Deutschland-Premiere: Digital-Twin-Zertifikat für klassischen Fonds

Gastbeitrag von Manfred Gridl, geschäftsführender Gesellschafter von Gridl Asset Management, über den ersten „Digital Twin“ auf einen Publikumsfonds in Deutschland:

Manfred Gridl
Manfred Gridl

Seit Mitte April ermöglichen wir Investitionen in den ersten Digital Twin auf einen Publikumsfonds (OGAW) in Deutschland. Underlying für das investierbare digitale Asset (Token) ist unser Multi-Asset-Fonds „Gridl Global Macro UI“. Der Digital Twin wurde von der tradias Issuance GmbH (Frankfurt am Main), einer Tochter der tradias GmbH, emittiert.

Der „Gridl Global Macro UI“ wurde Ende Dezember 2017 als „allwettertaugliche Anlagestrategie“ aufgelegt mit dem Ziel, mittelfristig eine Mindestrendite von plus 3,0 Prozent per annum zum Referenzzins Euribor 3 Monate nach Kosten zu erwirtschaften und gleichzeitig größere Verluste zu vermeiden. Dies ist seit Fondsauflage trotz mehrerer Krisen bisher auch gelungen.

Neben „traditionellen“ Anlagen wie Aktien und Anleihen beschäftigen wir uns auch mit neuen Anlageformen wie Kryptowährungen und digitalen Assets. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass immer mehr Menschen ihren gesamten Zahlungsverkehr digital abwickeln. Galt beispielsweise das Zahlen mit der Uhr vor wenigen Jahren noch als „Spinnerei“, kann dies inzwischen bei fast jedem Einkauf beobachtet werden. Was im Zahlungsverkehr heute zur Normalität gehört, steckt bei Finanzprodukten noch in den Kinderschuhen.

Die Welt wird digital – und digitale Assets werden ein Teil unserer Welt

Wir haben uns vor über einem Jahr die Frage gestellt, inwiefern es möglich ist, unseren Fonds in Form eines digitalen Assets anbieten zu können. Aus dieser einfach erscheinenden Frage entstand ein Projekt, das im April mit der Auflage der Digital Twin zum Erfolg und zur Marktreife geführt werden konnte. Zum Start des Projektes war es noch nicht möglich, Fonds direkt zu tokenisieren. Dies geht erst, seitdem es das neue elektronische Wertpapiergesetz (eWpg) gibt – allerdings gibt es hier noch kein Produkt am Markt.

Als kleine Fondsboutique verfügen wir nicht über die internen Ressourcen, um ein derartiges Projekt als Pionier allein stemmen zu können. Im Gegensatz zu Großkonzernen haben wir weder Stabsabteilungen noch eine eigene Rechtsabteilung, und unser finanzieller Rahmen für ein derartiges Projekt ist begrenzt. Umso wichtiger war es deshalb, am Anfang Zeit zu investieren, um die richtigen Partner auszuwählen. Dies ist uns mit dem Bankhaus Scheich (BHS) und dessen Fintech-Arm tradias - trading digital assets letztlich auch gelungen. BHS hatte bereits Anfang 2020 ein zertifikatähnliches digitales Wertpapier auf der Blockchain abgebildet, dem als Basiswert erstmals eine deutsche DAX-Aktie unterlag und hat sich für uns gemeinsam mit tradias als idealer Partner erwiesen. Uns einte die Vision, in Deutschland die ersten zu sein, die in einem Markt mit über 10.000 zugelassenen Fonds auch ein digitales Angebot machen können.

Für die Abklärung der rechtlichen Rahmenbedingungen wurde eine renommierte Kanzlei mandatiert. Dabei wurde in einem über 30 Seiten umfassenden Gutachten unter anderem ausgearbeitet, inwiefern die Digital Twins Anforderungen aus dem Wertpapierhandelsgesetz und der Prospektverordnung unterliegen. Ebenfalls wurden steuerliche Aspekte umfassend beurteilt. Das Erstellen dieses Gutachtens zog sich über einen längeren Zeitraum hin, da auch von Seiten der Kanzlei Pionierarbeit geleistet werden musste. Die umfassende Komplexität des Projekts lässt sich daran ermessen, dass insgesamt sechs Parteien involviert sind, unter denen zahlreiche wechselseitige Vereinbarungen/Verträge abgeschlossen werden mussten.

Mit dem Digital Twin haben wir die erste erfolgreiche Verbindung von traditioneller und digitaler Fondswelt in Deutschland geschaffen. Damit haben wir für die ganze Fondsbranche einen wichtigen Schritt beim Zukunftsthema „Digitale Assets“ vollzogen. Digital-affine Investoren haben jetzt die Möglichkeit, in ein Digital-Twin-Zertifikat mit einem Mischfonds als Underlying zu investieren. Damit können wir potenziell eine neue Zielgruppe erschließen. Natürlich bleiben die bisherigen Vertriebswege weiterhin bestehen: der Fonds kann über zahlreiche Banken und Fondsplattformen auf herkömmlichem Wege erworben werden. Anschließend erfolgt die Verbuchung im eigenen Depot mit zumeist zwei Tagen Verzögerung, so wie es bei Bankgeschäften heute die Regel ist. Beim Erwerb der Digital-Twin-Zertifikate wird taggleich abgerechnet, die Verwahrung kann eigenständig oder über die Bereitstellung einer Kundenwallet bei unserem Partner erfolgen. Dazu kommt, dass der Handel mit den Digital-Twin-Zertifikaten rund um die Uhr („24/7“) möglich ist und beim Kauf der Retail-Anteilsklassen kein Ausgabeaufschlag erhoben wird. Die Digital Twins auf den „Gridl Global Macro UI“ sind für Privatanleger direkt über die tradias-Plattform beziehbar und können von Interessierten mit wenigen Klicks auf dem Smartphone gekauft werden.

Wichtig ist, dass sich an unserem bewährten Anlagekonzept der „allwettertauglichen Anlagestrategie“ nichts ändert: Die Zielsetzung unseres Multi-Asset-Fonds ist weiterhin, mittelfristig eine positive Rendite zu erwirtschaften und gleichzeitig größere Verluste zu vermeiden – also für alle „Wetterlagen“ an den Finanzmärkten gut gerüstet zu sein.

Unser Autor Manfred Gridl ist geschäftsführender Gesellschafter der Gridl Asset Management GmbH, einer bankenunabhängigen und familiengeführten Investmentberatung mit Sitz in München. Das 2016 von den Eheleuten Marion und Manfred Gridl gegründete Unternehmen ist fokussiert auf Absolut-Return-orientierte Multi-Asset-Class-Strategien.

www.gridl-asset-management.de

Der Gastbeitrag ist zuerst erschienen in EXXECNEWS Ausgabe 10/2022.

www.exxecnews.de

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