Core- und Value-Add-Strategien für Wohninvestments
Wohnimmobilien bleiben für institutionelle Investoren ein zentraler Anlageschwerpunkt. Trotz steigender Zinsen, höherer Baukosten und eingeschränkter Projektfinanzierung ist das Risikoprofil im Vergleich zu Gewerbeimmobilien gering. Leerstände sind selten, und Genehmigungs- sowie Fertigstellungszahlen liegen weiterhin deutlich hinter dem Bedarf zurück.
Bei Investoren stehen weiterhin Core- und Core-plus-Strategien im Vordergrund, die sich auf Neubauten und Bestände mit nahezu Neubauqualität konzentrieren. Dabei handelt es sich um Wohngebäude, die nicht wesentlich älter als zehn bis fünfzehn Jahre sind und moderne technische und energetische Standards erfüllen.
Bei der Standortwahl werden neben den großen Metropolen ebenso Städte ab etwa 150.000 bis 200.000 Einwohnern stärker berücksichtigt. Auch das weitere Umfeld großer Städte gewinnt an Bedeutung, sofern die Gebiete funktional angebunden sind und eine stabile Mietnachfrage aufweisen. Der anhaltende Wohnungsmangel führt in Neubauprojekten in guten Lagen zu Spitzenmieten von mehr als 25 Euro pro Quadratmeter. Gleichzeitig spielt die Bezahlbarkeit eine größere Rolle, da hochpreisige Wohnungen längere Vermarktungszeiten aufweisen. Für Investoren ist daher die Analyse lokaler Rahmenbedingungen wie Demografie, Einkommensstrukturen und Nachfrageprofile zunehmend entscheidend.
Die Grundrissgestaltung beeinflusst den wirtschaftlichen Erfolg von Projekten erheblich. Effiziente Zwei- und Dreizimmerwohnungen stehen im Vordergrund, während große Einheiten mit hohen Quadratmeterzahlen schwerer vermietbar sind. Grundrissanpassungen können auch nach Projektstart erfolgen, sofern der Baufortschritt dies zulässt.
Neben Core-Investments gewinnen Strategien zur aktiven Wertsteigerung von Bestandsimmobilien an Bedeutung. In Deutschland sind viele Gebäude älter als zwanzig Jahre, sodass energetische Sanierungen und technische Modernisierungen erforderlich werden. Besonders ältere Objekte in etablierten Lagen eigenen sich, um saniert und anschließend wieder am Markt platziert zu werden. Solche „Manage-to-Green“-Ansätze reduzieren Energieverbräuche, bringen Bestände auf einen zeitgemäßen Standard und erschließen zusätzliche Wertpotenziale durch marktgerechte Anpassungen.
Auch Projektentwicklungen bieten Einstiegschancen. Zahlreiche Projekte mit Baurecht können wegen erschwerter Finanzierung nicht umgesetzt werden. Investoren bietet sich die Chance, hier frühzeitig einzusteigen, Grundstücke zu erwerben oder Projekte gemeinsam mit Entwicklern weiterzuführen. Baukosten, Bauzeiten, Managementaufwand und Vermietungsperspektiven sind zu berücksichtigen. Höhere Risiken eröffnen zugleich zusätzliche Renditechancen, weshalb solche Investments häufig für risikobereitere, internationale Kapitalgeber attraktiv sind.
Insgesamt bleibt der Wohninvestmentmarkt differenziert. Langfristig orientierte Strategien mit stabilen Erträgen stehen neben neuen Chancen durch Bestandsmodernisierung und Weiterentwicklung geplanter Projekte. Entscheidend ist eine sorgfältige Analyse der jeweiligen Standorte, Projekte und Nachfrageprofile, um die strukturelle Attraktivität der Wohnimmobilienanlage zu nutzen.
Felix Meyen ist Geschäftsführer der HIH Invest Real Estate, Hamburg. Die HIH Invest Real Estate ist ein Investmentmanager für Immobilien in Deutschland und in Europa. Die HIH Invest ist an acht Standorten europaweit vertreten.
Der Beitrag ist zuerst im Schwerpunkt Wohnimmobilien zu EXXECNEWS Ausgabe 07-2026 erschienen.