
Ein zweistelliges Plus im zweiten Quartal, ein Resultat auf Vorjahresniveau im Halbjahresvergleich: Die fünf wichtigsten Bürostandorte Deutschlands – Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München – zeigen sich auch zur Jahresmitte 2026 stabil, mit leicht steigender Tendenz.
Der Anstieg wurde dabei maßgeblich durch das starke Umsatzplus in Berlin und München getragen. Erwartungsgemäß konnte dagegen Frankfurt nicht an das Ergebnis des außergewöhnlich starken Halbjahres aus dem Vorjahr anknüpfen. Im „Mittelfeld“ platzierten sich mit Umsatzvolumina leicht unter den Vorjahreswerten die Hansestadt Hamburg und die Rheinmetropole Düsseldorf.
Nutzer bleiben bei Flächenentscheidungen selektiv
Das wirtschaftliche Umfeld bleibt weiterhin von vorsichtiger Unternehmensplanung geprägt. Unverändert werden Flächenentscheidungen sorgfältig geprüft und häufig an langfristige Standort- und Effizienzziele gekoppelt. Das aktuelle Nutzerverhalten passt hier ins Bild: Unternehmen entscheiden weiterhin selektiv, setzen aber bei passenden Flächen auch größere Gesuche um. Im Fokus stehen weiterhin moderne und effiziente Büroflächen in zentralen Lagen mit guter Verkehrsanbindung. Dabei steht für potenzielle Mieter und Nutzer die Flächenflexibilität, die Ausstattungsqualität, auch im Hinblick auf ESG-Kriterien, und die langfristige Wirtschaftlichkeit im Mittelpunkt.
Zu den größten Abschlüssen des zweiten Quartals 2026 zählt die Anmietung von KPMG in Düsseldorf über mehr als 17.300 Quadratmetern im „One Plaza“ sowie die Anmietung der Deutschen Bank in Hamburg über rund 7.600 Quadratmetern im „Emporio“. In Berlin setzte die Anmietung von JetBrains über rund 19.000 Quadratmetern im „Hainwerk“ ein deutliches Signal im großvolumigen Segment, zumal im besonders aktiven Bereich IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie). In München setzte zudem der Baustart des Eigennutzerprojekts von Apple in der Seidlstraße mit rund 30.000 Quadratmetern ein weiteres Statement für die Nachfrage nach hochwertigen Büroflächen gerade aus dem Tech-Bereich.
Steigende Spitzenmieten spiegeln robuste Nachfrage im hochwertigen Segment
Die erzielbaren Spitzenmieten legten im Jahresvergleich in allen Top-5-Märkten zu und so zeigt sich das Spitzensegment auch bei uneinheitlichem Flächenumsatz weiterhin robust. Mit 57,00 Euro pro Quadratmeter bleibt München der teuerste Top-5-Markt, Frankfurt folgt mit aktuell 53,00 Euro pro Quadratmeter, Berlin liegt bei 47,00 Euro pro Quadratmeter und registriert mit 4,4 Prozent das höchste Plus unter den Top 5. Düsseldorf verzeichnete einen leichten Anstieg auf 46,00 Euro pro Quadratmeter bei weiterhin hohem Spitzenmietniveau in der Rheinmetropole. Hamburg, der mit ziemlichem Abstand fünftplatzierte Markt, weist mit plus 4,2 Prozent den zweithöchsten Anstieg auf bei einer Spitzenmiete von 37,50 Euro pro Quadratmeter.
Die steigenden Spitzenmieten zeigen, dass hochwertige Flächen in guten Lagen weiterhin gefragt sind. Die gleichzeitig zunehmenden Leerstände verdeutlichen jedoch die wachsende Kluft im Flächenangebot: Auf der einen Seite steht ein knapper Bestand an A‑ und Prime‑Flächen, auf der anderen ein struktureller Leerstand – häufig ohne entsprechende Revitalisierungsmaßnahmen -, sodass B‑ und vor allem C‑Büroflächen insbesondere in peripheren Lagen ohne gezielte Revitalisierung zunehmend nicht mehr vermietbar sind.
Das Leerstandvolumen hat in den Top-5-Märkten zur Jahresmitte 2026 um weitere elf Prozent zugelegt, gleichzeitig steigen die Spitzenmieten in allen Märkten. Nach Einschätzung von Cushman & Wakefield ist diese Entwicklung ein zentraler Beleg für die anhaltende Marktspreizung: hochwertige Flächen bleiben gefragt, ältere oder weniger effiziente Bestände tragen unter anderem dazu bei, den Angebotsdruck weiter zu erhöhen.
Aufschwung weiter punktuell, auf breiter Basis aber nicht in Sicht
Prognosen von Cushman & Wakefield zeigen, dass die zweite Jahreshälfte 2026 weiterhin von selektiver Nachfrage geprägt sein. Wir gehen davon aus, dass einzelne Märkte und – wie bereits seit einiger Zeit zu beobachten – punktuelle Großabschlüsse für positive Impulse sorgen werden, der Gesamtmarkt aber stark differenziert bleiben wird.
Nina Laucht ist Senior Consultant Research Germany bei Cushman & Wakefield. Cushman & Wakefield zählt zu den führenden globalen Immobiliendienstleistern. In Deutschland ist das börsennotierte Unternehmen mit Niederlassungen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und München vertreten. Im Jahr 2025 betrug der weltweite Umsatz des Unternehmens 10,3 Milliarden US-Dollar.
Der Beitrag ist zuerst im Jahrbuch der Deutschen Anlageberatung 2026 erschienen.