Stromkosten beeinflussen Logistikstandorte

Sebastian König

Strom ist zu einem wichtigen Standortfaktor geworden. Die fortschreitende Automatisierung lässt den Energiebedarf in der Logistik auf ein neues Niveau steigen und stellt die bestehende Infrastruktur vieler Standorte vor Herausforderungen.

Während weltweit über Energieeffizienz diskutiert wird, zeigt sich in einigen deutschen Metropolen, dass Netzkapazitäten und Stromverfügbarkeit nicht im gleichen Tempo mit der Flächenentwicklung einhergehen.

In Berlin etwa wird deutlich, dass geplante Nutzungen aufgrund fehlender Anschlussleistung nicht realisiert werden und bei bestimmten Brownfield-Projekten die Umsetzung ungewiss ist. Netzbetreiber melden für 2025 „null Megawatt“ freie Kapazität in einzelnen Bezirken, selbst Betriebe mit moderatem Verbrauch finden keinen Anschluss.

 

High-Tech braucht Hochspannung

Moderne Verfahren wie 3D-Druck, CNC-Bearbeitung oder Batteriemontage benötigen für Maschinen, Kühlung, Prüftechnik und Robotik rund um die Uhr leistungsstarke Stromversorgung. Ein teilautomatisiertes Warehouse mit 20.000 Quadratmetern Fläche verbraucht laut Fraunhofer ISE etwa 0,3 MW Grundlast beziehungsweise zwei bis drei GWh pro Jahr. Ohne gesicherte Anschlussleistung sind solche Nutzungen kaum wirtschaftlich.

Photovoltaik auf Hallendächern kann nur einen Bruchteil des Bedarfs decken. Selbst große Anlagen liefern selten mehr als vier Megawatt, zu wenig für Logistikprozesse mit zweistelligem Verbrauch. Batteriespeicher helfen kurzfristig, ersetzen aber keine stabile Grundversorgung.

 

Energie entscheidet über Investition

Der Mangel an Netzkapazität bremst Investitionen. 2024 erhielt der Verteilnetzbetreiber Stromnetz Berlin Anfragen über mehr als 1.000 MW, mehr als die Hälfte der heutigen Netzlast der Stadt. Um die knappen Ressourcen fair zu verteilen, wurde das bisherige „Windhundprinzip“ durch ein Repartierungsverfahren ersetzt: Die verfügbare Leistung wird gleichmäßig auf alle fristgerechten Anträge verteilt. Das sorgt für Gerechtigkeit, löst aber nicht das Grundproblem.

Andere Städte gehen unterschiedliche Wege: Frankfurt bündelt Großverbraucher in Campusstrukturen mit neuen 110-Kilovolt-Schaltanlagen, Hamburg setzt auf kontinuierlichen Netzausbau. Doch auch dort gilt: Der Ausbau der Energieinfrastruktur hält mit der Dynamik der Flächennachfrage kaum Schritt.

 

Netzkapazität als neues Lagekriterium

Grundstücke mit gesicherter Stromversorgung entwickeln sich zu Premiumstandorten. Ihre Netzlage beeinflusst Transaktionsvolumen, Entwicklungschancen und Mieten, Flächen ohne Anschluss verlieren hingegen an Wert. Entwickler prüfen daher heute zuerst die verfügbare Anschlussleistung, nicht mehr nur Mikrolage oder Erreichbarkeit.

 

Ausblick 2026

Der Blick nach vorn zeigt: Entscheidend wird sein, wie schnell Netzbetreiber, Projektentwickler und Kommunen gemeinsam auf die wachsende Nachfrage reagieren. Investitionen in Umspannwerke, Lastmanagement und Zwischenspeicherlösungen gewinnen strategische Bedeutung. Wer Energieverfügbarkeit frühzeitig in seine Standortanalyse integriert, sichert sich langfristig Wettbewerbsvorteile und legt die Basis für nachhaltige Logistikentwicklung.

Strom ist damit nicht nur Kostenfaktor, sondern Grundlage jeder Standortentscheidung.

Sebastian König ist Leiter Industrie und Logistik bei Engel & Völkers Commercial Berlin. Engel & Völkers Commercial ist international an rund 100 Standorten für Sie im Bereich der Gewerbeimmobilien tätig.

https://www.engelvoelkers.com/de-de/commercial/

 

Der Beitrag ist zuerst im Schwerpunkt-Beileger zu EXXECNEWS Ausgabe 24-2025 erschienen.

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