Ende Februar 2026 sprang der europäische Gaspreis innerhalb weniger Tage von rund 32 auf über 54 Euro je Megawattstunde. Auslöser waren geopolitische Krisen und die Blockade zentraler Handelsrouten. Kein neues Phänomen und dennoch jedes Mal mit spürbaren Folgen: Während politische Reaktionen Zeit brauchen, tragen Industrie sowie Verbraucher die Kosten.
Rund 20 Prozent des globalen LNG (Liquefied Natural Gas)-Handels passieren die Straße von Hormus, bevor das Flüssiggas seine Zielmärkte erreicht. Im Jahr 2025 bezog Deutschland etwa 96 Prozent seiner LNG-Importe aus den USA, nachdem der Anteil russischen Pipelinegases infolge des Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 deutlich reduziert wurde. Eine Verlagerung von Abhängigkeiten, während die eigentlichen Versorgungs- und Preisrisiken bestehen bleiben.
Erneuerbare sind wirtschaftlich überlegen
Mit Blick auf die Anfälligkeit fossiler Energiesysteme stellt sich die Frage, warum diese nicht konsequenter durch erneuerbare ersetzt werden, insbesondere da Photovoltaik und Wind heute die günstigsten Formen der Stromerzeugung darstellen:
- Photovoltaik (Freifläche): 4,1 bis 7,0 ct/kWh
- Wind (Onshore): 4,3 bis 9,2 ct/kWh
- Gas: 10,9 bis 18,1 ct/kWh
- Kohle: bis zu 29,3 ct/kWh
Unter Einbeziehung externer Effekte wie Subventionen und Klimaschäden können die tatsächlichen Kosten neuer Gaskraftwerke sogar bis zu 67 ct/kWh erreichen.
Netze werden zum Flaschenhals
Auch die dezentrale Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien bringt Herausforderungen mit sich. Anders als bei Erdgas oder Kohle liegt das Problem jedoch nicht im Brennstoff, sondern in der Speicherung und der bedarfsgerechten Einspeisung.
Rund drei Milliarden Euro kostete das Engpassmanagement im deutschen Stromnetz im Jahr 2025, weil zeitweise mehr Strom erzeugt wurde, als die vorhandene Netzkapazität aufnehmen konnte.
Speicher machen das System steuerbar
Wenn der Ausbau der Netzkapazitäten über den Erfolg der Energiewende entscheidet, ist Zeit ein kritischer Faktor. Speicherprojekte setzen genau hier an: Sie nehmen Strom aus Erneuerbaren Energien auf und speisen ihn zeitversetzt wieder ins Netz ein. So lassen sich Lastspitzen abfedern, drohende Netzüberlastungen vermeiden und Netzentgelte reduzieren.
Speicher bleiben jedoch kapitalintensiv und technologisch anspruchsvoll. Sie sind kein Allheilmittel, leisten aber einen entscheidenden Beitrag, um Flexibilität zu erhöhen und Abhängigkeiten zu reduzieren.
Infrastruktur wird zur Investitionsfrage
Der Finanzierungsbedarf im Infrastrukturbereich übersteigt die verfügbaren staatlichen Mittel deutlich. Daraus ergibt sich eine wachsende Rolle privater Kapitalquellen – insbesondere im Bereich der Private Markets. Sie ermöglichen Investitionen in reale Infrastrukturprojekte wie Solarparks und Speicheranlagen.
Für die Kapitalallokation bedeutet das: Energie ist nicht mehr nur ein Versorgungs-, sondern zunehmend ein Strukturthema für Portfolios.
Oliver Lang ist Geschäftsführer der HEP Vertrieb GmbH, der Vertriebsgesellschaft des Solarfonds-Spezialisten HEP Kapitalverwaltung AG, Güglingen. HEP verwaltet rund 660 Millionen Euro Assets under Management (AuM) in geschlossenen Publikums- und Spezial-AIF mit Anlageschwerpunkt Photovoltaik.
Der Beitrag ist zuerst im EXXECNEWS Schwerpunkt Erneuerbare Energien in EXXECNEWS Ausgabe 13-2026 erschienen.