Beratung zu ELTIFs erfordert sorgfältige Aufklärung
Was die Vermittlung von ELTIF-Beteiligungen angeht, zeigt sich die konzernunabhängige Finanzberatungsgruppe Plansecur, Kassel, zurückhaltend. Noch habe sie keine ElTIFs im Angebot. Warum und wie sie ELTIFs einschätzt, darüber sprach EXXECNEWS mit Felix Knaak, Plansecur-Referent Vertriebsrecht und Produktmanager Geschlossene Beteiligungen und Kapitalanlagen.
Vermitteln Sie Ihren Kunden Beteiligungen an ElTIFs?
Aktuell nicht. Über die FFB sind ELTIFs derzeit nicht vermittelbar. Wir hätten aber theoretisch die Möglichkeit, geschlossene ELTIFs über eFonds24 zu vermitteln. Von diesen gibt es aktuell jedoch nur ein sehr begrenztes Angebot. Die weitere Entwicklung des Marktes und die technische Abwicklung werden beobachtet. Als „Ventillösung“ stehen Versicherungsprodukte wie die „Allianz Private Markets Police“ oder „Swiss Life Privado“ zur Verfügung.
Wir sehen die wesentlichen Hürden, insbesondere bei der technischen Abwicklung sowie im Hinblick auf die Vergleichbarkeit von Produkten in Bezug auf beispielsweis Rückgaberechte, Kostenquoten und Renditeerwartungen. Hinzu kommen hohe Anforderungen an Produktprüfung, Dokumentation und Schulung, die einen erheblichen Mehraufwand bedeuten und derzeit nicht im Verhältnis zum Nutzen stehen.
Die Abwicklung ist derzeit branchenweit noch ein zentrales Problem. Über die FFB ist derzeit keine Abwicklung möglich. Auch auf Branchenebene wird die mangelnde Standardisierung und die Komplexität für die Depotführung als Hemmnis genannt. Sofern wir zu einem späteren Zeitpunkt die Vertriebsfreigabe für ELTIFs erteilen sollten, werden wir aus heutiger Sicht dafür keine neue Plattformen etablieren, sondern uns auf die bestehenden Partner beschränken.
Könnten ELTIFs für Sie eine sinnvolle Ergänzung sein oder stellen sie für Sie eine Konkurrenz zu anderen Anlageformen dar?
ELTIFs sind sicherlich eher eine Ergänzung als eine Konkurrenz. Sie können Privatanlegern eine breitere Diversifikation ermöglichen. Allerdings fehlt es noch an einer belastbaren Historie hinsichtlich Performance und Marktakzeptanz, weshalb sie aktuell (noch) keine echte Konkurrenz zu etablierten Produkten darstellen. Semi-offene ELTIFs können sicherlich als „Hybrid “ zwischen klassischen geschlossenen Fonds und offenen Anlageformen verstanden werden. Geschlossene AIFs bleiben weiterhin in Bezug auf die nach dem KAGB zulässigen Sachwertinvestitionen die effizienteste Produktlösung.
Wo sehen Sie die wesentlichen Unterschiede?
Die Unterschiede liegen vor allem in der Vielfalt und Komplexität der Produktkonzepte sowie in der eingeschränkten Fungibilität. ELTIFs sind häufig nur eingeschränkt handelbar, was sie von offenen Fonds und auch von vielen AIFs unterscheidet. Zudem sind die Kostenstrukturen oft hoch und die Rückgabemöglichkeiten aufgrund nötiger Liquiditätssteuerungsinstrumente begrenzt.
Was die Fungibilität angeht: Es gibt doch semi-liquide Formen von ELTIFs.
Die sogenannte „Pseudo-Liquidität“ semi-liquider Strukturen sehen wir kritisch. Unterschiedliche Rückgabefristen, Gating-Mechanismen oder Rückgabeabschläge bergen das Risiko, dass Rückgaben in angespannten Marktphasen nicht wie erwartet möglich sind. Es besteht die Gefahr, dass ELTIFs als „offen“ wahrgenommen werden, obwohl sie faktisch illiquide Langfristvehikel sind.
Also sehen Sie keine Argumente für eine ELTIF-Beteiligung?
Positiv hervorzuheben ist die steigende Aufmerksamkeit für Sachwerte und alternative Anlageklassen. ELTIFs bieten Zugang zu neuen Investmentmöglichkeiten, allerdings ist die Renditeerwartung aufgrund fehlender Historie und teilweise hoher Kostenquoten schwer einzuschätzen. Viele ELTIFs haben klaren ESG-Fokus und ermöglichen Impact-Investing.
Aber ELTIFs sind komplex. Die Vielfalt der Produktkonzepte, die regulatorischen Anforderungen und die Notwendigkeit einer sorgfältigen Aufklärung und Dokumentation machen sie zu beratungsintensiven Produkten.
Was bedeutet das für die Beratung?
Die Beratung zu ELTIFs erfordert eine besonders sorgfältige Aufklärung und Dokumentation. Kunden müssen umfassend über die Funktionsweise, die Risiken und die eingeschränkte Handelbarkeit informiert werden. Eine Integration in die bestehenden Beratungsprozesse ist notwendig, um diesen Anforderungen gerecht zu werden.
Eignen sich ELTIFs für den freien Anlagevertrieb oder sind ELTIFs primär ein Bankprodukt?
ELTIFs sind grundsätzlich auch für den freien Vertrieb denkbar. Aktuell sind sie aufgrund der fehlenden Abwicklungsmöglichkeiten sicherlich noch eher ein Bankprodukt. Die jeweiligen Banken vertreiben über ihre hauseigenen Depotstellen zumeist ausschließlich ihre hauseigenen ELTIF-Produkte.
Für die bereits 1986 durch Klaus Dieter Trayser gegründete konzernunabhängige Finanzberatungsgruppe Plansecur sind heute deutschlandweit 180 Berater tätig. Plansecur betreut ein Depotvolumen von rund 1,3 Milliarden Euro.
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 26-2025 erschienen.
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