
Wenn von Infrastruktur-Investments für Privatanleger die Rede ist – zumal im Kontext von Energieversorgung –, dann meistens von Windenergie oder Photovoltaik. Keine Frage: Dass sich Erneuerbare Energien zu einer etablierten Assetklasse gemausert haben und gleichzeitig für inzwischen rund die Hälfte der Stromerzeugung in Deutschland verantwortlich sind, ist eine Erfolgsgeschichte.
Aber Renewables sind beileibe nicht die einzige Möglichkeit, in eine nachhaltige Strom- und Energieerzeugung zu investieren. Zudem haben sie den Nachteil, dass sie ohne zusätzliche Speicherkapazitäten und fossile oder nukleare Kraftwerksreserven keine zuverlässige Grundlast garantieren können. Sinnvolle Alternativen findet jedoch nur, wer die Scheuklappen ablegt und den Blick auf weitere Stromerzeugungsarten lenkt, die zunächst nicht im Fokus standen.
Häufig unterschätzt: „Waste to Energy“
Ein gutes Beispiel, das besonders häufig unterschätzt wird, ist die moderne Abfallwirtschaft, neudeutsch „Waste to Energy“ oder „Energy from Waste“ genannt. Nun ist Müllverbrennung per se keine neue Erfindung. In Deutschland wurden bereits zur Kaiserzeit die ersten dieser praktischen Anlagen errichtet, die zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Müllentsorgung und Stromerzeugung.
Einen Ruf als besonders umwelt- und klimafreundlich genießt diese Form der Stromerzeugung in der Öffentlichkeit dennoch nicht. Dieses Klischee hat jedoch längst nichts mehr mit modernem Waste-Management zu tun. In Deutschland steuerten Hausmüll und Biomasse im vergangenen Jahr rund zehn Prozent zur deutschen Stromerzeugung bei. Dabei darf aber nur verbrannt werden, was nicht mehr anderweitig umweltverträglich entsorgt oder in den Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden kann.
Baustein integrierten Abfallmanagements
Die Müllverwertung zur Stromerzeugung ist heutzutage ein Baustein von vielen in einem integrierten Abfallmanagement. Dieses wiederum ist ein zentraler Bestandteil einer ganzheitlichen und im Idealfall lückenlosen Kreislaufwirtschaft. Zu einem modernden Abfall-Management gehören Sortierung, Wiederverwendung, Recycling, Kompostierung, die gesamte damit verbundene Logistik und als Ultima Ratio die Verbrennung von Restmüll zur Stromerzeugung, wobei dieser zuvor von giftigen Inhaltsstoffen gereinigt wird.
Multiple Erlösquellen
Waste-Management-Unternehmen wie die italienische Greenthesis decken große Teile dieser Wertschöpfungsketten aus einer Hand ab und erschließen sich so auch diversifizierte Ertragsströme. Dazu zählen Konzessionen von Kommunen sowie Gebühren von Müllerzeugern für die Entsorgung. Hinzu kommen Erlöse aus dem Verkauf von durch Recycling gewonnen Rohstoffen.
Auch die Energieerzeugung trägt zu den Einnahmen bei – neben Strom kann dazu auch Wärme zählen, etwa bei Anschluss an ein Fernwärmenetz. Nicht zuletzt können zusätzliche Erlöse durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten erzielt werden, sofern dadurch Emissionen eingespart werden. Dass die erzeugte Strommenge wind- und wetterunabhängig ist, ist dabei mehr als nur ein netter Nebeneffekt.
Einfacher Zugang durch neuartige Fonds
Privatinvestoren war der Zugang zu solchen Assets in der Vergangenheit oft versperrt. Doch das ändert sich derzeit dank des ELTIF (European Long-Term Investment Fund) in seiner reformierten Form. Er ist eine Produktgattung entstanden, die auch langfristig orientierten Privatanlegern einen einfachen Zugang zu Investitionen in solche Unternehmen ermöglicht. Die Abfallwirtschaft ist nur ein Beispiel für eine ganze Reihe an substanziellen Infrastrukturen, in die jetzt investiert werden kann – aber ein sehr gutes.
Klaus Weber ist Geschäftsführer der Patrizia GrundInvest Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, Augsburg. Die Patrizia-Gruppe bietet Investitionsmöglichkeiten für institutionelle, semi-professionelle und private Anleger mit Fokus auf Immobilien und Infrastruktur und managt derzeit ein verwaltetes Vermögen von etwa 55 Milliarden Euro (AUM).
www.patrizia.ag
Der Beitrag ist zuerst im EXXECNEWS Schwerpunkt Erneuerbare Energien in EXXECNEWS Ausgabe 13-2026 erschienen.