Analyse: Deutsche Haushalte unterschätzen existenzielle Vorsorgelücken
Eine Auswertung des Beratungsunternehmens Alvarez & Marsal (A&M) zeigt strukturelle Versorgungslücken in der finanziellen Absicherung deutscher Haushalte. Besonders der Verlust der Arbeitskraft, aber auch Todesfall, Pflegebedürftigkeit und Ruhestand stellen für viele Familien ein deutlich größeres finanzielles Risiko dar als allgemein angenommen.
Im Zentrum der Untersuchung steht ein haushaltszentrierter Ansatz: Nicht formale Leistungszusagen staatlicher Systeme, sondern die tatsächliche Fähigkeit eines Haushalts, laufende Kosten dauerhaft zu decken, wurden analysiert. Grundlage ist ein exemplarischer Vier-Personen-Haushalt mit einem Hauptverdiener.
Die Analyse von A&M quantifiziert erstmals zentrale Vorsorgerisiken anhand konkreter Cashflow-Szenarien. Demnach beträgt der ökonomische Wert der Arbeitskraft eines 40-jährigen Hauptverdieners mit 90.000 Euro Jahreseinkommen rund 1,37 Millionen Euro. Gleichzeitig zeigen die Modellrechnungen erhebliche monatliche Versorgungslücken: bei Erwerbsminderung von Angestellten durchschnittlich rund 2.500 Euro, bei Beamten etwa 1.600 Euro, bei verkammerten Berufen wie Ärzten oder Rechtsanwälten teilweise über 2.700 Euro.
Auch im Todesfall reicht die staatliche Hinterbliebenenversorgung laut der Analyse häufig nicht aus, um die finanzielle Stabilität eines Familienhaushalts dauerhaft sicherzustellen. Für einen typischen Vier-Personen-Haushalt errechnet A&M einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 400.000 Euro, um die Versorgungslücke über die aktive Familienphase zu schließen.
Darüber hinaus zeigt die Analyse, dass auch der Ruhestand vielfach unterschätzt wird. Selbst bei stabilen gesetzlichen Rentenleistungen verbleibt im Modellhaushalt eine strukturelle Versorgungslücke von rund 580 Euro monatlich. Für eine existenzsichernde Zusatzvorsorge ergibt sich daraus ein Kapitalbedarf von etwa 210.000 Euro.
Besondere Aufmerksamkeit widmet die Untersuchung zudem dem Thema Pflege. Pflegebedürftigkeit wirkt laut A&M doppelt belastend: Einerseits entstehen erhebliche zusätzliche Kosten, andererseits können gleichzeitig Einkommen wegfallen. In bestimmten Szenarien können so Versorgungslücken von bis zu 4.000 Euro monatlich entstehen. (DFPA/mb)
Alvarez & Marsal ist ein 1983 in New York City gegründetes Beratungsunternehmen, das unter anderem in den Bereichen Turnaround-Management, Sanierungsberatung, Krisen- und Interims-Management tätig ist.