Europas Kapitalmärkte sind nach Einschätzung des größten europäischen Netzwerks für Akteure des wirkungsorientierten Investierens, Impact Europe, strukturell nicht darauf ausgelegt, langfristige Investitionen mit messbarem gesellschaftlichem und ökologischem Nutzen zu fördern. In einem Positionspapier fordert der Branchenverband tiefgreifende Reformen, um mehr privates Kapital für Innovation, Klimaschutz und soziale Projekte zu mobilisieren.
Als zentrale Hebel sehen die Experten eine stärkere Einbindung institutioneller Investoren, flexiblere Fondsstrukturen und weniger regulatorische Hürden.
Europa verfüge zwar über ausreichend Kapital, scheitere nach Ansicht von Impact Europe jedoch daran, dieses effizient in zukunftsorientierte Unternehmen und Projekte zu lenken. In dem Positionspapier „Shaping Capital Markets for Impact in Europe“ warnt der Verband, dass fragmentierte Kapitalmärkte, regulatorische Unterschiede und kurzfristig ausgerichtete Renditeerwartungen die Finanzierung von Impact-Unternehmen erheblich erschweren.
Nach Angaben der Autoren steht Europa bis 2030 vor einer jährlichen Investitionslücke von 750 bis 800 Milliarden Euro, um Wettbewerbsfähigkeit, Dekarbonisierung und Sicherheit zu finanzieren. Gleichzeitig fließe nur ein Bruchteil institutionellen Kapitals in Venture- und Impact-Investments. Besonders Pensionsfonds seien eine bislang kaum genutzte Quelle langfristigen Kapitals. Obwohl sie in Europa Vermögen von mehr als drei Billionen Euro verwalten, investierten sie lediglich rund 0,1 bis 0,2 Prozent in Venture Capital.
Als weitere Bremsen nennt der Bericht die Dominanz klassischer Venture-Capital-Modelle mit kurzen Fondslaufzeiten, hohe Kosten für Impact-Messung und Berichterstattung sowie eine unzureichende grenzüberschreitende Kapitalmobilisierung. Impact-Fonds seien häufig kleiner, verfügten über weniger institutionelle Anleger und müssten höhere operative Aufwendungen tragen als konventionelle Fonds.
Impact Europe fordert deshalb unter anderem vereinfachte EU-Regeln für Fonds, offenere und langfristigere Fondsstrukturen, eine stärkere Nutzung von Blended Finance sowie Anreize für Pensionsfonds und Stiftungen, mehr Kapital in wirkungsorientierte Investments zu lenken. Zudem sollten öffentliche Beschaffung und Innovationsprogramme stärker genutzt werden, um Nachfrage nach innovativen Lösungen zu schaffen und privates Kapital anzuziehen. Ziel sei ein europäischer Kapitalmarkt, der langfristige Wertschöpfung, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Wirkung gleichermaßen fördere. (DFPA/abg)
Das vollständige Positionspapier finden Sie hier.
Impact Europe ist das zentrale europäische Netzwerk für Akteure des wirkungsorientierten Investierens. Es vereint über 350 Kapitalgeber – darunter Stiftungen, Impact-Fonds, Banken, öffentliche Geldgeber und Unternehmen – entlang des gesamten „Continuum of Capital“. Ziel ist es, Kapital, Wissen und Menschen zu mobilisieren, um gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen gezielt anzugehen. Die Organisation fördert seit der Gründung 2014 Impact-Investments durch Aufbau neuer Märkte, insbesondere in Osteuropa, Nordafrika und dem Westbalkan.