ELTIF-Experte: Zögerlicher Start ist kein schlechtes Zeichen
Auch wenn sich der Vertrieb von ELTIFs (European Long-Term Investment Funds) bislang verhalten entwickelt, sieht der frühere Portfoliomanager Marcus Müller darin kein negatives Signal. „Wer in solche Vehikel investiert, sollte das mit einer langfristigen Perspektive tun. Dementsprechend will so eine Entscheidung wohlüberlegt sein“, sagte Müller im Gespräch mit dem Finanzportal Citywire.
Der Aufbau notwendiger Prozesse bei Banken und die Schulung von Vertriebseinheiten nähmen Zeit in Anspruch. Mit der überarbeiteten ELTIF-Verordnung, die seit Januar 2024 gilt, wurden die Rahmenbedingungen für Anbieter deutlich attraktiver gestaltet: Offene Fonds sind nun erlaubt, Investitionen in kleinere Sachwerte möglich, und die Marktkapitalisierungsgrenze für börsennotierte Unternehmen wurde von 500 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro angehoben. „Das wird zu mehr Produktvielfalt führen“, prognostiziert Müller.
Der Experte betreibt die Informationsplattform ELTIF.info und berät Finanzdienstleister bei der Due Diligence. Seiner Einschätzung nach sind seit Inkrafttreten der neuen Regelung über 60 ELTIFs europaweit aufgelegt worden – mehr als 40 davon dürfen auch in Deutschland vertrieben werden. Deutschland hole damit im europäischen Vergleich auf.
ELTIFs böten laut Müller vor allem für Vermögensverwalter neue Chancen, strategisch auf Private Markets zuzugreifen – etwa durch Investments in Private Debt mit variabler Verzinsung. Gleichzeitig könnten nun auch private Anleger über kleinere Ticketgrößen Zugang zu Anlageklassen erhalten, die früher institutionellen Investoren vorbehalten waren. Müller betont: „Die Fonds lassen sich einfach ins Depot einbuchen – ohne separate Abwicklungswege.“
Gleichwohl sieht Müller auch Herausforderungen beim Liquiditätsversprechen offener ELTIFs. Wie stabil dieses in Stressphasen sei, werde sich erst zeigen müssen: „Es ist jetzt noch zu früh, darüber zu urteilen.“ Entscheidend bleibe die Qualität des Investmentprozesses: „Man kauft keinen Track Record, sondern einen Investmentprozess.“ (DFPA/abg)
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