Banken machen Fortschritte bei der Einbindung von Natur- und Biodiversitätsaspekten in ihre Geschäftsmodelle, bleiben bei messbaren Zielen und der Steuerung ihrer Kredit- und Anlageportfolios jedoch deutlich hinter den eigenen Ambitionen zurück. Zu diesem Ergebnis kommt ein Positionspapier des Sustainable Finance Cluster e.V.
Banken berücksichtigen Natur- und Biodiversitätsrisiken zunehmend in ihrer Strategie und ihrem Risikomanagement. Bei der Entwicklung konkreter, messbarer Ziele zur Steuerung ihrer Portfolios steht der Sektor jedoch noch am Anfang. Demnach fehlt es bislang an einheitlichen Kennzahlen, belastbaren Daten und klaren politischen Rahmenbedingungen, um den Schutz der Natur systematisch in Finanzentscheidungen zu verankern.
Die Autoren sehen die Branche in einer Übergangsphase. Zwar hätten viele Institute ihre Ambitionen klarer formuliert, Portfolioanalysen ausgebaut und Natur stärker in Governance- und Risikoprozesse eingebunden. Die gewonnenen Erkenntnisse flössen bislang jedoch nur selten systematisch in Kreditvergabe, Portfoliosteuerung oder strategische Entscheidungen ein. Insbesondere belastbare Kennzahlen (KPIs), quantitative Zielvorgaben und wirkungsorientierte Steuerungsinstrumente fehlten vielfach.
Nach Einschätzung der Autoren eignet sich das Leitbild einer „Nature Positive“-Wirtschaft zwar als gesellschaftliche Orientierung, nicht jedoch als realistisches Ziel für einzelne Banken. Stattdessen sollten Institute ihre Strategien am Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (GBF) ausrichten und daraus portfolio- und standortbezogene Ziele ableiten. Gleichzeitig müsse die Wirkung naturbezogener Finanzierungen stärker gemessen werden, anstatt vor allem Prozesse und Aktivitäten zu dokumentieren.
Als größte Hindernisse nennt das Papier fehlende standardisierte Messgrößen, unzureichende Daten sowie den Mangel an nationalen Leitplanken und sektorbezogenen Zielpfaden. Die Autoren fordern deshalb neben Investitionen der Banken in Dateninfrastruktur und Governance auch politische Unterstützung. Regierungen sollten vergleichbare Natur-Kennzahlensysteme schaffen und nationale Transformationspfade entwickeln, um Fortschritte im Naturschutz künftig ähnlich messbar zu machen wie Klimaziele. (DFPA/abg)
Das vollständige Positionspapier finden Sie hier.
Das Sustainable Finance Cluster e.V. ist 2018 aus einem Zusammenschluss der Accelerating Sustainable Finance Initiative der Deutschen Börse und des Green Finance Clusters Frankfurt des Hessischen Wirtschaftsministeriums entstanden. Damit erfolgte eine Bündelung der Aktivitäten im Feld Sustainable Finance, um eine effizientere Nutzung der Finanzmarktexpertise im Bereich Nachhaltigkeit zu erreichen. Ziel ist vor allem die Formulierung und Umsetzung konkreter Handlungsansätze für die Zukunftsfähigkeit nationaler und internationaler Finanzmärkte.
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