Asiatische Anleihen können in einem noch lange anhaltenden Niedrigzinsumfeld Renditechancen bieten

Arthur Lau
Arthur Lau

Marktkommentar von Arthur Lau zum asiatischen Rentenmarkt. Er geht davon aus, dass dieser langfristig robust und attraktiv bleiben wird:

Für Anleger, die sich negativen Renditen entziehen wollen, bietet der asiatische Rentenmarkt Zuflucht mit höheren und stabilen Renditen. Um aber das Beste aus den damit verbundenen Möglichkeiten zu machen, müssen die Investoren mit ganz spezifischen Risiken und den Auswirkungen von Richtungsentscheidungen und politischem Geplänkel zurechtkommen, wie die jüngste Kursbewegung beim chinesischen Yuan und die unsichere Entwicklung der Handelsverhandlungen zwischen den USA und China zeigen.

Ein stabiler Markt macht asiatische Anleihen attraktiver

Asiatische Anleihen verzeichneten in der ersten Jahreshälfte 2019 starke Zuflüsse. Obwohl asiatische Anleihen in globalen Benchmarks noch immer unterrepräsentiert sind, erkennen Investoren zunehmend ihre Diversifikationsvorteile. Im Gegensatz zu einem verbreiteten Irrglauben, ist der asiatische Rentenmarkt kein Hochzinsmarkt mit hohem Beta und hoher Volatilität.

In den letzten fünf Jahren hat sich die Sharpe Ratio (eine Kennzahl für die volatilitätsbereinigte Rendite) asiatischer Anleihen mit 1,59 im Vergleich zu anderen großen Anlageklassen weltweit (US Investment Grade Credit: 0,99, Emerging Markets US-Dollar: 0,94 und US-Aktien: 0,88) sehr gut behauptet. Ein Grund dafür ist die starke inländische Investorenbasis, die den asiatischen Rentenmarkt versteht.

Überdies weisen asiatische Anleiheemittenten im Vergleich zu ihren Konkurrenten in den Schwellenländern und sogar einigen der entwickelten Märkte tendenziell sehr niedrige Verschuldungsgrade (Corporate Net Leverage) und hohe Zinsdeckungsgrade (Interest Coverage) auf. Dies ist ein weiterer Grund, warum der asiatische Markt in der Lage war, eine so hohe Sharpe Ratio über verschiedene Konjunkturzyklen hinweg zu liefern, einschließlich einiger wichtiger Makroereignisse in den letzten fünf Jahren.

Seit der asiatischen Finanzkrise 1997 gab es im asiatischen Investment-Grade-Anleihenuniversum keine Ausfälle. Neben der hohen Kreditqualität trägt das hohe Maß an systematischer staatlicher Unterstützung einiger Emittenten, insbesondere staatlicher Unternehmen, zur Stabilität des Marktes bei. Wenn also Marktvolatilität besteht, wird unserer Ansicht nach der asiatische Rentenmarkt für langfristig orientierte institutionelle Investoren attraktiver.

Asiatische Anleihen bleiben solide

Vergleich: links Corporate Net Leverage (x-fach) - rechts Interest Coverage (x-fach)

Vergleich
Daten zum 31. Dezember 2018. Quellen: BAML, Pinebridge

Handelsunsicherheit und geldpolitische Schwenks erfordern, dass die Anleger selektiv sein sollten

Zwei Themen standen dieses Jahr am asiatischen Rentenmarkt im Vordergrund: Verschiebungen in der Geldpolitik und der Handelsstreit zwischen den USA und China.

Der Schwenk zur Lockerung der Geldpolitik durch die US-Notenbank und einige asiatische Zentralbanken sorgte für einen positiven Hintergrund für asiatische Anleihen. Da Anleihen aus entwickelten Märkten negative bis vernachlässigbare Renditen bieten, wird es schwieriger, höher verzinsliche asiatische Anleihen zu ignorieren.

Andererseits gehen wir angesichts der Unsicherheit über den Handelsstreit zwischen den USA und China davon aus, dass die asiatischen Renten- und Devisenmärkte auf kurze Sicht unruhig bleiben werden. Die chinesische Währung ist eine Ankerwährung auf dem Weltmarkt. Ihre jüngste Kursbewegung vorbei an der Marke von 7 gegenüber dem US-Dollar und die von US-Seite vorgenommene Betitelung Chinas als Währungsmanipulator werden die Volatilität am Devisenmarkt in der Region wahrscheinlich verstärken und zu mehr Risikoaversion führen. Die Mehrheit der asiatischen Anleiheemittenten ist jedoch hauptsächlich im Inland tätig oder mit Einnahmen, die überwiegend in US-Dollar erzielt werden. Daher gehen wir nicht davon aus, dass eine höhere Volatilität des Yuan zu einer massiven Kreditverschlechterung an den asiatischen Rentenmärkten führen wird.

Die Entwicklung des Yuan wird stark davon abhängen, wie es mit den Handelsverhandlungen weitergeht. Zusätzliche und weitere negative Entwicklungen in den Handelsgesprächen mit den USA bedeuten, dass China weniger wahrscheinlich eine versöhnliche Haltung in Bezug auf die Währung einnehmen wird, da der Druck, die negativen Auswirkungen der Zölle auf die Exporte abzumildern, größer ist.

Langfristig gehen wir davon aus, dass der asiatische Rentenmarkt robust und attraktiv bleiben wird. Auf Indexebene sind weniger als drei Prozent der asiatischen Anleihen direkt von den Zöllen betroffen, und die Zollwirkung ist nicht linear. Einige Unternehmen könnten die Kosten der Zölle wohl durch geringere Margen auffangen. Zwar könnte ein ungünstiger Ausgang des Streits Volkswirtschaften wie Korea, Japan und Taiwan schaden, anderen aber könnte er zugutekommen, wenn sich die Produktion beispielsweise von China nach Südostasien verlagert.

Aktives Management bietet die Flexibilität, sich im gesamten Risikospektrum zu bewegen und selektiver zu agieren.

Erschließung neuer Chancen in einer komplexen Welt

Auf dem von Vielfalt geprägten asiatischen Anleihenmarkt kommt es darauf an, die Allokation nach Sektoren, Ländern und Namen taktischer zu gestalten. Eine ganzheitliche Betrachtung der wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen sowie eine rigorose Kreditanalyse werden noch wichtiger werden.

So bietet beispielsweise der chinesische Immobiliensektor ausgewählte Möglichkeiten in einem fragmentierten Markt. Die Ausfälle sind in jüngster Zeit aufgrund der landesweiten Deleveraging-Bemühungen gestiegen, und wir gehen davon aus, dass schwächere und marginalisierte Entwickler weiterhin vor Herausforderungen stehen werden. Allerdings ist es aus unserer Sicht unwahrscheinlich, dass dies systemisch wird, und wir gehen davon aus, dass sich die allgemeine Kreditqualität der Branche im Laufe der Zeit verbessern wird.

Unterdessen schreibt eine neue Regel vor, dass chinesische Immobilienunternehmen nur US-Dollar-Anleihen zur Refinanzierung von langfristigen Offshore-Finanzierungen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr ausgeben dürfen. Dies hat sowohl positive als auch potenziell negative Auswirkungen. Die Regel setzt im Wesentlichen eine Obergrenze für den Gesamtbetrag der langfristigen Auslandsverschuldung fest. Das dürfte chinesischen Immobilienanleihen Unterstützung durch technische Treiber geben. Aber es könnte auch einen Finanzierungs- und Liquiditätsdruck für Unternehmen mit schwächeren Kreditprofilen oder für diejenigen, die nur begrenzten Zugang zu mehreren Finanzierungsquellen haben, erzeugen.

Ein weiteres Beispiel ist der jüngste, unerwartet hohe Kapitalzuführungsplan der indischen Regulierungsbehörden für den Bankensektor. Wir sind der Ansicht, dass der Plan den Banken des öffentlichen Sektors und im Allgemeinen dem breiteren Bankensystem helfen dürfte, mit Problemen der Vermögensqualität und Liquidität umzugehen. Dadurch dürften sich potenzielle Investitionsmöglichkeiten in diesem Sektor bieten, aber nur, wenn der Plan effektiv umgesetzt wird.

Diese Entwicklungen unterstreichen, wie stark die Werte in asiatischen Anleihen verteilt sein können, was die Kreditauswahl besonders wichtig macht. Wer es schafft, die stärkeren Akteure zu identifizieren, kann Chancen ausfindig machen.

Arthur Lau ist Co-Head of Emerging Markets Fixed Income und Head of Asia ex-Japan Fixed Income bei Pinebridge Investments in Hong Kong. Der Asset Manager mit Hauptsitz in Ney York verwaltet ein Vermögen in Höhe von 93,4 Milliarden US-Dollar in den Assetklassen Aktien, Fixed Income, Multi-Asset und Alternative Investments mit einem Fokus auf aktiven High-Conviction-Strategien.

www.pinebridge.com

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