Reform der privaten Altersvorsorge: Es gibt noch Nachbesserungsbedarf
Mit dem kommenden Altersvorsorgereformgesetz soll die staatlich geförderte private Altersvorsorge (pAV) neu geordnet werden. Mehr Produktvielfalt, eine neue Förderlogik und ein „Standardprodukt“ mit niedrigen Kosten und Online-Abschluss – das sind die wichtigsten Eckpunkte. Eine Sonderbefragung des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) unter 2.000 Bürgern macht aber deutlich: Es gibt noch erheblichen Nachbesserungsbedarf.
Die Bundesregierung glaubt, dass mit einem sehr einfachen Produkt die meisten Deutschen imstande sind, ihre Altersvorsorge eigenständig ohne Beratung zu regeln. Deshalb sieht das neue Gesetz ein so genanntes Standardprodukt mit eng definierten Anlageoptionen, niedrigen Kosten, Online-Abschluss und ohne Zusatzbausteine vor. Die Befragungsergebnisse bestätigen diese Einschätzung zumindest für die Breite der Bevölkerung nicht. „Gerade Geringverdiener, für die das Standardprodukt primär gedacht ist, sehen sich mehrheitlich (69,2 Prozent) nicht in der Lage, die Neuerungen ohne Beratung zu durchschauen. Aber auch von den Durchschnitts- und Besserverdienenden will sich rund die Hälfte beraten lassen. Wir stellen uns die Frage, wie die Breite der Bevölkerung erreicht werden soll, wenn Beratung entgegen dem Bedarf politisch nicht gewünscht und ihre Bezahlung mit einem Zillmerverbot kaum noch möglich ist“, kommentiert Dr. Helge Lach, Vorsitzender des DUV Deutscher Unternehmensverband Vermögensberatung (Auftraggeber der Befragung).
Die wohl maßgebliche Innovation des neuen Gesetzes sei neben einer neuen Fördersystematik das so genannte Altersvorsorgedepot, also ein staatlich geförderter Fondssparplan mit Auszahlplan (mindestens bis zum 85. Lebensjahr). War bisher in der Altersvorsorge die private Rentenversicherung das Maß der Dinge, dürften mit dem Altersvorsorgedepot die Karten neu gemischt werden. (DFPA/mb)
Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung GmbH (DIVA) ist das Forschungsinstitut des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater (BDV) und Hochschulinstitut der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW).