Infrastrukturinvestitionen – jetzt ist der richtige Moment
Investitionen, Strukturreformen, Konsolidierung: Das sind die Prioritäten des Entwurfs für den Bundeshaushalt 2025. Ziel ist es, die äußere und innere Sicherheit zu stärken, Deutschland zu modernisieren, wettbewerbsfähiger zu machen und auch zu sparen. Ludger Wibbeke, Geschäftsführer der Hansainvest Hanseatische Investment-GmbH, Hamburg nimmt den Entwurf für den Bundeshaushalt 2025 zum Anlass, um die Investitionsstrategie Deutschlands einzuordnen – insbesondere mit Blick auf die wachsende Infrastrukturlücke und die Rolle privater Mittel.
Der neue Bundeshaushalt ist damit grundsätzlich ein gutes Zeichen. Denn Deutschlands öffentliche Investitionen waren im internationalen Vergleich lange gering – und das ist erstaunlich lange kein Problem gewesen. Der Grund: Die deutsche Infrastruktur war lange Zeit in einem vergleichsweise guten Zustand. Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass sie in den vergangenen Jahren kontinuierlich schlechter geworden ist. Deutschland lebt heute von einer Infrastruktur, die langsam, aber sichtbar bröckelt.
Diese Entwicklung ist auch statistisch und ökonomisch erklärbar: Seit Anfang des 20. Jahrhunderts haben sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und die Infrastrukturinvestitionen in Deutschland ziemlich parallel entwickelt – bis zur Wiedervereinigung. Danach stagnierte der staatliche Investitionsanteil. Und nun, da auch das BIP unter Druck gerät, verschärft sich das Problem weiter.
Sondervermögen nur Tropfen auf heißen Stein
Das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro bis 2035 für Infrastrukturinvestitionen ist deshalb zwar wichtig – aber eben nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Eine aktuelle Studie von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, verortet die Infrastrukturlücke in Deutschland in derselben Zeit eher bei einer Billion Euro. Das ist angesichts der beschriebenen Entwicklung plausibel – und andere Studien kommen zu noch höheren Summen.
Fakt ist: Diese Lücke wird sich mit öffentlichen Mitteln allein nicht schließen lassen. Private Investitionen sind nötig, doch auch hier ist Deutschland im internationalen Vergleich schwach aufgestellt. Die 50 Milliarden Euro pro Jahr an öffentlichen Investitionen sind also nur ein Hebel und nicht die Lösung.
Das Kapital wäre da: 3,4 Billionen Euro liegen in Form von Bargeld und Bankeinlagen niedrigverzinst bei deutschen Sparern. Mobilisieren wir davon jährlich nur zwei Prozent, würden die Mittel die geplanten öffentlichen Investitionen übertreffen – ohne eingerechnet zu haben, dass eine sinnvolle Ausgestaltung sogar höhere Renditen ermöglichen könnte.
Private Infrastrukturinvestitionen müssen erleichtert werden
Was es dafür braucht? Der Regulator muss private Infrastrukturinvestitionen erleichtern, zum Beispiel durch einen vereinfachten Zugang zu Vehikeln wie dem ELTIF. Derzeit ist es beispielsweise noch einfacher, in italienische Staatsanleihen zu investieren als in deutsche Infrastruktur. Parallel braucht es auf öffentlicher Seite nicht nur mehr Mittel, sondern auch mehr administrative Kapazitäten, um das Geld überhaupt verbauen zu können. Hier hat der Staat gegenüber der Privatwirtschaft strukturelle Nachteile.
Beide Seiten eint außerdem ein gemeinsames Problem: lange Genehmigungswege, hohe Standards, hohe Kosten. Daraus ergibt sich ein klarer Handlungsauftrag: Strukturveränderungen in den Genehmigungsverfahren, echte Deregulierung, nachvollziehbare Zeit- und Aufwandsvorteile, für staatliche wie private Investitionen.
Steuerliche Anreize wie in Italien und Frankreich
Auf Seiten der privaten Investoren braucht es zusätzlich eine ähnliche Entschlossenheit wie beim Bundeshaushalt selbst: steuerliche Anreize, regulatorische Erleichterungen – insbesondere auch für institutionelle Investoren. Die Infrastrukturquote von fünf Prozent in der Anlageverordnung war ein wichtiger Startpunkt. Aber sie kann nicht das Ende sein.
Das Fazit hierbei: Wir können zwei wichtige Ziele gleichzeitig erreichen: die Erneuerung und Transformation unserer Infrastruktur und den Aufbau einer privaten Altersvorsorge. Voraussetzung ist, dass wir privates Kapital entfesseln – durch steuerliche Anreize, regulatorische Öffnungen und eine ernstgemeinte Vereinfachung der Rahmenbedingungen. Frankreich und Italien zeigen bereits, wie es funktionieren kann: Dort führte die gezielte steuerliche Förderung zu einem deutlichen Anstieg der ELTIF 2.0-Auflagezahlen. Deutschland muss jetzt nachziehen.
Ludger Wibbeke ist Geschäftsführer der Kapitalverwaltungsgesellschaft Hansainvest Hanseatische Investment-GmbH, Hamburg, die 1969 gegründet wurde und Teil der Signal-Iduna Gruppe ist. Aktuell werden von rund 400 Mitarbeitenden mehr als 540 Publikums- und Spezialfonds mit einem Bruttofondsvermögen von über 65 Milliarden Euro administriert.
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 15-2025 erschienen.