Corporate Hybrids als Renditebooster

Marktkommentar von Ercan Demircan (Bantleon) aus der Reihe „Themendienst“. Seiner Einschätzung nach bietet das aktuelle Marktumfeld bei Corporate Hybrids eine einmalige Einstiegschance für risikobewusste Anleger mit mittlerem Anlagehorizont:

Ercan Demircan
Ercan Demircan

Die Risikoprämien von EUR-Unternehmensanleihen sind seit Jahresanfang deutlich gestiegen, weshalb inzwischen Corporate Hybrids (nachrangige Unternehmensanleihen von Industrieunternehmen) das attraktivste Risiko-Ertrags-Profil haben. Die Rendite dieser Anleihen beträgt etwa 69 Prozent der Rendite von High-Yield-Anleihen. Deren Ausfallrisiko hingegen lag in Stressphasen an den Finanzmärkten bei über zwölf Prozent, während die Emittenten von Corporate Hybrids aufgrund des soliden Investment-Grade-Ratings nahezu kein Ausfallrisiko aufzeigten. Gekoppelt mit der sehr attraktiven Rendite bietet das aktuelle Marktumfeld bei Corporate Hybrids historisch betrachtet eine einmalige Einstiegschance für risikobewusste Anleger mit mittlerem Anlagehorizont.

Während sich die Risikoaufschläge von erstrangigen EUR-Unternehmensanleihen und Corporate Hybrids (nachrangige Unternehmensanleihen von Industrieunternehmen) der Bonität Investment Grade (IG) seit Jahresanfang um 98 und 150 Basispunkte ausgeweitet haben, stiegen die von EUR-High-Yield-Anleihen sogar um 270 Basispunkte. Zusätzlich musste der gesamte Markt für IG-EUR-Unternehmensanleihen, in dem sich auch das Corporate-Hybrid-Segment befindet, seit Jahresanfang signifikante Mittelabflüsse von circa 15 Milliarden Euro verkraften. Dazu zählen insbesondere die Verkäufe aus passiven Anlageprodukten (zum Beispiel ETFs), die in Zeiten extremer Marktverwerfungen als Preisnehmer agieren und die Kurse nach unten drücken. Inzwischen sind Corporate Hybrids deutlich unterbewertet und auch im Vergleich mit High-Yield-Anleihen äußerst attraktiv: Eine so hohe Rendite wie derzeit konnten Investoren zuletzt im Jahr 2011 erzielen – und das bei nahezu keinem Ausfallrisiko.

Die Emittenten von Corporate Hybrids sind in der Regel solide Investment-Grade-Unternehmen. Selbst in Marktstressphasen (zum Beispiel Finanzkrise 2009) sind solche Unternehmen quasi nicht ausgefallen, was man an der Ausfallquote von lediglich 0,4 Prozent in dem Jahr erkennt. Globale High-Yield-Unternehmen dagegen hatten eine Ausfallrate von über 12%. Aufgrund der defensiven Marktstruktur – ungefähr 62 Prozent des europäischen Corporate-Hybrid-Universums befinden sich in den Bereichen Telekommunikation, Versorger und Energie – sind Corporate Hybrids resistenter gegenüber konjunkturellen Abschwüngen. Genau diese Sektoren haben am Aktienmarkt in diesem Jahr bereits eine überproportionale Entwicklung ausgewiesen, bieten aber im Durchschnitt immer noch eine attraktive Rendite von über vier Prozent für Corporate Hybrids.

Gleichzeitig sollten diese Unternehmen Phasen hoher Inflation und sogar eine Rezession ohne größere Schwierigkeiten überstehen, während High-Yield-Unternehmen aufgrund der schwächeren Kreditqualität leiden dürften. So rechnet die Ratingagentur Moody’s in ihrer jüngsten Ausfallstudie im Basisszenario auf Sicht von zwölf Monaten mit einer Ausfallrate für globale High-Yield-Unternehmen von 3,3 Prozent. Dafür wurde eine US-Arbeitslosenquote von 3,4 Prozent angenommen, was zu konservativ sein dürfte. Unseren Volkswirten zufolge wird nämlich der konjunkturelle Gegenwind in den Jahren 2022/2023 weiter zunehmen und die US-Arbeitslosenquote im vierten Quartal 2023 mindestens fünf Prozent erreichen. Die Ausfallraten für High-Yield-Unternehmen dürften im Rezessionsszenario somit deutlich höher ausfallen. Relativ gesehen sollten Corporate Hybrids mit einer erwarteten Ausfallrate von nahezu null Prozent im Jahr 2023 sich deutlich besser entwickeln als der High-Yield-Markt. Insbesondere im relativen Vergleich zu anderen Subassetklassen stechen Corporate Hybrids aufgrund ihres historisch attraktiven Risiko-Ertrags-Profils hervor. Dabei hat der Markt für Corporate Hybrids ungefähr 69 Prozent der Rendite des High-Yield-Marktes. Der Publikumsfonds „Bantleon Select Corporate Hybrids“ hat mit aktuell 7,56 Prozent eine Rendite, die derzeit sogar höher ist als die des High-Yield-Marktes, obwohl die Emittenten ausschließlich ein Investment-Grade-Rating haben.

Auch aus der Risikoperspektive sind Corporate Hybrids attraktiver als High-Yield-Anleihen: In der Vergangenheit war der maximale Verlust stets geringer. Zudem ist die Schwankungsbreite (Differenz zwischen Minimum und Maximum im jeweiligen Jahr) der Risikoprämien bei Corporate Hybrids historisch betrachtet deutlich geringer und befindet sich schon nahe ihren temporären Höchstständen. Der High-Yield-Markt zeigt im Rezessionsszenario hingegen noch deutliches Ausweitungspotenzial bei den Risikoprämien auf.

Darüber hinaus besteht bei Corporate Hybrids aus technischer Sicht kein Überhang an Neuemissionen, denn der Hauptteil der anstehenden Refinanzierungen wurde schon vergangenes Jahr und im ersten Halbjahr 2022 platziert. Demgegenüber sollte bei den High-Yield-Anleihen der nicht existente Neuemissionsmarkt bald der Vergangenheit angehören, weil die Refinanzierung ausstehender Anleihen nicht unbegrenzt in die Zukunft verschoben werden kann. Dies sollte zu zusätzlichem Gegenwind bei den Risikoprämien führen und die Kurse somit zusätzlich belasten. Allein bis Ende 2023 werden im High-Yield-Markt Anleihen im Volumen von circa 28 Milliarden Euro fällig, was ungefähr acht Prozent des High-Yield-Marktes für Industrieunternehmen entspricht.

Fazit

Mit Blick auf die konjunkturellen Abwärtsrisiken dürfte der Markt für Unternehmensanleihen in den kommenden Monaten von einer hohen Volatilität geprägt sein. Dennoch bietet das aktuelle Marktumfeld bei Corporate Hybrids historisch betrachtet eine einmalige Einstiegschance für risikobewusste Anleger mit mittlerem Anlagehorizont. Die Anleihen von bilanziell gesunden Unternehmen, die nahezu kein Ausfallrisiko und zugleich hohe Coupons haben, sollten künftige Ausweitungen der Risikoprämien mittelfristig überkompensieren. Anleger mit Bedarf an hohen ordentlichen Erträgen mit einer hohen Rendite als Inflationsschutz sind mit Corporate Hybrids im aktuellen Marktumfeld sehr gut bedient.

Ercan Demircan ist Portfolio Manager und Analyst für Unternehmensanleihen bei der Bantleon AG in München. Der institutionelle Asset Manager mit Standorten in Deutschland und der Schweiz verwaltet mit 42 Mitarbeitern ein Vermögen von fünf Milliarden Euro. Zu den Investoren der Publikums- und Spezialfonds zählen vor allem Banken, Versicherungen, Industrieunternehmen und Unternehmen der Altersvorsorge sowie auch sicherheitsbewusste Privatanleger.

www.bantleon.com

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