Direct Lending 2026: Chancen in einem stabilisierenden Markt

Patrick Marshall

Nach mehreren Jahren steigender Zinsen, verhaltener Wachstumsdynamik und hoher Inflation sowie einer insgesamt gedämpften M&A-Aktivität zeichnet sich zunehmend eine Stabilisierung in einem kalkulierbareren Marktumfeld ab.

Für Manager und Investoren eröffnet sich damit eine attraktive Ausgangslage: steigender Dealflow trifft auf nachlassende makroökonomische Unsicherheiten und Renditen, die weiterhin über dem Niveau von vor der Pandemie liegen.

Trotz der sich abzeichnenden Stabilisierung bleiben Herausforderungen bestehen. Der Wettbewerb bei der Kreditvergabe dürfte angesichts der in den vergangenen Jahren aufgebauten hohen Liquiditätsreserven weiterhin intensiv bleiben. Insbesondere einige Unitranche-Direktkreditgeber mit ambitionierteren Renditezielen könnten versuchen, sich über aggressivere Kreditbedingungen zu differenzieren – mit der Folge, dass entsprechende Praktiken andere Marktteilnehmer zwingen ebenso zu verfahren. Gleichzeitig dürfte es für Kreditnehmer, die in den vergangenen Jahren mit steigenden Zinsen und einem schwächeren Wachstum zu kämpfen hatten, zunehmend schwieriger werden, die nun strengeren Anforderungen im Zuge längerer Kreditlaufzeiten zu erfüllen. Vor diesem Hintergrund erwarten wir im kommenden Jahr einen Anstieg der Ausfallraten.

 

Auswirkungen der Zinssätze auf den Markt

Es ist davon auszugehen, dass die Zinsen in Europa bis 2026 unter die Höchststände von 2023 sinken werden, auch wenn sie voraussichtlich nicht auf das außergewöhnlich niedrige Niveau des vergangenen Jahrzehnts zurückkehren. Dies wird der Sweet Spot für Direktkredite sein: Kreditnehmer profitieren von sinkenden Zinsen und einer spürbaren Entlastung ihrer Cashflows, während Investoren weiterhin attraktive risikoadjustierte Renditen erzielen können. Zugleich dürfte das nachlassende Zinsniveau Private-Equity-Investoren nach einer Phase verhaltener Aktivität wieder zu verstärktem Engagement ermutigen.

Ein prägendes Merkmal der Jahre 2024 und 2025 war die mangelnde Liquidität der Private-Equity-Vermögenswerte. Viele Investoren hielten ihre Beteiligungen länger als ursprünglich vorgesehen, um eine Stabilisierung der Bewertungen abzuwarten. Dieser Rückstau dürfte sich im Jahr 2026 sukzessive auflösen und zu einer nachhaltigeren Transaktionsdynamik führen – mit einer Zunahme von Übernahmen, Add-on-Akquisitionen und Refinanzierungen, die sich unmittelbar auf das Volumen von Direktkrediten im Mittelstandssegment auswirken dürfte.

 

Wie restriktiv wird die Kreditvergabe im Jahr 2026 sein?

Der Wettbewerb zwischen den Kreditgebern um Kunden wird wie bereits angedeutet zu aggressiveren Kreditbedingungen führen. Deshalb hat eine disziplinierte Kreditvergabe zur Vermeidung von Kreditausfällen eine zentrale Bedeutung – insbesondere vor dem Hintergrund eines voraussichtlich nur moderaten Wirtschaftswachstums in Europa. Entsprechend werden konservative Direktkreditgeber, die Ausfälle minimieren möchten, auch künftig einen klaren Fokus auf nicht-zyklische Sektoren legen. Zugleich dürften die Anforderungen an die Kreditdokumentation insgesamt strenger bleiben als vor der Pandemie.

Mit dem Rückgang der Zinsen ist jedoch auch eine verstärkte Rückkehr komplementärer Finanzierungsprodukte zu erwarten. Zwar werden klassische vorrangig besicherte Kredite und Unitranche-Strukturen weiterhin den Kern des Marktes bilden, doch ist davon auszugehen, dass Delayed-Draw-Fazilitäten, Second-Lien-Strukturen sowie nachrangige Payment-in-Kind-Instrumente zunehmend eingesetzt werden, um in kreativer Weise Akquisitionsstrategien zu unterstützen. Dies dürfte dazu führen, dass diese Instrumente im Bereich Kreditmöglichkeiten bei Investoren deutlich an Interesse gewinnen.

 

Regulatorische Veränderungen im neuen Jahr

Im kommenden Jahr wird die aufsichtsrechtliche Kontrolle für Direktkreditgeber voraussichtlich verschärft. Im Fokus stehen dabei Bewertungsverfahren, das Liquiditätsmanagement semi-liquider Strukturen sowie die Höhe der bei Transaktionen eingesetzten Fremdkapitalfinanzierung. Obwohl keine restriktiveren Vorschriften in Europa erwartet werden, könnte die strengere Kontrolle zu erhöhten Berichtspflichten führen. Dies kann die Abwicklung von Transaktionen verlangsamen, da sich Manager intensiver mit den regulatorischen Anforderungen auseinandersetzen müssen. Etablierte Manager mit starken Unternehmensstrukturen, transparenten Prozessen und gut aufgestellten internen Berichtsteams dürften hiervon profitieren.

Für 2026 zeichnet sich ein besonders spannendes Marktumfeld ab, da sich der Markt allmählich wieder belebt. Manager, die in der Vergangenheit diszipliniert agiert und konservative Kreditvergabestrategien verfolgt haben, werden in der Lage sein, von den zahlreichen neuen Kreditmöglichkeiten zu profitieren. Dagegen werden diejenigen, die zuvor aggressiv und risikoreich vorgegangen sind, vor allem mit der Bewältigung bestehender Portfolioherausforderungen beschäftigt sein.

Patrick Marshall ist Head of Private Credit bei Federated Hermes, einer weltweit führenden Vermögensverwaltung mit einem verwalteten Vermögen von 871,2 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. September 2025). Federated Hermes hat seinen Hauptsitz in Pittsburgh und beschäftigt über 2.000 Mitarbeiter in London, New York, Boston, Frankfurt, Zürich und anderen Standorten weltweit.

https://www.hermes-investment.com/de/de

 

Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 01-02-2026 erschienen.

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