Internationale Aktien und Schwellenländer 2025 klar stärker als US-Markt
Internationale Aktien und Anlagen in Schwellenländern haben im vergangenen Jahr deutlich besser abgeschnitten als der US-Markt. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Research-Instituts der London Stock Exchange Group, FTSE Russell, hervor. Die Experten sehen auch für 2026 gute Chancen außerhalb der USA.
Nach Jahren der US-Dominanz hat sich die Gewichtsverteilung an den globalen Aktienmärkten 2025 deutlich verschoben. Während der US-Aktienmarkt mit einem Minus von 18,0 Prozent abschloss, legten entwickelte Märkte außerhalb der USA um 34,9 Prozent zu, Schwellenländer sogar um 26,5 Prozent, wie aus dem jüngsten Global Wealth Research-Bericht von FTSE Russell hervor geht.
Getrieben wurde die Entwicklung vor allem von einer breiteren Marktführerschaft und steigenden Unternehmensgewinnen außerhalb der Vereinigten Staaten. Die US-Börse leidet demnach unter hoher Marktkonzentration: Die zehn größten Unternehmen machen inzwischen fast 40 Prozent des US-Index aus, Technologieaktien sogar rund 47 Prozent. Gleichzeitig liegen die Bewertungkennziffern weiter auf hohem Niveau – mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22,6 im neunten Dezil der Zehnjahres-Historie.
Deutlich günstiger erscheinen dagegen andere Regionen. Für die nächsten zwei Jahre erwarten die Analysten ein Gewinnwachstum von nur 5,1 Prozent für US-Unternehmen, während Japan mit 9,7 Prozent, Großbritannien mit 10,4 Prozent sowie der asiatisch-pazifische Raum ohne Japan mit 18,2 Prozent deutlich höhere Zuwächse in Aussicht stellen. Für Schwellenländer werden 16,4 Prozent prognostiziert.
Auch an den Rentenmärkten und bei Währungen verschieben sich die Gewichte. Schwellenländer-Staatsanleihen erzielten 2025 in Dollar gerechnet 10,6 Prozent und lagen damit vor den Industrieländern mit 9,7 Prozent. Besonders stark waren Südafrika, Brasilien und Mexiko mit Renditen zwischen 38 und 43 Prozent. Zugleich verlor der US-Dollar an Wert, während Euro, Schweizer Franken sowie mehrere Schwellenländerwährungen deutlich zulegten. FTSE Russell sieht darin ein Zeichen für eine schrittweise Diversifizierung weg von Dollar-Anlagen.
Makroökonomisch rechnen die Analysten für 2026 mit einem weltweiten Wachstum von 2,9 Prozent. Hinter dem globalen Durchschnitt verbergen sich jedoch starke regionale Unterschiede: Während China, Indien und andere Schwellenländer höhere Wachstumsraten bei moderater Inflation erwarten lassen, steht die US-Notenbank vor einem Zielkonflikt aus steigender Arbeitslosigkeit und zugleich höherer Inflation.
Besondere Aufmerksamkeit richten die Experten auf Japan. Dort könnten strengere Regeln zur Unternehmensführung und ein möglicher Abbau des sogenannten Yen-Carry-Trades erhebliche Kapitalbewegungen auslösen. Eine Aufwertung des Yen würde vor allem hochverzinsliche Anlagen in Schwellenländern und im High-Yield-Bereich unter Druck setzen, gleichzeitig aber japanische Vermögenswerte attraktiver machen.
Insgesamt sprechen laut FTSE Russell mehrere Faktoren für eine stärkere internationale Streuung von Anlegerportfolios: sinkende Korrelationen zwischen Anlageklassen, solide Gewinnperspektiven außerhalb der USA und eine anhaltende Schwäche des Dollarraums. „Die Phase der einseitigen US-Fokussierung scheint vorbei“, lautet die zentrale Botschaft der Studie. (DFPA/abg)
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