
Private Debt gehört heute zu den etablierten Finanzierungssäulen des europäischen Mid-Markets. Insbesondere Direct Lending hat sich zu einem wichtigen Baustein der Unternehmensfinanzierung entwickelt.
Nach Daten von Pitchbook überschritt das weltweit verwaltete Private Debt-Volumen zuletzt die Marke von zwei Billionen US-Dollar. Rund 742 Milliarden US-Dollar entfielen dabei auf Direct Lending und damit auf gut ein Drittel des weltweit verwalteten Private Debt-Volumens.
Treiber dieser Entwicklung sind die selektivere Kreditvergabe der Banken, der Renditebedarf institutioneller Investoren und der Wunsch vieler Unternehmen nach flexiblen, transaktionssicheren Finanzierungslösungen. Der europäische Markt weist dabei weiterhin einige Besonderheiten auf, etwa eine stärkere institutionelle Prägung und eine engere Verzahnung mit klassischen Bankfinanzierungen.
Sinnvolle Ergänzung der Unternehmensfinanzierung
Trotz seines dynamischen Wachstums bleibt der Private Debt-Markt im Vergleich zum klassischen Bank- und Fixed-Income-Markt vergleichsweise klein. Banken bleiben zentrale Finanzierungspartner. Alternative Kreditgeber übernehmen vor allem dort eine stärkere Rolle, wo Banken bei komplexeren, sponsorgetriebenen Transaktionen heute selektiver agieren. Damit stellt sich zugleich die Frage, welche Unternehmen Private Debt-Investoren heute eigentlich finanzieren.
Komplexer finanziert, nicht schwächer aufgestellt
Der Private Debt Monitor von Creditreform Rating zeigt, dass Private Debt-finanzierte Unternehmen höhere Verschuldungsgrade und niedrigere Zinsdeckungsquoten aufweisen als der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt – gleichzeitig aber höhere operative Margen, stabilere Cashflows und gezielt aufgebaute Liquiditätspuffer. Dies ist für sich genommen kein Ausdruck schwächerer Geschäftsmodelle, sondern eines bewusst strukturierten Kreditmodells, bei dem höherer Leverage gezielt mit höheren operativen Margen und Liquiditätspuffern kombiniert wird. Entscheidend ist daher weniger die absolute Verschuldung als die Fähigkeit, auch unter schwierigeren Marktbedingungen stabile freie Cashflows zu erwirtschaften.
Anders als öffentliche Kreditmärkte verfügt Private Debt typischerweise über keinen liquiden Sekundärmarkt. Risiken werden deshalb häufig zeitverzögert sichtbar und zeigen sich nicht nur in Ausfällen, sondern bereits in operativen Frühindikatoren, Covenant-Anpassungen oder Laufzeitverlängerungen. Umso wichtiger werden laufendes Monitoring und eine aktive Begleitung der Finanzierungen.
Selektion entscheidet
Für Investoren bedeutet das: Entscheidend ist nicht allein die Ausfallrate, sondern die Fähigkeit, zwischen Managern, Kreditstrukturen und Risikoprofilen sorgfältig zu unterscheiden. Mit der Reifung der Assetklasse gewinnen deshalb Strukturqualität, Managerkompetenz und laufendes Kreditmonitoring weiter an Bedeutung. Genau diese Differenzierung ist Ausdruck eines reiferen Marktes – und kein Warnsignal.

Dr. Benjamin Mohr ist Mitglied der Geschäftsleitung der Creditreform Rating AG. Sie ist eine unabhängige europäische Ratingagentur, die Kreditrisiken bewertet und Bonitätsratings für Unternehmen, Finanzinstitute und Kapitalmarktprodukte erstellt.
Der Beitrag ist zuerst im Jahrbuch der Deutschen Anlageberatung 2026 erschienen.