Geopolitische Konflikte, hohe Zinsen und steigende Schulden erschweren die Finanzierung der Energiewende. Die Klima-Denkfabrik E3G fordert deshalb, öffentliche und private Finanzmittel stärker auf nationale Transformationsstrategien auszurichten und mit Garantien sowie neuen Finanzierungsregeln mehr privates Kapital zu mobilisieren.
Die weltweite Energiewende muss nach Einschätzung der britischen Klima-Denkfabrik E3G trotz zunehmender geopolitischer Spannungen beschleunigt werden. In einem aktuellen Blog-Beitrag argumentieren Jurei Yada und Seleha Sara Lockwood, dass Klimafinanzierung in einer zunehmend fragmentierten Welt nicht nur mehr Kapital bereitstellen, sondern wirtschaftliche Transformation in den einzelnen Ländern ermöglichen müsse.
Geopolitische Konflikte hätten die Risiken einer Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern offengelegt. Erneuerbare Energien, widerstandsfähige Infrastruktur und leistungsfähigere nationale Finanzsysteme könnten dagegen die Abhängigkeit von schwankenden Energiepreisen und externen Schocks verringern. Zugleich erschwerten hohe Zinsen, hohe Schuldenstände, angespannte Staatshaushalte und rückläufige Entwicklungshilfe die Finanzierung insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern.
E3G plädiert deshalb für stärker von den jeweiligen Ländern gesteuerte Investitionsplattformen. Diese sollten Klimaschutz und Entwicklungsziele mit Industrie-, Energie-, Infrastruktur- und Fiskalpolitik sowie konkreten investierbaren Projekten verbinden. Finanzministerien und nationale Entwicklungsbanken könnten dabei eine zentrale Rolle übernehmen.
Öffentliche Finanzierungen sollten nach Ansicht der Autoren zudem nicht lediglich Projekte finanzieren, sondern Märkte für privates Kapital schaffen. Garantien könnten Währungsrisiken, regulatorische Unsicherheiten und andere Investitionshemmnisse verringern. Als Beispiel nennen Yada und Lockwood den von Entwicklungsfinanzierern und internationalen Institutionen aufgebauten Public Development Bank Guarantee Hub.
Zugleich müsse das Finanzsystem Klimarisiken und die risikomindernde Wirkung von Investitionen in Dekarbonisierung und Resilienz besser berücksichtigen. Der Erfolg von Klimafinanzierung sollte daher nicht allein an zugesagten Geldsummen gemessen werden. Entscheidend sei vielmehr, ob Länder schneller belastbare Investitionsprojekte entwickeln, Finanzierungskosten senken, privates Kapital mobilisieren und ihre Widerstandsfähigkeit stärken können.
Die nächste Phase der Klimafinanzierung müsse deshalb über die Finanzierung einzelner Klimaprojekte hinausgehen und stärker auf die Finanzierung des wirtschaftlichen Strukturwandels ausgerichtet werden, so die Autoren. (DFPA/abg)
E3G ist ein unabhängiger Thinktank, der sich für ein sicheres Klima für alle einsetzt.
Die Initiative fördert seit 20 Jahren systemisches Handeln im Klimabereich, indem sie Hindernisse identifizieren und Koalitionen bildet, um die notwendigen Lösungen voranzubringen.
Die Experten unterstützen Regierungen, Unternehmen und die Öffentlichkeit dabei, den Wandel in dem Tempo zu gestalten, das der Planet aus ihrer Sicht verlangt.