Die globale Energieversorgung steht vor einem Wendepunkt. Klimawandel, Umweltzerstörung und geopolitische Spannungen machen deutlich, dass das bisherige Energiesystem nicht länger tragfähig ist. Fossile Brennstoffe, die über Jahrzehnte die Grundlage der Weltwirtschaft bildeten, sind nicht nur Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen, sondern auch ein Symbol für Abhängigkeit und Instabilität.
Die Schließung der Straße von Hormus, die einen der größten Versorgungsschocks der Ölgeschichte auslöste, verdeutlicht die Verwundbarkeit der Weltwirtschaft. Das zeigt auch der Blick auf die Zahlen: Die Golfregion beherbergt 48 Prozent der weltweiten nachgewiesenen Ölreserven und rund ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen passiert die Meerenge. Bei einem anhaltenden Angebotsschock übersteigen die wirtschaftlichen Kosten bei Weitem die Investitionen, die für den Ausbau Erneuerbarer Energien erforderlich wären. Damit sind Erneuerbare Energien nicht nur ein Schlüssel zur Bekämpfung des Klimawandels, sondern auch ein Weg, um wirtschaftliche und geopolitische Risiken zu minimieren.
Erneuerbare Energien als strategischer Schlüssel
Der Ausbau Erneuerbarer Energien ist längst über die Klimafrage hinausgewachsen. Mit jährlichen Investitionen von 700 Milliarden Euro über 15 Jahre hinweg finanziert Europa den European Strategic Infrastructure Investment Fund, um sich von den Schwankungen der globalen Energiemärkte zu lösen. China geht diesen Weg bereits seit rund 20 Jahren und hat in dieser Zeit massiv in saubere Energie investiert. Im Vordergrund steht hierbei nicht nur der Klimaschutz durch Dekarbonisierung, sondern das strategische Ziel, die Energiesicherheit zu erhöhen und geopolitische Abhängigkeiten von fossilen Brennstoffen sowie ölfördernden Nationen zu reduzieren. Sogar in den USA wächst der politische Druck, Steuergutschriften für Wind- und Solarenergie wieder einzuführen – angesichts steigender Strompreise und sinkender Zustimmungswerte für die republikanische Regierung.
Technologische Fortschritte treiben den Wandel
In den letzten Jahren haben technologische Innovationen den Ausbau Erneuerbarer Energien zusätzlich beschleunigt. Besonders die wachsende Bedeutung der Künstlichen Intelligenz und datenintensiver Technologien hat den Energiebedarf weltweit in die Höhe getrieben. Gleichzeitig fordern diese Innovationen günstige, verlässliche und nachhaltige Energiequellen – eine Rolle, die fossile Energien immer weniger erfüllen können. Solar- und Windkraftprojekte, oft gekoppelt mit Speichersystemen, bilden heute die Basis für eine Energieversorgung, die sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich zukunftssicher ist. Gleichzeitig entstehen Arbeitsplätze in Zukunftsbranchen. Dabei erweisen sich Erneuerbare Energien zudem als extrem widerstandsfähig: Während fossile Märkte durch Kriege oder Handelskonflikte ins Wanken geraten, bleiben Wind und Sonne als Ressourcen verlässlich verfügbar.
Fazit: Die Zukunft gehört den Erneuerbaren
Die Herausforderungen unserer Zeit verlangen nach einer Transformation des Energiesektors. Erneuerbare Energien bieten die Antwort: Sie sind klimafreundlich und bieten Stabilität und Unabhängigkeit. Länder, die heute in saubere Energie investieren, sichern sich nicht nur eine nachhaltigere Zukunft, sondern auch wirtschaftliche und geopolitische Vorteile. Wer heute auf Erneuerbare Energien setzt, investiert in eine sauberere und sicherere Zukunft.
Ulrik Fugmann ist Co-Head of the Environmental Strategies Group bei BNP Paribas Asset Management, einem globalen Vermögensverwalter mit mehr als 1,6 Billionen Euro (Stand: 31. März 2026) an verwalteten Vermögenswerten.
https://www.bnpparibas-am.com/de-de/
Der Beitrag ist zuerst im EXXECNEWS Schwerpunkt Erneuerbare Energien in EXXECNEWS Ausgabe 13-2026 erschienen.