
Die vergangenen Jahre waren von tiefgreifenden Veränderungen geprägt. Pandemie, russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine, steigende Zinsen, Inflation sowie zunehmende geopolitische und handelspolitische Spannungen haben die globalen Märkte nachhaltig beeinflusst und das Anlageumfeld verändert.
Neben den drei etablierten Treibern von Infrastrukturinvestitionen – Dekarbonisierung, Digitalisierung und Demografie – gewinnt daher ein viertes „D“ zunehmend an Bedeutung: die Deglobalisierung.
Neuordnung der Globalisierung
Dabei bedeutet Deglobalisierung nicht das Ende der Globalisierung, sondern vielmehr deren Neuordnung. Weltweit ist ein Trend zu stärkerer wirtschaftlicher Eigenständigkeit zu beobachten. Lieferkettenrisiken, Handelskonflikte, geopolitische Unsicherheiten und die Rückverlagerung strategischer Produktionskapazitäten führen dazu, dass Staaten verstärkt auf Versorgungssicherheit und Resilienz setzen. Für exportorientierte Volkswirtschaften stellt dies eine besondere Herausforderung dar, eröffnet aber zugleich neue Investitionsmöglichkeiten.

Energiesicherheit
Ein zentrales Handlungsfeld ist die Energiesicherheit. Viele Länder investieren verstärkt in erneuerbare Energien und intelligente Energielösungen, um ihre Abhängigkeit von Importen zu reduzieren, die Energiewende zu beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dekarbonisierung wird dabei zunehmend auch als Bestandteil nationaler Sicherheitsstrategien verstanden.
Digitalisierung
Ebenfalls im Fokus stehen KI und Digitalisierung. Die steigende Nutzung datenintensiver Anwendungen und künstlicher Intelligenz erhöht den Bedarf an leistungsfähigen Breitband- und Mobilfunknetzen sowie Rechenzentren. Digitale Infrastruktur entwickelt sich damit immer stärker zu einer unverzichtbaren Grundvoraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Teilhabe.
Transportinfrastruktur
Darüber hinaus gewinnt die Transportinfrastruktur, an Bedeutung. Moderne Verkehrsnetze sichern Lieferketten und unterstützen die Dekarbonisierung. Gleichzeitig erfordern wachsende Städte erhebliche Investitionen in Straßen, Schienen, Energie- und Wassernetze.
Für langfristig orientierte Anleger bietet dieses Umfeld attraktive Chancen. Infrastruktur gilt als strategische Anlageklasse, die stabile Erträge mit volkswirtschaftlichem Nutzen verbinden kann. Da öffentliche Haushalte vielerorts unter Druck stehen, wird privates Kapital bei der Finanzierung neuer und bestehender Infrastrukturprojekte zunehmend wichtiger. Bis 2040 könnten die weltweiten Infrastrukturinvestitionen kumuliert auf bis zu 106 Billionen US-Dollar ansteigen.
Deglobalisierung ist somit weniger ein Rückzug aus der Weltwirtschaft als vielmehr eine Neugewichtung von Prioritäten.
Infrastrukturinvestitionen leisten einen wichtigen Beitrag zu Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit, Resilienz und technologischer Unabhängigkeit. Infrastruktur umfasst heute weit mehr als Straßen, Brücken oder Versorgungsnetze – sie ist ein zentraler Baustein für wirtschaftliche Stabilität, Wettbewerbsfähigkeit und nationale Souveränität.
Igor Lukin ist Senior Portfolio Manager Infrastructure und Benjamin Walter ist Lead Portfolio Manager Infrastructure Debt, beide bei Allianz Global Investors, einem international tätigen Vermögensverwalter mit Assets under Management (AuM) in Höhe von rund 598 Milliarden Euro.
Der Beitrag ist zuerst im Jahrbuch der Deutschen Anlageberatung 2026 erschienen.