Fünf Billionen Euro braucht Deutschlands Infrastruktur

Christian Heller

Überwiegend Privatkapital wird die deutsche Infrastruktur finanzieren müssen. Zu diesem Ergebnis kommt der Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung, ein unabhängiges Gremium aus 34 Expertinnen und Experten der Finanzwirtschaft, Realwirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft in seinem Bericht „Funding our tomorrow – Wie privates Kapital für Deutschlands Transformation den Unterschied macht“.

Deutschland kann auch in Zukunft als Industrienation erfolgreich sein – muss dafür aber große Teile seiner heutigen Wertschöpfung transformieren. Der Umbau des Standorts Deutschland in eine nachhaltige, wettbewerbsfähige und innovationsgetriebene Wirtschaft erfordert – so konstatiert es die allgemeine Studienlage deutlich – massive Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung und Dekarbonisierung. Mindestens fünf Billionen Euro fallen allein in Deutschland dazu bis Mitte des Jahrhunderts an, wovon etwa zwei Drittel durch den Privatsektor zu tragen sind.

Christian Heller, Co-Vorsitzender des Sustainable Finance-Beirats, erklärt: „Wir befinden uns in der fundamentalsten Veränderung unserer Gesellschaft und Wirtschaft seit 250 Jahren. Innovation und Wettbewerbsfähigkeit sind der Schlüssel für Deutschland, um unseren Wohlstand, sozialen Frieden und Demokratie zu erhalten. Smarte und verlässliche Rahmenbedingungen sind die Voraussetzung, um die laufende Transformation erfolgreich zu gestalten.“

silke.stremlau

Zur Bewerkstelligung dieser historischen Aufgabe benennt das Multi-Stakeholder-Gremium Erfordernisse einer wirksamen und effizienten Regulatorik und empfiehlt konkrete Finanzierungsprodukte für private Investoren, die für die Modernisierung unserer Wirtschaft eingesetzt werden sollen. So kann das notwendige private Kapital mobilisiert werden, um die kollektiven Chancen der laufenden Transformationsprozesse zu nutzen.

Silke Stremlau, Vorsitzende des Sustainable Finance-Beirats, erklärt: „Auch eine neue Bundesregierung steht vor der Herausforderung, wie sie privates Kapital für die klimaresiliente Modernisierung unseres Wirtschaftsstandortes mobilisiert. Dafür machen wir konkrete und pragmatische Vorschläge: Von wirksamer Regulierung bis hin zu einem Transformationsfonds für Deutschland.“

 

Die vier großen Leitlinien des Sustainable Finance-Beirats:

  1. Vereinheitlichung, Konsistenz und Vereinfachung der Sustainable Finance-Regulierung auf europäischer und internationaler Ebene, um die Wirkung und Effizienz nachhaltiger Finanzierungen signifikant zu erhöhen.
  2. Konsequente Ausrichtung der Kredit- und Fördervergabe an standardisierten Nachhaltigkeitskriterien, um mit einer schnellen und effizienten Finanzierung der Transformation die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu erhöhen.
  3. Steuerlich begünstige Klimasparangebote für Kleinanleger und Einrichtung eines steuerlich geförderten nationalen Transformationsfonds zur Beteiligung von vermögenden Privatanlegern an der Transformationsfinanzierung.
  4. Intensivierung der länderübergreifenden Zusammenarbeit, um einen international tragfähigen Rahmen zur Finanzierung der Transformation in eine gerechte und nachhaltige Zukunft zu schaffen.

 

Anreize für Privatpersonen und institutionelle Anleger

Private Haushalte verfügten im Jahr 2023 über ein Geldvermögen von ca. 7,7 Billionen Euro. Den mit über 40 Prozent größten Posten bilden dabei Bargeld und niedrigverzinste Termin- und Sichteinlagen.

Dies ist ein Vielfaches dessen, was als Investitionsbedarf postuliert wird, um die Klimaneutralität in Deutschland bis 2045 zu erreichen. Eine KfW-Studie aus dem Jahr 2021 geht von einem Investitionsbedarf von fünf Billionen Euro bis Mitte des Jahrhunderts aus. Diese Investitionen werden zu zehn Prozent von staatlicher Seite und zu 90 Prozent von privater Seite finanziert werden müssen. So die Ansicht der KfW.

Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, den Kapitalmarkt und auch das Vermögen privater Anleger zur Finanzierung der erforderlichen Investitionen zu mobilisieren und Anreize zu schaffen, in die Transformation zu investieren.

Der Sustainable Finance Beirat schlägt daher einen für alle Bürger zugänglichen Klimasparplan für Kleinsparer sowie einen Transformationsfonds für vermögendere Privatanlegende vor. Diese Maßnahmen können insbesondere die unterschiedliche Risikotragfähigkeit der privaten Anleger berücksichtigen.

 

Klimasparplan

Die Idee ist, allen Bürgern die Möglichkeit zu geben, einen steuerbegünstigten Klimasparplan zu zeichnen. Die Steuerbegünstigung soll sich daraus ergeben, dass die Erträge auf die ersten 25.000 Euro der Einzahlungen von der Kapitalertragssteuer befreit werden. Die Laufzeit des Klimasparplans soll mindestens zehn Jahre betragen. Für Bürger, die älter als 60 Jahre sind, soll die Mindestlaufzeit auf fünf Jahre reduziert werden. Zudem sollen Eltern die Möglichkeit bekommen, Sparpläne für ihre minderjährigen Kinder abzuschließen. Eine vorzeitige Kündigung ist nur unter engen Voraussetzungen möglich.

Bei der Kapitalanlage der allokierten Mittel soll sich das Anforderungsniveau an der bestehenden EU-Regulierung, wie beispielsweise dem EU Green Bonds Standard oder anderen anerkannten Marktstandards, orientieren. Die Anlagen sollen unter anderem Green Bonds für die Finanzierung langfristiger Investitionen von Unternehmen in Nachhaltigkeit umfassen, aber auch Investitionen in Aktien von besonders nachhaltigen Unternehmen.

 

Nationaler Transformationsfonds

Mit Blick auf vermögendere Privatanlegende schlägt der Sustainable Finance Beirat einen neuen nationalen Transformationsfonds vor. Leitbild für dessen Struktur sollen offene Immobilien- oder Infrastrukturfonds sein. Die allokierten Mittel sollen insbesondere einen Beitrag zur Finanzierung nachhaltiger Infrastruktur leisten, beispielsweise von Leitungsnetzen, Ladestationen oder Speichersystemen. Auch die Finanzierung nachhaltiger Start-ups soll möglich sein. Bis zu einer Anlagesumme von 100.000 Euro sollen die Erträge kapitalertragssteuerbefreit sein.

 

Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 25 erschienen.

Der Sustainable Finance-Beirat (SFB) berät die Bundesregierung zu Nachhaltigkeitsaspekten im Finanzsystem. Bestehend aus 34 Experten aus Finanzwirtschaft, Realwirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft und unterstützt von 19 Beobachtenden agiert er dabei unabhängig. Er unterstützt die Bundesregierung bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der deutschen Sustainable Finance Strategie und berät relevante Akteure hinsichtlich ihrer Positionierung zu sowie der Umsetzung und Weiterentwicklung von Vorgaben im Bereich Sustainable Finance.

https://sustainable-finance-beirat.de

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