Capital Call Finance: Resilienz inmitten der Unsicherheit
Die makroökonomischen Aussichten für 2026 sind von vorsichtigem Optimismus geprägt. Angesichts der anhaltenden geopolitischen Entwicklungen dürfte die Unsicherheit jedoch bestehen bleiben. In diesem Zusammenhang wird es weiterhin unerlässlich sein, sowohl Flexibilität als auch Vorsicht walten zu lassen.
Private Markets stoßen weiterhin auf wachsendes Interesse sowohl bei institutionellen Anlegern als auch bei vermögenden Privatanlegern, was auf steigende Allokationsniveaus in den kommenden Jahren hindeutet. Im Bereich Private Equity nimmt die Streuung der erwarteten Renditen zu, wodurch die Auswahl von Managern, Laufzeiten und Strategien an Bedeutung gewinnt. Es gibt Anzeichen für eine Zunahme der M&A-Aktivitäten, was zu mehr Ausstiegsmöglichkeiten für ausgereifte Investitionen führen dürfte.
Die Sekundärmärkte wachsen weiterhin rasant und verzeichnen 2025 Rekordzuflüsse und -handelsvolumina. Diese starke Nachfrage bildet eine solide Grundlage für die Bewertungen von Private-Equity-Unternehmen. Die Performance von Private Debt bleibt stabil, während die Bewertungen entsprechend den Trends an den breiteren Kreditmärkten Spitzenwerte erreichen. Wir beobachten einen allmählichen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen, was ein erhöhtes Abwärtsrisiko mit sich bringt. Die Infrastrukturmärkte wachsen weiterhin rasant, unterstützt durch groß angelegte strukturelle Entwicklungen in den Bereichen Energiewende und Digitalisierung.
Der Capital-Call-Finance-Markt beendet das Jahr 2025 auf solider Basis
Was als ein von Unsicherheit geprägtes Jahr begann, endete mit Fundamentaldaten, die sich als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. Die positive Marktdynamik wurde durch anhaltende Zuflüsse und die steigende Beliebtheit von Private-Market-Fonds unterstützt. Vor diesem Hintergrund blieb die Performance der Kapitalabruf-Finanzierungen stark.
Kapitalabrufkredite, oft auch als Zeichnungslinien bezeichnet, sind zu einem wichtigen Finanzierungsinstrument für Private-Equity-Fonds geworden. Diese Kreditfazilitäten ermöglichen es Fondsmanagern, den Kapitalbedarf zu überbrücken, bevor sie die Kapitalzusagen von Limited Partnern (LPs) abrufen. Die Anlagechancen zeichnen sich durch kurze Laufzeiten, Bruttospreads zwischen 150 und 200 Basispunkten über Euribor in Verbindung mit einem hohen Investment-Grade-Kreditprofil aus.
Im Laufe des Jahres beobachteten wir ein steigendes Interesse der Kreditgeber an dieser Anlageklasse, sowohl seitens bestehender Bankkreditgeber als auch seitens einer Vielzahl von Nichtbank-kreditgebern, deren Allokationen rapide zunahmen. Diese Nichtbankkreditgeber umfassen verschiedene Anlegertypen und Rechtsordnungen, darunter Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften und Neobanken in ganz Europa und Großbritannien.
Relativer Wert gegenüber öffentlichen festverzinslichen Wertpapieren
Während die Anlageklasse an Popularität gewann, blieben die Kreditaufnahmen von Fonds im Jahr 2025 etwas eingeschränkt. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat zu einer erheblichen Spread-Kompression geführt, eine Entwicklung, die mit den Trends auf den breiteren Kreditmärkten im Einklang steht und die den relativen Wert der Anlageklasse gegenüber liquiden Krediten weiterhin stützt.
Die Renditen in dieser Anlageklasse wurden weitgehend durch Carry-Effekte mit Spread-Kompression bestimmt, was aufgrund des kurzen Kreditlaufzeitprofils der Anlageklasse zu begrenzten Marktwertgewinnen führte.
Kapitalabruf-Finanzierungen: Auch 2026 weiterhin relativer Wert
Die Kapitalabruf-Finanzierung startet solide ins Jahr 2026. Während das Angebot in den letzten Monaten aufgrund der Entwicklungen auf den zugrunde liegenden Märkten etwas zurückhaltend war, zeichnet sich nun eine deutliche Zunahme der Aktivitäten ab. Die Spread-Kompression setzt sich bis Anfang 2026 fort. Trotz dieser Spread-Kompression bleibt die Kapitalabruf-Finanzierung eine attraktive relative Anlagemöglichkeit, die einen konstanten Spread-Aufschlag von 125 bis 130 Basispunkten gegenüber kurzfristigen IG-Unternehmensanleihen bietet.
Wir beobachten weiterhin eine zunehmende Aktivität auf dem Markt für befristete Kredite. Sowohl Kreditnehmer als auch Banken reagieren zunehmend sensibel auf Argumente, traditionellere RCFs (revolvierende Kreditfazilitäten) mit befristeten Kredittranchen zu kombinieren. Auf dem USD-Markt und zunehmend auch auf den EUR-Märkten beobachten wir, dass sich die Laufzeiten dieser befristeten Kredite auf zwei, drei oder vier Jahre verlängern, wobei der Spread nur begrenzt ansteigt. Die Kreditperformance dürfte weiterhin stark bleiben, wobei eine Verschlechterung der Kreditqualität weitgehend ausbleiben dürfte. Diese starke Performance spiegelt sowohl die robusten strukturellen Merkmale der Kapitalabruf-Fazilitäten wider, die durch eine hochwertige und diversifizierte LP-Basis gestützt werden, als auch die anhaltend solide Performance von Private-Market-Fonds.
Fazit: Attraktiver relativer Wert trotz Unsicherheit
Trotz makroökonomischer Unsicherheit und geopolitischer Risiken geht die Kapitalbeschaffung aus einer Position der Stärke in das Jahr 2026. Die Fundamentaldaten bleiben solide, die technischen Faktoren sind günstig und die Bewertungen erscheinen im Vergleich zu Unternehmensanleihen attraktiv. Die Dynamik am Ende des Konjunkturzyklus verstärkt die Notwendigkeit von Vorsicht, proaktivem Management und strukturellem Schutz. All diese Faktoren wecken das Interesse an dieser Anlageklasse, deren kurze Laufzeit auch in unsicheren Zeiten weiterhin Stabilität, Flexibilität und Liquidität bietet.
Bas Kragten ist Leiter Fondsfinanzierung und Infrastrukturkredite bei Aegon Asset Management. Er hat einen Master-Abschluss in Makroökonomie von der Universität Tilburg. Aegon Asset Management (Aegon AM) ist der Vermögensverwaltungszweig der Aegon-Gruppe, einem führenden Versicherungsunternehmen in Europa.
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 06 erschienen.