
In Zeiten zunehmender makroökonomischer Unsicherheit suchen Anleger nach robusten, diversifizierten Investments. Eine neue Generation breit gestreuter privater Kreditfonds mit qualitativ hochwertigen Darlehen dürfte daher weiter Marktanteile gewinnen: Parallel-Lending.
Mittels paralleler Kreditvergabe gewähren Asset Manager gemeinsam mit Banken Darlehen, um speziell kleinen und mittelständischen Unternehmen Finanzierungslösungen ergänzend zur klassischen Kreditvergabe anzubieten. Dies macht Investoren einen breiten Pool von Vermögenswerten mit limitiertem Leverage und hohem Diversifizierungsgrad zugänglich.
In seiner Funktion als Co-Kreditgeber erhält der Asset Manager Zugang zu einer Vielzahl von Transaktionen und kann in relativ kurzer Zeit ein breit gestreutes, granulares Portfolio mit üblicherweise erstrangig besicherten Krediten aufbauen.
Ziel ist es, das Kapital von Investoren zu schützen und gleichzeitig die Rendite zu maximieren. Im Gegenzug können Banken ihre Kreditvergabekapazität ausweiten, während sie gleichzeitig Risiken und Kapitalbindung teilen und weiterhin die Kundenbeziehung pflegen.
Interessantes Risiko-Rendite-Profil
Dafür nutzt der Parallel-Lending-Ansatz zwei Anlagephänomene. Erstens werden durch die breite Diversifikation unvorhersehbare extreme Risiken – sogenannte schwarze Schwäne – reduziert. Zweitens ist die kombinierte Ausfallwahrscheinlichkeit niedriger als die Ausfallwahrscheinlichkeit für Einzeltitel.
Zudem gilt: je geringer der Verschuldungsgrad, desto niedriger tendenziell die Ausfallrate. Angesichts des moderaten Einzeltitelrisikos und breiter Streuung in einem gut diversifizierten Parallelkreditportfolio ergibt sich das Potenzial für ein Investment-Grade-Rating auf Portfolioebene.
Ein tragfähiges Portfolio sollte mindestens rund 100 Unternehmenskredite umfassen und über verschiedene Sektoren und Länder gestreut sein – bei einem Gewicht der einzelnen Positionen von etwa einem Prozent.
In unserem Investitionsprozess verfolgen wir einen Drei-Säulen-Ansatz. Dieser umfasst eine qualitative Analyse durch Kreditanalysten, fortgeschrittene interne Ratingmodelle gemäß Basel III sowie ergänzende KI-Systeme zur Unterstützung bei kritischen Entscheidungen.
Parallel-Lending gewinnt weiter an Bedeutung
Wir rechnen damit, dass parallele Kreditvergabestrategien in Europa weiter an Bedeutung gewinnen werden. Bei Nutzung eines Fremdkapitalhebels kann das Renditepotenzial besonders überzeugend wirken, vor allem im Vergleich zu anderen, ähnlich bewerteten festverzinslichen Portfolios.
Die Volatilität in einem Umfeld steigender Zinsen ist vergleichsweise gering, da Portfoliobewertungen auf dem aktuellen Zahlungsstatus der Kredite basieren und nicht auf der täglichen Bewertung zu Marktpreisen. Zudem sind Parallelkredite typischerweise variabel verzinst, weshalb das Zinsänderungsrisiko gering ausfällt.
Unterm Strich haben die auf die globale Finanzkrise (2007 bis 2009) folgenden strengeren Eigenkapitalanforderungen an Banken die Finanzierung von Unternehmen stärker in Richtung Nichtbankensektor verlagert.
Durch die Bündelung der Kreditvergabefähigkeiten und der etablierten Kundenbeziehungen von Banken mit institutionellem Kapital bietet Parallel Lending eine ergänzende Lösung, die die Finanzierungskapazitäten für kleine und mittelgroße europäische Unternehmen erweitert.
Gianpaolo Pellegrini ist Co-Head of Parallel-Lending Europe bei Muzinich & Co., einem spezialisierten globalen Credit Asset Manager, der sich auf die Erzielung risikoadjustierter Renditen durch Unternehmens- und Privatkredite konzentriert und mit Assets under Management in Höhe von rund 45,3 Milliarden US-Dollar im Bereich Private Credit zu den etablierten internationalen Anbietern zählt.
Der Beitrag ist zuerst im Jahrbuch der Deutschen Anlageberatung 2026 erschienen.