst ab dem dritten Quartal dieses Jahres mit einem Erholungstrend. Die Unternehmensberichte werden in dieser Phase genauso düster ausfallen, wie die Konjunkturdaten. Daraus resultierend rechnen wir mit Unternehmensinsolvenzen insbesondere bei mittelständischen Unternehmen und weiteren staatlichen Stützungsmaßnahmen.

Deshalb haben wir in den vergangenen zwei Wochen unseren Aktienanteil taktisch reduziert, indem wir einzelne Positionen aus dem Technologie- und Industriesektor veräußert haben. Wir können uns vorstellen, dass dem Aktienmarkt auf dem jetzigen Niveau die Puste ausgehen könnte und eine Korrektur nach der Rallye erfolgt. Eine zweite Korrekturwelle bis zu den Niedrigständen vom März ist nicht auszuschließen. Diese Niveaus sind für uns Kaufgelegenheiten.

David Wehner ist Senior Portfoliomanager bei der Do Investment AG mit Sitz in München. Die Vermögensverwaltung ist Teil der Unternehmensgruppe von Silvius Dornier und betreut Privatpersonen, mittelständische Unternehmerfamilien, konservative Institutionen und Stiftungen ganzheitlich in allen Fragen der Vermögensplanung und des Vermögensmanagements. Ihre Kernkompetenzen liegen in der Strukturierung und Verwaltung von liquiden Vermögenswerten und ausgewählten Sachwertinvestments im Bereich der Agrarwirtschaft.

www.do-investment.de

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