Omikron-Variante dürfte globales Wirtschaftswachstum im ersten Quartal verlangsamen

Marktkommentar von Guy Wagner (BLI - Banque de Luxembourg Investments) und seinem Team. Ihrer Einschätzung nach dürfte die Omikron-Variante das globale Wirtschaftswachstum im ersten Quartal verlangsamen, aber nicht ins Wanken bringen:

Guy Wagner
Guy Wagner

Trotz der neu aufgetretenen Omikron-Virusvariante blieb das weltweite Wirtschaftswachstum am Jahresende robust. Die USA waren nach wie vor der größte Konjunkturmotor, hier sorgten der weiterhin wachsende Binnenkonsum und äußerst solide Unternehmensinvestitionen für Auftrieb. In der Eurozone verlangsamte sich die Wachstumsdynamik leicht; der Einkaufsmanagerindex im Dienstleistungssektor zeigte im Dezember einen leichten Rückgang. In China drückten die Verlangsamung am Immobilienmarkt sowie die Null-Covid-Politik der Regierung auf das Wachstum, das im Wesentlichen vom kräftigen Export und den stabilen Unternehmensinvestitionen gestützt wurde. In Japan erhielt die Exportwirtschaft Auftrieb durch die beginnende Normalisierung der Automobilproduktion und die kräftige Nachfrage nach Ausrüstungsgütern. Da wahrscheinlich mit einem Anstieg der Infektionszahlen und einer Verschärfung der Corona-Einschränkungen wegen der grassierenden Omikron-Variante zu rechnen ist, dürfte das globale Wirtschaftswachstum im ersten Quartal dieses Jahres verlangsamt, aber nicht ins Wanken gebracht werden.

Energie, Technologie und Finanzwesen verzeichnen die kräftigsten Kurssteigerungen 2021

Im Dezember nahmen die weltweiten Aktienmärkte ihren während des gesamten Jahres verfestigten Aufwärtstrend wieder auf, nachdem Omikron im Monat zuvor kurzfristig für Schrecken gesorgt hatte. Der Weltaktienindex MSCI All Country World Index Net Total Return ging um 2,9 Prozent (in Euro) nach oben. Auf Jahressicht 2021 legte das weltweite Börsenbarometer deutlich zu und erzielte ein Plus von 27,5 Prozent. Die USA waren wieder einmal die Region mit der stärksten Performance, gefolgt von Europa und Japan. Die regulatorischen Daumenschrauben der chinesischen Behörden drückten deutlich auf die Aktienkurse in Schanghai und Hongkong, sodass der MSCI Emerging Markets Index sogar leicht nachgab. Aufgeschlüsselt nach Sektoren verzeichneten Energie, Technologie und Finanzwesen die kräftigsten Kurssteigerungen 2021.

EZB wird ihr Pandemie-Notfallankaufprogramm PEPP Ende März auslaufen lassen

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank änderte bei seiner Dezember-Sitzung seine Strategie im Zusammenhang einer steigenden Inflation. Von einer vorübergehenden Inflation wird nicht mehr gesprochen, das monatliche Abbautempo bei den Wertpapierankäufen soll verdoppelt werden, und der von den Währungshütern ausgegebene zinspolitische Ausblick deutet einen allmählichen Anstieg der Zinsen ab dem Frühjahr an, mit drei Zinserhöhungen im Jahr 2022 und drei weiteren Zinsschritten 2023. Auf der anderen Seite des Atlantiks kündigte die Europäische Zentralbank an, ihr Pandemie-Notfallankaufprogramm PEPP Ende März auslaufen zu lassen. Dann wird sie jedoch ihr bereits vor der Coronapandemie bestehendes klassisches Wertpapierkaufprogramm aufstocken, um eine zu abrupte Verschärfung der geldpolitischen Bedingungen zu verhindern. Im Gegensatz zu ihrem US-amerikanischen Pendant hält die EZB eine Zinsanhebung 2022 für sehr unwahrscheinlich.

Anstieg der Endfälligkeitsrenditen von Staatsanleihen zum Jahresende

Da die neue Omikron-Variante im Vergleich zu Delta weniger virulent ist, setzte sich der im November beobachtete allgemeine Rückgang der Endfälligkeitsrenditen von Staatsanleihen nicht weiter fort. So erhöhte sich die Endfälligkeitsrendite zehnjähriger US Treasury Bonds im Dezember. In der Eurozone stiegen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.

Guy Wagner ist Chefanlagestratege und Managing Director von BLI - Banque de Luxembourg Investments (Luxemburg). Der Beitrag ist zuerst erschienen in der aktuellen Ausgabe der monatlichen „Highlights“ der Vermögensverwaltungsgesellschaft. BLI managt eine Palette von mehr als 30 Investmentfonds mit einem verwalteten Vermögen von 15,74 Milliarden Euro (Stand: 30. November 2021).

www.bli.lu

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