Für Sozialunternehmen in der Wachstumsphase ist nicht allein der Zugang zu Kapital entscheidend. Entscheidend ist, ob Finanzierungsstruktur, Erwartungen und Zeithorizont zum Geschäftsmodell passen. Darauf weist Brigit Helms, Executive Director des Miller Center for Global Impact, in einem Beitrag für das Fachmedium Pioneers Post hin.
Für viele wachstumsorientierte Sozialunternehmen ist die Finanzierung nicht mehr das größte Problem. Vielmehr kommt es darauf an, ob das Kapital zum Geschäftsmodell und zur langfristigen Strategie passt.
Als Beispiel nennt sie Jibu, ein Unternehmen, das über lokale Franchisebetriebe Zugang zu sicherem Trinkwasser in Afrika ermöglicht. Jibu hat nach eigenen Angaben inzwischen fast 200 Franchisebetriebe in acht afrikanischen Ländern und versorgt täglich mehr als 600.000 Menschen. Kürzlich erhielt das Unternehmen 1,2 Millionen US-Dollar an sogenannter katalytischer Fremdfinanzierung. Angeführt wurde die Finanzierung von Miller Center Capital, beteiligt war unter anderem Beneficial Returns.
Dem Abschluss war nach Darstellung von Helms die Entscheidung von Jibu-Chef Galen Welsch vorausgegangen, eine andere Finanzierung abzulehnen, weil deren Bedingungen nicht zur langfristigen Entwicklung des Unternehmens passten. Unpassende Kapitalstrukturen könnten Unternehmen unter Druck setzen, kurzfristige Liquidität über langfristige Profitabilität und Wachstum zu stellen. Im Extremfall drohe eine Abkehr vom ursprünglichen sozialen Unternehmenszweck.
Welsch kritisiert zudem, dass Investoren für Unternehmen in Schwellen- und Grenzmärkten häufig Bewertungsmaßstäbe aus entwickelten Märkten anlegten. Dabei würden Faktoren wie lokale Marktkenntnis und Widerstandsfähigkeit zu wenig berücksichtigt. Auch langwierige Prüfungen und kurzfristige Änderungen von Finanzierungsbedingungen könnten für Unternehmen erhebliche Kosten verursachen.
Die neue Finanzierung soll Jibu unter anderem ermöglichen, 22 weitere Franchisebetriebe in Ländern wie Sambia und Ghana aufzubauen. Nach Angaben des Unternehmens schafft die Finanzierung zugleich Freiraum, den operativen Cashflow zu steigern, statt fortlaufend neue Investoren suchen zu müssen. Helms zufolge zeigt der Fall, dass im Impact Investing nicht allein die Höhe des verfügbaren Kapitals zählt, sondern vor allem dessen Passung zu Unternehmen, Geschäftsmodell und Wirkungszielen. (DFPA/abg)
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