Bereits eine vergleichsweise geringe Luftverschmutzung kann einer US-Studie zufolge die Lernleistung von Schülern erheblich beeinträchtigen. Besonders stark betroffen sind demnach Schüler an benachteiligten Schulen sowie schwarze und hispanische Jugendliche. In einer Analyse der Studie verweist Prof. Dr. Dirk Söhnholz auf mögliche weitreichende wirtschaftliche Folgen der Ergebnisse.
Für die von Patrick Behrer von der Weltbank und weiteren Forschern durchgeführte Untersuchung wurden Längsschnittdaten von nahezu zehn Millionen US-amerikanischen Schülerinnen und Schülern der Oberstufe ausgewertet. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen der Luftverschmutzung und den Ergebnissen des standardisierten PSAT-Tests.
Der Studie zufolge verringert ein Jahr beobachteter Schadstoffbelastung die Lernleistung um 14 bis 19 Prozent des typischen jährlichen Leistungszuwachses. Der Effekt tritt demnach vor allem an Tagen mit mäßiger Luftverschmutzung auf. Besonders relevant sei eine Belastung von acht bis zwölf Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft – ein Bereich, der unter einem historischen Grenzwert der US-Umweltbehörde EPA liegt.
Die Auswirkungen seien während des Schuljahres deutlich stärker als während der Sommermonate. Bei Schülern an benachteiligten Schulen sowie bei schwarzen und hispanischen Schülern seien die Effekte laut Studie etwa dreimal so groß. Die Forscher kommen zudem zu dem Schluss, dass der Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Lernleistung nicht linear verläuft. Negative Auswirkungen könnten demnach bereits bei vergleichsweise niedrigen Belastungen auftreten.
Söhnholz sieht darin über die gesundheitlichen Folgen hinaus eine mögliche wirtschaftliche Relevanz. In seiner Analyse der Studie verweist der geschäftsführende Gesellschafter der Soehnholz ESG GmbH darauf, dass die Qualität des Humankapitals insbesondere für Länder mit alternder und schrumpfender Bevölkerung von großer Bedeutung sei. Eine Verbesserung der Luftqualität könnte demnach nicht nur gesundheitliche Vorteile bringen, sondern auch Lernleistungen und damit langfristig Bildungs- und Arbeitsmarktchancen verbessern.
Die wirtschaftlichen Kosten der Luftverschmutzung könnten deshalb höher sein als bislang angenommen, schreibt Söhnholz in seiner Analyse. Zugleich weist er darauf hin, dass die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragbar seien, da die Untersuchung auf Daten von US-amerikanischen Schülern basiert. Sollten sich die Befunde jedoch auch in anderen Ländern bestätigen, könnten Investitionen in eine bessere Luftqualität neben gesundheitlichen auch erhebliche bildungs- und volkswirtschaftliche Vorteile haben.
Söhnholz leitet aus den Ergebnissen zudem eine Bedeutung für nachhaltige Kapitalanlagen ab. Investitionen könnten nach seiner Einschätzung einen Beitrag zu einer besseren Luftqualität leisten, etwa über Unternehmen aus den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz oder Gesundheitsversorgung. Die konkrete Wirkung einzelner Investments auf die Luftqualität lasse sich allerdings nur schwer messen.
Das Working Paper ist beim ifo/CESifo als PDF verfügbar.