Der Rhein-Kreis Neuss (RKN) hat als erste deutsche Kommune ein umfassendes Daten-Donut-Modell zur Bewertung seiner Nachhaltigkeit vorgestellt. Das digitale Steuerungsinstrument soll auf einen Blick zeigen, in welchen Bereichen der Kreis bereits nachhaltig aufgestellt ist und wo weiterer Handlungsbedarf besteht. Die Premiere stieß international auf Interesse.
Gemeinsam mit dem Verein Donut Munich präsentierte der Rhein-Kreis Neuss den sogenannten Daten-Donut in einer Online-Veranstaltung. Mehr als 70 Interessierte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Kanada und Südkorea meldeten sich an. Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutierten über Chancen und Grenzen des Modells.
Der Rhein-Kreis Neuss steht vor besonderen Herausforderungen. Die Region im Rheinischen Revier befindet sich nach dem beschlossenen Braunkohleausstieg mitten in einem Strukturwandel. Gleichzeitig ist der Kreis Standort energieintensiver Industrie, darunter eines der weltweit größten Aluminium-Schmelz- und Walzwerke. Die Dekarbonisierung der Wirtschaft gilt deshalb als zentrale Zukunftsaufgabe.
Für seine Nachhaltigkeitsstrategie, die vom Bundesumweltministerium gefördert wird, nutzt der Kreis das Donut-Modell als Bestandsaufnahme. Insgesamt 44 Indikatoren – darunter acht speziell für die Region entwickelte Kennzahlen – bilden die ökologische, soziale und wirtschaftliche Situation ab. Die Daten orientieren sich größtenteils an den Nachhaltigkeitsindikatoren der Vereinten Nationen (SDGs), wurden aber an lokale Bedingungen angepasst.
Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Nachhaltigkeitsstrategien liegt in der Visualisierung und Bewertung. Der Daten-Donut arbeitet mit klar definierten ökologischen Grenzen und sozialen Mindeststandards. Dadurch sollen Zielkonflikte sichtbar werden, etwa zwischen Klimaschutz, wirtschaftlicher Entwicklung und sozialer Gerechtigkeit.
Nach Einschätzung von Oliver Peters vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), einem Mitentwickler des Daten-Donuts, macht das Modell Nachhaltigkeit greifbarer und zeigt Bereiche auf, die in herkömmlichen Analysen häufig übersehen werden.
Die Entwicklung des Modells erfolgte unter Beteiligung von Verwaltung, Politik, Unternehmen, Umweltverbänden und Wissenschaft. Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigen laut Kreis, dass der Donut einen schnellen Überblick über die Nachhaltigkeitslage ermöglicht, gleichzeitig aber einen hohen Aufwand bei Datenerhebung und Abstimmung erfordert.
Der Rhein-Kreis Neuss prüft nun die Weiterentwicklung zu einem sogenannten Strategie-Donut mit konkreten Zielen und Maßnahmen. Zudem wird der Einsatz KI-gestützter Nachhaltigkeitsprüfungen für politische Entscheidungen erwogen. (DFPA/abg)
Hier geht es zum Daten-Donut des RKN.
Donut Munich e.V. ist eine Gemeinschaft engagierter Menschen, die davon überzeugt sind, dass eine nachhaltige und regenerative Zukunft möglich ist. Den Namen verdanken sie dem Donut-Modell der Ökonomin Kate Raworth: Zwischen dem inneren Ring (soziales Fundament wie Gesundheit, Bildung, Gerechtigkeit) und dem äußeren Ring (planetare Grenzen wie Klimawandel, Biodiversität, Süßwasser) liegt der “sichere Raum” für die Menschheit – visualisiert wie ein Donut.
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