Scope-Studie: ESG-Fonds stehen unter Druck
Nachhaltige Fonds erleben einen signifikanten Wandel. Während sogenannte hellgrüne Fonds nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) deutlich wachsen, verlieren streng nachhaltige Artikel-9-Fonds sowohl an Zahl als auch an verwaltetem Vermögen. Geopolitische Verschiebungen und regulatorische Anpassungen prägen das Marktumfeld.
Zum Stichtag 28. Februar 2026 waren in Deutschland 584 Artikel-9-Fonds mit einem Volumen von 207 Milliarden Euro zugelassen – ein Rückgang von rund sieben Prozent bei Anzahl und Vermögen binnen eines Jahres. Artikel-8-Fonds konnten im gleichen Zeitraum deutlich zulegen: Ihre Zahl stieg auf 6.623 Fonds, das verwaltete Vermögen wuchs um rund 1,4 Billionen Euro auf 5,76 Billionen Euro. Artikel-8-Produkte profitieren von geringeren Einschränkungen bei der Portfoliozusammensetzung.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der steigende Stellenwert von Verteidigung und fossilen Energien aufgrund der Politik der US-Regierung und infolge geopolitischer Krisen. Der erhöhte Investitionsdruck auf Europa wirkt sich direkt auf die Kapitalmärkte aus: Rüstungsunternehmen zählen zu den stärksten Performern, was deren Aktien für Anleger attraktiv macht.
Die EU-Offenlegungsverordnung erlaubt nachhaltigen Fonds unter bestimmten Bedingungen Investitionen in Rüstungstitel. Das geht so weit, dass selbst Produkte, die sich auf diese Branche fokussieren, das Label eines hellgrünen Fonds tragen dürfen. Die EU-Taxonomie als weiteres maßgebliches Regelwerk für ESG-Investitionen stuft Rüstung dagegen nicht als nachhaltige wirtschaftliche Aktivität ein.
Einen weiteren Einschnitt markiert die Umsetzung der ESMA-Leitlinien zu Fondsnamen, die seit Mai 2025 für alle Fonds gelten. Innerhalb von rund einem Jahr sank die Zahl der Fonds mit ESG-Bezug im Namen um 29 Prozent, das entsprechende Fondsvermögen um 18 Prozent. Insgesamt wurden 610 Fonds umbenannt – etwa jeder vierte Fonds, dessen Name im Oktober 2024 einen Nachhaltigkeitsbezug hatte. Besonders stark rückläufig ist die Verwendung allgemein nachhaltigkeitsbezogener Begriffe (minus 41,6 Prozent). (DFPA/ljh)
Scope Fund Analysis ist Teil der Scope Gruppe und bewertet Investmentfonds, Asset Manager und Zertifikate-Anbieter. Die Scope Group ist ein Anbieter von unabhängigen Kreditratings, ESG- und Fondsanalysen. Es werden mehr als 300 Mitarbeiter in Büros in Berlin, Frankfurt, London, Madrid, Mailand, Oslo und Paris beschäftigt.