Beim Branchentreff „Business of Impact 2026“ in Lissabon standen neue Finanzierungsmodelle für soziale und ökologische Projekte im Mittelpunkt. Für Impact-Investoren gewinnen demnach Blended Finance, Anleihen und Partnerschaften zwischen öffentlichen und privaten Kapitalgebern an Bedeutung.
Das europäische Impact-Investing-Netzwerk Impact Europe sieht wachsende Möglichkeiten für Investoren, mit unterschiedlichen Anlageinstrumenten Kapital für soziale und ökologische Projekte zu mobilisieren. Beim „Business of Impact 2026“ in Lissabon diskutierten Vertreter aus Finanzwirtschaft, Unternehmen, Stiftungen und Politik über Finanzierungsmodelle für Energiewende, soziale Infrastruktur und Qualifizierung.
Ein Beispiel ist ein von Water.org angekündigter „Blue Bond“ über 200 Millionen US-Dollar, der im Dezember aufgelegt werden soll. Die Weltbank-Tochter IFC soll einen Teil des Risikos übernehmen. Das Instrument steht für einen Ansatz, bei dem öffentliche oder philanthropische Mittel Risiken für private Anleger teilweise abfedern können. Water.org hat nach eigenen Angaben bereits mit rund zehn Millionen US-Dollar an Zuschüssen mehr als 155 Millionen Dollar an Krediten für Wasser- und Sanitärprojekte mobilisiert.
Damit rückt Blended Finance stärker in den Fokus von Impact-Investoren. Dabei werden Zuschüsse, Garantien und privates beziehungsweise institutionelles Kapital kombiniert, um Investitionen in Märkte oder Projekte mit höherem Risiko oder längeren Anlaufphasen zu ermöglichen.
Auch die Finanzierung beruflicher Qualifizierung wurde als Investitionsfeld diskutiert. Der italienische Digital Republic Fund hat nach Angaben der Veranstalter rund 170 Millionen Euro für digitale Weiterbildung von etwa 120.000 Menschen eingesetzt. Zudem wollen die Fundação Ageas und die La Caixa Foundation eine gemeinsame Impact-Investing-Partnerschaft starten.
Impact Europe kündigte außerdem einen Beratungszirkel an, der Themen identifizieren soll, für die Mitglieder gemeinsam Kapital bereitstellen. Nach Einschätzung von Impact-Europe-Chefin Angela Wiebeck geht es dabei zunehmend darum, Kapital, Daten und Partnerschaften gemeinsam zu betrachten.
Für Anleger bedeutet die Entwicklung vor allem eine zunehmende Differenzierung des Impact-Investing-Marktes. Neben klassischen Fondsinvestments kommen Anleihen, Garantien, Mischfinanzierungen und direkte Beteiligungen als Instrumente infrage. Entscheidend bleiben dabei die konkrete Wirkungsdefinition, die Messung der Ergebnisse sowie die Verteilung von Risiko und Rendite zwischen den beteiligten Kapitalgebern. (DFPA/abg)
Impact Europe ist das zentrale europäische Netzwerk für Akteure des wirkungsorientierten Investierens. Es vereint über 350 Kapitalgeber – darunter Stiftungen, Impact-Fonds, Banken, öffentliche Geldgeber und Unternehmen – entlang des gesamten „Continuum of Capital“. Ziel ist es, Kapital, Wissen und Menschen zu mobilisieren, um gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen gezielt anzugehen. Die Organisation fördert seit der Gründung 2014 Impact-Investments durch Aufbau neuer Märkte, insbesondere in Osteuropa, Nordafrika und dem Westbalkan.