
Erneuerbare Energien haben sich seit der Jahrtausendwende fest im Investmentkanon sowohl privater als auch institutioneller Investoren etabliert. Doch nach einem Vierteljahrhundert steht zumindest ein Teil dieser Assetklasse vor einem Generationswechsel.
Viele Windenergieanlagen der ersten EEG-Generation, die zwischen 2000 und 2005 errichtet wurden, erreichen nach und nach auch das Ende ihrer technischen Lebensdauer und sind bereits alle aus der EEG-Förderung gefallen. Und vor allem sind sie inzwischen leistungstechnisch veraltet und nutzen nicht das volle Potenzial an ihren Standorten, das mit modernen Anlagen erzielbar wäre.
Die erste EEG-Generation macht dabei erst den Anfang. Mit der großen Ausbauwelle der Jahre 2014 bis 2017 rückt bereits die nächste Repowering-Generation in den Blick. Legt man einen wirtschaftlichen Betriebszeitraum von rund 20 Jahren zugrunde, dürften Anlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 54 Gigawatt zwischen 2034 und 2037 die Altersgrenze überschreiten. Das entspricht rund 70 Prozent der heute in Deutschland installierten Windenergieleistung.
Erheblicher Modernisierungs- und Repoweringbedarf
Beim Repowering werden Altanlagen an bestehenden Standorten durch moderne, größere und deutlich leistungsfähigere Anlagen ersetzt. Die Leistungssteigerungen liegen beim Faktor drei oder teilweise darüber. Gleichzeitig wird nicht bei null begonnen. Repowering nutzt etablierte Windstandorte und vorhandene Infrastruktur. Besonders wichtig sind die Netzanschlüsse, die in vielen Regionen zu den knappsten Ressourcen der Energiewende gehören.
Neue Anlagen können diese Anschlüsse aus mehreren Gründen effizienter nutzen. Erstens produzieren sie aufgrund verbesserter Technik zuverlässiger, haben höhere Volllaststunden und ermöglichen deshalb eine besser prognostizierbare Einspeisung. Zweitens ist inzwischen eine Überbauung von Netzanschlüssen möglich. Dabei wird mehr Erzeugungsleistung installiert, als der Netzanschluss nominell aufnehmen kann. Das kann sinnvoll sein, weil Wind- oder Solarparks selten ihre Maximalleistung einspeisen. Die höhere Verlässlichkeit und stabileren Erzeugungsprofile sind auch von Vorteil beim Abschluss von langfristigen Stromlieferverträgen (PPAs) mit Großabnehmern wie Industrie oder Versorgern, die die höhere Verlässlichkeit schätzen.
Vorteile des Repowerings
Gegenüber völlig neuen Projekten „auf der grünen Wiese“ hat Repowering klare Vorteile: Die Standorte sind erprobt, die Windverhältnisse bekannt, die Netzanbindung sowie Zufahrtswege bestehen bereits, Genehmigungsverfahren sind oft weniger aufwendig als bei völlig neuen Projekten und lokalpolitischer Widerstand kann geringer ausfallen, wenn die Fläche bereits vorher für Windenergie genutzt wurde. Gleichwohl ist die Ausführung kein Selbstläufer, Bau und Baulogistik bleiben herausfordernd.
Der Schwerpunkt von Repowering liegt derzeit bei Onshore-Wind. Aber auch bei Photovoltaik wird es wichtiger. Ältere Module, Wechselrichter und Parkkonzepte lassen sich zunehmend durch leistungsfähigere Technik ersetzen. Auch hier geht es darum, bestehende Standorte und Netzanschlüsse besser zu nutzen.
Eine oft unterschätzte Herausforderung: Die Altanlagen selbst müssen professionell behandelt werden. Ein Teil wird in Drittländer exportiert und dort weiterbetrieben. Gleichzeitig ist Recycling inzwischen üblich. Stahl, Beton, Kupfer und andere Komponenten lassen sich in großen Teilen wiederverwerten. Bei Rotorblättern war die Wiederverwertung lange schwieriger, doch auch hier entstehen zunehmend industrielle Lösungen.
Repowering wird eines der zentralen Themen der kommenden Jahre.
In einzelnen Märkten könnte es für den Zubau bald wichtiger werden als neue Greenfield-Projekte. Für Investoren bietet der Ansatz die Chance, bestehende Standorte produktiver zu machen und Entwicklungsrisiken zu reduzieren. Entscheidend bleibt aber die Umsetzung.
Bernd Müller ist Head of Infrastructure Asset Management bei der Commerz Real Investmentgesellschaft mbH, Düsseldorf. Sie ist die Kapitalverwaltungsgesellschaft der Commerz Real Gruppe und entwickelt und verwaltet insbesondere offene Immobilienfonds für private und institutionelle Anleger.
Der Beitrag ist zuerst im Jahrbuch der Deutschen Anlageberatung 2026 erschienen.