ELTIF 2026: Chancen und Herausforderungen für Berater und Anleger
Der European Long-Term Investment Fund (ELTIF) feierte in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Die ursprüngliche Konzeption aus dem Jahr 2015 blieb lange ein Nischenprodukt. Erst die Reform 2023 (bekannt als ELTIF 2.0) hat den Zugang für Privatanleger deutlich erleichtert.
Mindestanlagesummen wurden gesenkt, semi-liquide „Evergreen-ELTIFs“ eingeführt und regulatorische Hürden abgebaut. Damit öffnet sich ein Anlageuniversum, das bisher institutionellen Investoren vorbehalten war: Infrastruktur, Mittelstandsfinanzierung, Private Equity oder nachhaltige Energieprojekte. Doch eines bleibt: ELTIFs sind komplexe Produkte, die eine fundierte Beratung erfordern. Zudem wurde die Infrastruktur vieler Plattformen noch nicht vollständig angepasst.
Ergänzung statt Konkurrenz
Immer wieder werde ich gefragt, ob ELTIFs als Konkurrenz zu offenen Fonds oder AIFs zu sehen sind. Für mich stellen sie keine Konkurrenz dar, sondern vielmehr eine strategische Ergänzung. Während klassische Fonds Liquidität und Flexibilität bieten, ermöglichen ELTIFs den Zugang zu illiquiden Assets mit langfristigem Renditepotenzial. Für langfristig orientierte Portfolios sind sie ein wertvoller Baustein zur Diversifikation.
Vom Nischenprodukt zum Reformmodell
Die Reform hat die Attraktivität von ELTIF-Beteiligungen deutlich gesteigert. Anleger erhalten Zugang zu realwirtschaftlichen Projekten mit hohem gesellschaftlichem Nutzen und profitieren von einer breiten Diversifikation jenseits klassischer Aktien- und Rentenmärkte. Zudem eröffnen sich Chancen auf attraktive Renditen bei einem langfristigen Anlagehorizont. Nicht zuletzt leisten ELTIFs einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Kapitalanlage im Einklang mit den Zielen der Europäischen Union.
Beratung bleibt Schlüssel zum Erfolg
ELTIFs sind jedoch kein Schnellläufer, sondern ein Baustein für Anleger und Finanzanlagenvermittler, die langfristig denken. Sie eröffnen neue Chancen, erfordern aber auch neue Kompetenzen und technische Lösungen. Illiquidität, Kapitalabrufe, lange Laufzeiten. Diese Merkmale müssen verständlich erklärt und mit den Anlagezielen des Kunden abgeglichen werden. Die Geeignetheitsprüfung ist verpflichtend, die Beratung nicht delegierbar. Hinzu kommen ESG-Präferenzen und regulatorische Dokumentationspflichten. Semi-liquide Strukturen wie Evergreen-ELTIFs erhöhen zwar die Flexibilität, bleiben aber langfristige Investments mit eingeschränkter Handelbarkeit. Anleger müssen bereit sein, Kapitalabrufe und Haltefristen zu akzeptieren. Diese Punkte gehören zwingend ins Beratungsgespräch. Wer diese Komplexität beherrscht, kann sich vom Wettbewerb abheben und echten Mehrwert bieten.
Unsere Unterstützung für Vermittler
Exakt aus diesem Grund bieten wir eine umfassende Vertriebsunterstützung, nämlich Webinare und Präsenzschulungen, gezielte Auswahl relevanter ELTIF-Produkte und kontinuierliche
Erweiterung des Angebots
Der Fokus liegt aktuell auf der Anlageberatung, unterstützt durch unsere Vermittlerplattform DIVA, die Tools für Geeignetheitsprüfung, Dokumentation und Abwicklung bietet. Die konkrete Produktauswahl hängt vom jeweiligen Anbieter und der Depotbank ab. In Zusammenarbeit mit spezialisierten Plattformen arbeiten wir umfassend daran, die volldigitale Abwicklung zu ermöglichen, um den Zugang für Vermittler weiter zu vereinfachen.
Dr. Frank Ulbricht ist Vorstandsvorsitzender der BfV Bank für Vermögen AG und Vorstand der BCA AG, Oberursel.
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 26-2025 erschienen.
ELTIFs – eine sinnvolle Ergänzung für Kunden-Depots