Während sich Europa auf das übergeordnete Ziel einer weitgehend emissionsfreien Energieversorgung bis 2050 zubewegt, haben nicht zuletzt die letzten Wochen mit teils sehr sonnen- und windreichen Tagen, flankiert durch eine teils hitzig geführte politisch-öffentliche Debatte um die zukünftige Ausrichtung der Energiewende, eines deutlich gezeigt.
Der Umbau unseres Energiesystems erfordert nicht nur Windräder und Solarpanels. Es braucht Speicher für den erzeugten Strom – und zwar viele. Angesichts der mittlerweile marktbewegenden Stellung der Erneuerbaren Energien sind flexible Lösungen, die Strom genau dann nutzbar machen, wenn er gebraucht wird, von elementarer Bedeutung. Damit könnten die Netze entlastet, Kosten für die Allgemeinheit aus Abregelungen eingedämmt und Akzeptanz für den Umbau des Stromnetzes gefördert werden.
Rückenwind bekommt das Thema ebenfalls durch geopolitische Entwicklungen und dem Ruf nach Unabhängigkeit von fossiler Energie und ihren Anbietern.
Systematischer Einsatz von Speichern notwendig
Heute stammen gut 60 Prozent der jährlichen deutschen Stromproduktion aus regenerativen Quellen, im April 2026 waren es sogar fast 70 Prozent. Eine Entwicklung, die technologische Herausforderungen mit sich bringt. Der Strom wird immer dezentraler erzeugt, seine Einspeisung schwankt. Während Solaranlagen mittags häufig ein Überangebot erzeugen, müssen an windstillen und sonnenarmen Tagen konventionelle Kraftwerke oder Importe die Nachfrage decken.
Zwei Wege können aus diesem Dilemma führen: ein massiver Netzausbau und der systematische Einsatz von Batteriespeichern, die mittlerweile technisch und ökonomisch gereift sind.
Lange dominierten mechanische Speicher wie Pumpspeicherkraftwerke den Speichermarkt, doch der Boom bei Batteriespeichern, sowohl bei Heimspeichern als auch Großbatteriespeichern, verändert den Markt rasant. Batteriespeicher bieten, was der deutsche Strommarkt vor allem an jenen sonnenreichen Tagen benötigt: kurzfristige, flexible und skalierbare Speicherung.
Ihr großer Vorteil liegt darin, dass sie sich fast überall installieren lassen. Ob im hauseigenen Keller, neben dem Umspannwerk oder als Teil eines Solar- oder Windparks. Ein weiterer Vorteil ist die – gerade im Vergleich zu anderen Technologien – nicht unerhebliche Tatsache, dass Batteriespeicher bereits heute ohne staatliche Förderung wirtschaftlich sind.
Wie viel Speicher brauchen wir eigentlich?
Die Relevanz von Batteriespeichern zeigt sich im derzeitigen Strommarkt: Die Zahl negativer Strompreisstunden in Deutschland nimmt rasant zu. Nach 457 Stunden im Jahr 2024 waren es im vergangenen Jahr bereits 573 Stunden – Tendenz weiter steigend. In diesen Zeiten müssen Erzeuger bezahlen, wenn sie Strom einspeisen wollen, oder sie werden abgeregelt. Hier kommen Batteriespeicher ins Spiel, weil sie Preisspitzen glätten, die Effizienz des Strommarktes erhöhen und überlastete Netze entlasten können.
Batteriespeicher wirken damit gleich doppelt: Sie stabilisieren das System und eröffnen Chancen für smarte Vermarktung. Ihre Fähigkeit, Regelenergie bereitzustellen, macht sie zudem zu einem immer wichtigeren Baustein für die Netz- und Versorgungssicherheit. Als flexible Ressource sind sie binnen weniger Millisekunden abrufbar. Batteriespeicher verdrängen klassische Anlagen zunehmend aus den Regelenergiemärkten.
Speicher sind dringend notwendig
Batteriespeicher schließen die Lücke zwischen fluktuierender Erzeugung und stabilem Verbrauch. Ihre Rolle ist systemkritisch – als Brücke, als Puffer, als Schrittmacher eines dezentralen Energiesystems. Dabei bleiben Herausforderungen, wie Engpässe bei Netzanschlüssen sowie ein dynamisches regulatorisches Umfeld, das mit Themen wie der unklaren Baurechtslage, dem AgNes-Prozess [Anm. d. Red.: Verfahren zur Festlegung der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom der Bundesnetzagentur] mit Änderungen in der Netzentgeltregelung, dem aktuell wenig batteriespeicherfreundlichen Kapazitätsmarkt-Entwurf oder dem angedachten Netzpaket den Batteriespeicher-Ausbau nicht vereinfacht.
Doch angesichts des eindeutigen Bedarfs, der Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten und dem prognosegemäß mittelfristig weiter sinkenden Preisniveau von Batteriespeichern ist klar: Die Energiewende funktioniert nicht ohne Speicher. Für Investoren ergibt sich daraus ein vielversprechendes Feld, das nicht nur technisch spannend, sondern auch wirtschaftlich lukrativ und gesellschaftlich relevant ist. Wer heute einsteigt, investiert in die Infrastruktur der Zukunft.
Fabian Meloni ist Senior Investment Manager Energie [&] Infrastruktur der BVT-Unternehmensgruppe, München. Die BVT ist seit den 1980er Jahren als Pionier im Bereich Energie und Infrastruktur tätig und verfügt über umfangreiche Erfahrung in Investitionen in Erneuerbare Energien sowie Stromnetze.
Der Beitrag ist zuerst im EXXECNEWS Schwerpunkt Erneuerbare Energien in EXXECNEWS Ausgabe 13-2026 erschienen.